22. November 2020 / 20:02 Uhr

Schwerfällig, aber souverän: SC Potsdam an der Tabellenspitze

Schwerfällig, aber souverän: SC Potsdam an der Tabellenspitze

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Erleichtert, nicht euphorisch bejubelte das Potsdamer Team den Arbeitssieg gegen den Kontrahenten aus dem Münsterland.
Erleichtert, nicht euphorisch bejubelte das Potsdamer Team den Arbeitssieg gegen den Kontrahenten aus dem Münsterland. © Julius Frick
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Auch ihr viertes Spiel binnen neun Tagen haben die Brandenburger Bundesliga-Volleyballerinnen gewonnen. Beim 3:0 gegen den USC Münster trotzten sie der Müdigkeit und mentalen Herausforderung.

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Die Schwierigkeit des Spiels definierte sich über mehr als nur den Gegnerstatus. In der Volleyball-Bundesliga der Frauen hatte der SC Potsdam am Sonntagnachmittag den Tabellenvorletzten USC Münster zu Gast. Nicht unbedingt schwer für ein Top-Team, könnte die Konstellation ausdrücken. „Aber das war für uns eine riesige Herausforderung – physisch und psychisch“, sagte SCP-Cheftrainer Guillermo Naranjo Hernandez. Zufrieden konnte er festhalten: „Wir haben sie souverän bestanden.“ Mit 3:0 (25:20, 25:20, 25:20) setzten sich die Potsdamerinnen durch.

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Im Stile einer Spitzenmannschaft

Es war ihr viertes Match binnen neun Tagen, letztlich auch der vierte Sieg. „Dieses Pensum ist verrückt“, meinte Hernandez. „Das Team ist müde, sehr müde.“ Dazu habe es sich nach dem Hochgefühl von Donnerstagabend, als durch den Erfolg beim MTV Stuttgart erstmalig der Einzug ins nationale Pokalfinale gelungen war, nun wieder auf den Liga-Alltag einstimmen müssen. „Das ist auch nicht leicht. Das Team kommt von einem irren Adrenalinspiegel und soll dann gleich wieder auf der Höhe sein.“

SC Potsdam: Kader 2020/21 in der Frauenvolleyball-Bundesliga

Das SCP-Team für die Saison 2020/21. Zur Galerie
Das SCP-Team für die Saison 2020/21. © Kathleen Friedrich/SC Potsdam

Entsprechend mühselig gestaltete sich am Sonntag die Partie in der MBS-Arena. Die Gastgeberinnen agierten schwerfällig, teils unkonzentriert. Allerdings insgesamt souverän. „Das ist eine Qualität von Spitzenmannschaften“, betonte der Coach. „Sie gewinnen, wenn sie gut spielen. Aber auch, wenn nicht unbedingt alles klappt.“

Gleiches Drehbuch in allen Sätzen

Gegen Münster verliefen die drei Sätze nicht nur wegen desselben Endresultats nach dem gleichen Drehbuch. Der SCP startete gut, baute sich ein komfortables Punktepolster auf, das nach zwischenzeitlichen Problemen wieder schrumpfte. „Wir haben in den kritischen Momenten aber immer wieder Antworten gefunden“, lobte Sportdirektor Toni Rieger, der auch den Gästen für ihren Kampfgeist Respekt zollte.

Der Wille ihres Teams, etwas zu bewegen, gefiel auch Lisa Thomsen. Am Spielfeldrand quittierte sie das mit emotionalen Gesten als Anerkennung und Ansporn. Die bisherige USC-Assistenztrainer hatte vor einem Monat den Chefposten des freigestellten Teun Buijs übernommen. Die Rolle tritt sie aber schon demnächst wieder ab. Mitte Dezember geht die schwangere Ex-Nationalspielerin in Mutterschutz – der sportliche Leiter Ralph Bergmann macht solange weiter, ehe Thomsen zur nächsten Saison wieder einsteigen soll.

Europapokal am Mittwoch

In Potsdam musste sich ihre Truppe nun der Qualität des Kontrahenten beugen. Brittany Abercrombie und Lindsey Ruddins waren mit je 14 Punkten die besten SCP-Scorerin, Symone Speech (8) wurde als wertvollste Spielerin der Partie gekürt. „Wir sind froh“, sagte Hernandez erleichtert, „dass wir das heute so gut durchgebracht haben.“

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Anders als der Pokal-Endspielgegner. Der Schweriner SC war bereits am Samstag und damit nur zwei Tage nach dem Cup-Semifinale wieder in der Liga gefordert, unterlag überraschend dem Tabellenachten VC Wiesbaden 2:3. Von wegen leichte Konstellation. Durch Schwerins Patzer und weil Stuttgart spielfrei hatte, setzten sich die Potsdamerinnen vorerst wieder an die Spitze des Bundesliga-Klassements.

Keine schlechte Referenz, um bereits am Mittwoch (19 Uhr) wieder in eigener Halle selbstbewusst aufschlagen zu können – dann im CEV-Cup gegen Hapoel Kfar Saba aus Israel. Dass beim Duell mit Münster nur drei Sätze notwendig waren, kam den müden SCP-Volleyballerin für die Europapokal-Aufgabe entgegen.

SC Potsdam: Abercrombie (14), Ruddins (14), Speech (8), Veltman (7), Emonts (7), Takagui, Jegdic, Agbortabi, Wilczek, Stautz, Flory.

Nach Pokal-Aus gegen SCP: Stuttgarter Trainer geht

Der Coup des SC Potsdam im Deutschen Volleyball-Pokal zog personelle Konsequenzen beim Gegner nach sich. Nach der klaren 1:3-Halbfinalniederlage gegen Potsdam auf heimischem Feld am Donnerstagabend gehen Frauen-Bundesligist MTV Stuttgart und Trainer Giannis Athanasopoulos getrennte Wege. Wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Weiterentwicklung beim Deutschen Meister von 2019 habe der Grieche angeboten, seinen Vertrag mit sofortiger Wirkung aufzulösen, teilte der Club am Sonntag mit.

Athanasopoulos hatte das Team 2017 vom aktuellen Potsdamer Coach Guillermo Naranjo Hernandez übernommen und voriges Jahr mit dem ersten DM-Titel zum bisher größten Erfolg der Vereinsgeschichte geführt. Derzeit ist der MTV hinter dem SCP Liga-Zweiter. An der Seite von Hernandez war der 42-Jährige schon Stuttgarts Assistenztrainer und so an zwei der bisher drei Pokalsiege des Vereins beteiligt.