18. Juni 2021 / 17:25 Uhr

Der Vulkan brodelt weiter in Potsdam: Hernandez bleibt SCP-Cheftrainer bis 2023

Der Vulkan brodelt weiter in Potsdam: Hernandez bleibt SCP-Cheftrainer bis 2023

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Unter seiner seit Ende 2018 währenden Führung schaffte der SC Potsdam die größten Erfolge der Vereinsgeschichte. 
Unter seiner seit Ende 2018 währenden Führung schaffte der SC Potsdam die größten Erfolge der Vereinsgeschichte.  © Julius Frick
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Der Spanier hat seinen Vertrag vorzeitig um ein weiteres Jahr verlängert - an seinem 44. Geburtstag. Nun möchte er mit seinen Vertrauten gerne noch "Großes" beim Volleyball-Bundesligisten SC Potsdam vollbringen. 

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Der Schachzug des Managements war clever. Und er ging auf. Die Verantwortlichen des Volleyball-Bundesligisten SC Potsdam hatten zuletzt mit den beiden Assistenztrainern Riccardo Boieri und Ioannis Paraschidis die Verträge bis 2023 verlängert, was den bestehenden Kontrakt von Chefcoach Guillermo Naranjo Hernandez noch um ein Jahr übertraf. Weil das Trio bekanntermaßen unzertrennlich ist, hat nun Hernandez gleichgezogen. Auch er unterschrieb – trotz Anfragen aus anderen Top-Ligen – ein neues Arbeitspapier und wird dem SCP bis 2023 erhalten bleiben. Das teilte der Verein am Freitag mit, dem Tag, an dem der Cheftrainer 44 Jahre alt geworden ist.

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Er brachte den Club "auf ein neues Level"

Der Jubilar freut sich, „dass wir unser Projekt, den Volleyballsport in Potsdam weiter erfolgreich zu etablieren, fortführen können”. Er genießt die „super Harmonie zwischen Management sowie dem Trainerstab”. In Potsdam fühle er sich „wie zu Hause”, sagt der Spanier. Seit Dezember 2018 ist er SCP-Cheftrainer und hat den Club „auf ein neues Level” gebracht, wie Sportdirektor Toni Rieger meint. Unter der Führung von Hernandez gelangen mit den beiden Playoff-Halbfinalqualifikationen und Hauptrunden-Platz drei in der Bundesliga sowie der DVV-Pokalfinalteilnahme dieses Jahr die größten Erfolge der Vereinsgeschichte.

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2018, Pyeongchang: Die Potsdamerin Lisa Buckwitz (l.) gewinnt als Anschieberin im Zweier-Bob der Frauen mit Pilotin Mariama Jamanka. Zur Galerie
2018, Pyeongchang: Die Potsdamerin Lisa Buckwitz (l.) gewinnt als Anschieberin im Zweier-Bob der Frauen mit Pilotin Mariama Jamanka. ©

Hernandez, der Mann von der Vulkaninsel Teneriffa, wird also weiter für den SC Potsdam brennen und brodeln. Er ist bekannt für seine leidenschaftliche Art, seinen Heißsporn an der Seitenlinie. „Für manch einen ist das vielleicht ein Tick zu viel und auch wir müssen ihn manchmal ein bisschen einbremsen. Aber grundsätzlich finden wir das sehr gut, weil er das Team damit sehr nach vorne peitscht”, urteilt Rieger. Bemerkenswert dabei ist, wie schnell Hernandez auch von aufbrausend zu sachlich-analytisch schwenken kann, um Feinheiten im Spiel neu zu justieren. „Er ist ein absoluter Fachmann, der immer alles rausholen will, immer gewinnen will”, betont der Sportdirektor.

Nach seiner aktiven Volleyballkarriere auf Teneriffa hatte Hernandez dort auch seine Trainerlaufbahn begonnen, gewann als Assistenzcoach des Frauenteams die spanische Meisterschaft. 2012 zog er nach Deutschland, führte Stuttgarts Männer in die 2. Bundesliga und das Beach-Duo Britta Büthe/Karla Borger zu WM-Silber. Von 2013 bis 2017 war er für die Frauen des MTV Stuttgart verantwortlich, mit denen er zweimal den deutschen Pokal gewann und dreimal nationaler Vizemeister wurde. Nach kurzen Stationen in Rumänien und Polen eröffnete sich für ihn Ende 2018 die Möglichkeit beim SC Potsdam, als dieser sich vom damaligen Chefcoach Davide Carli getrennt hatte.

Mit Akribie und Feuer

Ab der Saison 2019/20 scharte Hernandez auch seine Vertrauten Boieri und Paraschidis in Potsdam um sich. Das Trio betreute zuvor schon gemeinsam die griechische Frauen-Nationalauswahl und bereitet diese momentan auch auf die Mitte August beginnende Europameisterschaft vor. Unter den drei Trainern herrscht großes Vertrauen. Es sei ein qualitativ sehr hochwertiges Gespann, sagt SCP-Teammanager Eugen Benzel. In so einer Konstellation arbeiten zu dürfen, nannte Hernandez mal selbst einen „ungewöhnlichen Luxus in unserem Sport“. Der Chefcoach lege viel Wert auf Athletik bei den Spielerinnen und sei „immer heiß auf neue Ideen, neue Technologien“, beschrieb Paraschidis. Laura Emonts, eine Leistungsträgerin auf dem Feld, lobt Hernandez für seine „super akribische, total strukturierte Arbeit”. Er sorge stets für Spaß. Mit seinem „spanischen Feuer” würden auch klare Ansagen einhergehen. „Aber das immer nur, um die Spielerinnen besser zu machen. Nach dem Spiel und Training ist er dann ein anderer Mensch, entspannt. Die Kritik von zuvor ist da komplett irrelevant.“ Rieger schätzt bei Hernandez auch das „Gespür für Spielerinnen und deren Verpflichtungen”. Seine Kaderzusammenstellungen seien stark.

Das soll auch kommende Saison mit dem bereits feststehenden 14-köpfigen Aufgebot bewiesen werden. „Der SC Potsdam ist eine tolle Mannschaft und die MBS-Arena ist ein perfekter Ort, um Spielerinnen zu verbessern und große Sachen zu erreichen“, sagt Hernandez. Große Sachen als Lohn für die energische Arbeit von ihm und seinem Stab wünscht sich auch Rieger. „Vielleicht geht der Wunsch, dass wir hier einen Titel holen, in Erfüllung”, erklärt der Sportdirektor und schiebt noch nach: „Ohne jetzt Druck aufzubauen.” Doch den macht sich der erfolgsbesessene Volleyball-Vulkan schon ganz allein.

+++ Erneute Teilnahme im Europapokal +++

Auch im dritten Jahr nacheinander wird der SC Potsdam in einem Volleyball-Europapokal antreten. Wie der Verein mitteilte, startet er 2021/22 im Challenge Cup. Dies ist der dritthöchste Vereinswettbewerb des Kontinents. In den vergangenen beiden Jahren spielte der SCP auf der zweiten Stufe, dem CEV-Cup. Bei der Premiere scheiterte das Brandenburger Team in Runde eins an Kasan. Bei der zweiten Teilnahme gelang ein Auftaktsieg gegen Kfar Saba aus Israel, doch verzichtete der Verein dann wegen der Corona-Pandemie auf die nächste Runde.

Als Hauptrunden-Vierter der vergangenen Bundesligasaison erhält Potsdam den Startplatz im Challenge Cup. Der deutsche Meister Dresdner SC tritt in der Champions League an, der MTV Stuttgart und Schweriner SC werden Deutschland im CEV-Cup vertreten. Die Auslosung der ersten Runde erfolgt am kommenden Freitag.