13. Dezember 2020 / 18:34 Uhr

Erneute Niederlage: Kontrollverlust des SC Potsdam auf letzten Metern 

Erneute Niederlage: Kontrollverlust des SC Potsdam auf letzten Metern 

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Wieder geschlagen: Aleksandra Jegdic (v.) und Vanessa Agbortabi verloren mit dem SCP auch gegen die Roten Raben. 
Wieder geschlagen: Aleksandra Jegdic (v.) und Vanessa Agbortabi verloren mit dem SCP auch gegen die Roten Raben.  © Foto: Julius Frick
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Beim 1:3 gegen die Roten Raben Vilsbiburg muss sich der Brandenburger Volleyball-Bundesligist zum zweiten Mal nacheinander geschlagen geben. Die lange Zeit sehr gute Hinrunde ist nun beschädigt. Es muss hart weitergearbeitet werden - auch an Weihnachten. 

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Den ersten Rüffel kassierte das Team früh. Noch vor Spielbeginn. Es war ein Indiz dafür, in welche Richtung sich der Samstagabend für den Volleyball-Bundesligisten SC Potsdam entwickeln sollte. Beim Match-Intro in der MBS-Arena sah sich Assistenztrainer Riccardo Boieri dazu gezwungen, lautstark die Spielerinnen zu animieren, sich selbst in Schwung zu bringen. In Zeiten leerer Hallen wegen Corona war die SCP-Mannschaft sonst stimmungsvoll bei der Musik- und Lichtshow mitgegangen. Dieses Mal aber hatte ihr lahmes Klatschen Musikantenstadl-Charakter der einschläferndsten Art.

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Stressstest für den impulsiven Cheftrainer

Der energielose Eindruck bestätigte sich dann vor allem zu Beginn des Spiels gegen die Roten Raben Vilsbiburg. Die favorisierten Potsdamerinnen unterlagen letztlich mit 1:3 (14:25, 20:25, 25:20, 23:25) und kassierten so nach dem überraschenden 0:3 der Vorwoche gegen Nawaro Straubing ihre zweite Niederlage in Folge sowie vierte insgesamt. Bittere Bescherung. „Ist blöd“, rang SCP-Teammanager Eugen Benzel um Worte, während Weihnachtslieder aus den Musikboxen dröhnten. „Ist nicht schön. Passiert halt“, meinte Außenangreiferin Vanessa Agbortabi.

SC Potsdam: Kader 2020/21 in der Frauenvolleyball-Bundesliga

Das SCP-Team für die Saison 2020/21. Zur Galerie
Das SCP-Team für die Saison 2020/21. © Kathleen Friedrich/SC Potsdam

Von der Souveränität und Klasse, die die Mannschaft von Cheftrainer Guillermo Naranjo Hernandez über weite Strecken der bisherigen Saison ausgestrahlt hatte, war anfangs nichts zu sehen. In allen Elementen enttäuschten die Gastgeberinnen. Für den impulsiven Hernandez wurde es daher zu einer großen Herausforderung, seinen Frust zu kanalisieren. Mal malträtierte er einen Kaugummi, mal spannte er seinen gesamten Körper an, bis der Kopf knallrot wurde, und mal drohte eine Plastikflasche unter seinem Händedruck zu zerplatzen. Hernandez probierte, durch viele Wechsel neue Reize zu setzen. Nachhaltigen Positiveffekt erzielten sie aber kaum. „Wie gegen Straubing haben in den ersten beiden Sätzen Spaß und Feuer gefehlt“, sagte Benzel.

Kampfgeist bewiesen - aber das reichte nicht

Immerhin zeigten die Brandenburgerinnen zunehmend Kampfgeist. Drei abgewehrte Satzbälle im zweiten Durchgang waren ein erster Beleg dafür. Satz drei entschieden sie dann für sich und waren im vierten Durchgang nah dran am Ausgleich, der mindestens einen Punkt gebracht hätte. „Am Ende haben wir mit der Energie gespielt, die uns eigentlich auszeichnet“, sagte Agbortabi. Aber in der gesamten Partie erwies sich keine noch so gelungene Aktion als Initialzündung, um in den Flow zu kommen. „Kleinigkeiten haben entschieden, dass es nicht noch für den Tie-Break gereicht hat“, sagte die 22-Jährige. Stattdessen blieben die Hände erneut leer.


Auf den letzten Metern des Jahres hat der SC Potsdam die Kontrolle verloren. Zuvor lief es noch so gut. Würde die Brandenburger Sportlerehrungen nicht coronabedingt ausfallen, hätte der Frauenvolleyball-Bundesligist viele Argumente gehabt, wie schon 2019 als märkische Mannschaft des Jahres ausgezeichnet zu werden: Platz drei in der abgebrochenen Bundesliga-Vorsaison, der erstmalige Einzug ins DVV-Pokalfinale, Premierensieg in einem Europapokalspiel und viele gute Leistungen in der aktuellen Meisterschaft. „Wir dürfen jetzt nicht anfangen zu zweifeln, nur weil es gerade nicht rund läuft“, mahnte Agbortabi und beschwor den „starken Teamzusammenhalt“. Der Rhythmus müsse wiedergefunden werden, sagte Benzel: „Da vertrauen wir dem Trainerstab und der Mannschaft total, dass sie zum Spaß und dadurch auf den Erfolgsweg zurückkehren.“

Am 27. Dezember Top-Spiel in Dresden

Harte Trainingsarbeit steht bevor. Auch an Heiligabend und den beiden Weihnachtsfeiertagen, denn am 27. Dezember ist die Hernandez-Truppe noch einmal in diesem Jahr gefordert. Und das enorm. Der SCP gastiert dann beim Dresdner SC. Hinter Tabellenführer MTV Stuttgart (25 Punkte) führen die Sächsinnen das Verfolgertrio mit dem Schweriner SC und Potsdam an, die alle 18 Zähler haben. Der SCP hat jedoch schon die zehnteilige Hinrunde komplett absolviert, der Konkurrenz fehlen noch Partien. Im Nacken haben die viertplatzierten Potsdamerinnen zudem den VfB Suhl (17) und die Roten Raben Vilsbiburg, die zwar erst 14 Punkte, aber auch drei Spiele Rückstand haben. „Wir“, bekräftigte Agbortabi, „wollen jetzt unbedingt in Dresden einen guten Jahresabschluss schaffen.“ Um die Kontrolle wiederzugewinnen.

SC Potsdam: Ruddins (15), Emonts (10), Veltman (9), Speech (9), Agbortabi (8), Abercrombie (6), Wilczek (3), Flory (1), Takagui, Jegdic, Stautz, Stiriz, Eržen.