05. März 2021 / 18:20 Uhr

Vor dem Volleyball-Derby zwischen Lindow-Gransee und Neustrelitz: Die Kapitäne im Doppel-Interview

Vor dem Volleyball-Derby zwischen Lindow-Gransee und Neustrelitz: Die Kapitäne im Doppel-Interview

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Der SV Lindow-Gransee empfängt den PSV Neustrelitz zum Derby.
Der SV Lindow-Gransee empfängt den PSV Neustrelitz zum Derby. © Böttcher, Scheerbarth
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2. Volleyball-Bundesliga: Eric Stadie und Ricardo Galandi sprechen über den knappen Spielverlauf im Hinrundenmatch, Volleyball vor leeren Rängen, Nachholbedarf im Social-Media-Bereich und die eigene Zukunft.

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Die Dreifelderhalle in Gransee würde sich heute um 18 Uhr in ein Tollhaus verwandeln, wenn der PSV Neustrelitz bei den Volleyballern des SV Lindow-Gransee gastiert. Wegen der Corona-Pandemie sind jedoch keine Fans zugelassen, im Internet wird auf www.sporttotal.tv aber ein Livestream angeboten. Vor dem Zweitliga-Derby – die Heimspielstätten der Vereine liegen nur 41 Kilometer voneinander entfernt – sprach die MAZ mit den Kapitänen Eric Stadie (24, SVLG) und Ricardo Galandi (31, PSV).

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Herr Stadie, Herr Galandi – sind Sie bereit für’s Derby?

Eric Stadie: Wir sind bereit für die nächsten Spiele. Mit der tollen Ausgangslage wollen wir jetzt auch Meister werden, das ist unser Ziel. 

Ricardo Galandi: Bei uns sind alle total gespannt auf dieses Match, es erinnern sich auch viele an das Pokalspiel zurück, wo wir in Gransee nur knapp verloren haben. Wir sind in der 2. Liga angekommen, konnten schon einige Favoriten ärgern und haben auch Bock auf das Derby.

In Bildern: SV Lindow-Gransee bezwingt den Kieler TV mit 3:0.

Im Spitzenspiel der 2. Volleyball-Bundesliga Nord behalten die grün-weißen Gastgeber deutlich die Oberhand. Vor allem im zweiten Satz, der 25:15 endete, dominierte der Tabellenführer um Trainer Peter Schwarz nach Belieben. Zur Galerie
Im Spitzenspiel der 2. Volleyball-Bundesliga Nord behalten die grün-weißen Gastgeber deutlich die Oberhand. Vor allem im zweiten Satz, der 25:15 endete, dominierte der Tabellenführer um Trainer Peter Schwarz nach Belieben. © Marius Böttcher

Sie sind in dieser Spielzeit beide nicht von Verletzungen verschont geblieben. Erzählen Sie mal.

Galandi: Ich habe mir zu Jahresbeginn eine Ruptur des Innenbandes im linken Knie zugezogen, als ich im Training mit Jacob Genzmer zusammengerasselt bin. Am Samstag bin ich noch nicht wieder einsatzbereit, befinde mich im Aufbau und habe mit leichten Sprüngen angefangen.

Stadie: Ich musste die German Beach Trophy mit Schulterproblemen abbrechen, kam aber schnell auf die Platte zurück. Es wird von Woche zu Woche besser, ich bekam ja auch schon wieder erstaunlich viele Spielanteile.

Die Wege in der 2. Bundesliga sind weit – bis nach Frankfurt am Main oder in den Ruhrpott. Da nimmt man so ein Lokalduell als Gastmannschaft doch gerne mit, oder?

Stadie: Das ist entspannter, als bis nach Bocholt zu fahren, ja.

Galandi: Bei uns lebt der Großteil ja in Berlin, daher fühlt sich selbst der zweistündige Weg nach Neustrelitz nicht wirklich wie ein Heimspiel an. Aber klar, die Kräfte kann man besser mobilisieren, als wenn man sechs Stunden im Bus oder Zug sitzt.

Im Hinspiel ließen die damaligen Corona-Bestimmungen 200 Fans in der Strelitzhalle zu. Beim Aufeinandertreffen im Cup-Wettbewerb 2019 in Gransee war die Halle mit rund 500 Fans rappelvoll. Wie bitter ist es, dass ausgerechnet dieses Derby nun ganz ohne Zuschauer stattfinden muss?

Stadie: Generell können wir glücklich sein, derzeit überhaupt spielen zu dürfen. Und es wird mit Sicherheit nicht das letzte Duell zwischen beiden Teams sein, wir werden uns in den kommenden Jahren bestimmt noch mehrfach vor Zuschauern duellieren. Und immerhin wird ein Livestream angeboten.

Galandi: Ich sehe das ähnlich. Für unsere Anhänger ist es trotzdem unglücklich, wir hätten eine ganze Menge mitgebracht, da bin ich mir bei unserer großen und treuen Fangemeinschaft sicher.

Lindow-Gransee grüßt von der Tabellenspitze, Neustrelitz ist Sechster. Ist Ihr Team klarer Favorit, Herr Stadie?

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Stadie: In der Liga kann man generell nicht klarer Favorit sein, das hat man auch an Moers gesehen, die wohl den besten Kader haben, zuletzt aber immer wieder Federn ließen. Ich würde uns als leichten Favoriten bezeichnen, wobei beide Mannschaften viel Klasse in den eigenen Reihen haben. Es kommt auch auf die Tagesform an.

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Gehen Sie da mit, Herr Galandi?

Galandi: Naja, ist mir schon klar, dass man beim Gegner die Favoritenrolle gerne von sich weist (lacht). Dann sind wir eben der Underdog, ist ja auch gut so als Aufsteiger, wir wollen piksen und stoßen. Lindow ist seit Jahren an der Spitze unterwegs, der Druck liegt bei ihnen.

Das Hinspiel entschied Lindow-Gransee nach Tiebreak für sich, fast wäre eine 2:0-Satzführung aus der Hand gegeben worden. Worauf wird es am Samstag ankommen?

Stadie: Wir haben im Hinspiel anfangs über unserem Niveau gespielt und Neustrelitz hat ab dem dritten Satz gezeigt, wieso sie schon so viele gute Teams geärgert haben. Wer das Ding konstanter durchzieht, wird es am Ende auch gewinnen. Wir dürfen uns nicht den großen Leistungsabfall erlauben.

Galandi: Konstanz ist das richtige Wort. Wir haben oft gezeigt, dass wir sehr gut spielen, das Level aber nicht gehalten. Ich würde es nicht an einzelnen Elementen festmachen.

Sie wurden beide beim SCC Berlin ausgebildet – erinnern Sie sich an gemeinsame Erlebnisse?

Galandi: Dafür ist der Altersunterschied zu groß. Mit Erics Bruder René hatte ich aber einige Trainingseinheiten und bei Spielen oder Turnieren hat man sich mal gesehen. Das war ja wie eine große Familie.

Stadie: Ich war eine Art Maskottchen (lacht). Ich habe früh mit dem Volleyball angefangen und war dann mit meinen Eltern auch bei meinem Bruder oft zugucken.

Der PSV ist Aufsteiger, Lindow-Gransee langjähriges Mitglied der 2. Liga – wo sehen Sie die Stärken und vielleicht auch Schwächen beim Gegner?

Stadie: Die Social-Media-Arbeit ist beim PSV deutlich besser, da haben wir noch Nachholbedarf.

Galandi: Schwächen fallen mir tatsächlich nicht viele ein, würde aber auch lieber die Stärken meiner Mannschaft hervorheben.

Gerne.

Galandi: Bei uns treffen gestandene Spieler mit Bundesliga-Erfahrung auf junge Wilde, die wir dahin anleiten wollen, später auch mal eine Führungsrolle zu übernehmen.

Stadie: "Tippe auf ein 3:1"

Herr Galandi, Sie haben eine Vergangenheit beim VSV Havel Oranienburg und trainierten dort die Drittliga-Volleyballerinnen. Was blieb Ihnen aus der Zeit in Oberhavel im Kopf?

Galandi: Da sind viele Freundschaften, sogar fürs Leben, entstanden. Und das hat auch dafür gesorgt, dass ich nach Brandenburg (Galandi lebt im Kremmener Ortsteil Amalienfelde, Anm. d. Red.) gezogen bin.

Gab es bereits Überlegungen für ein Karriereende und könnten Sie sich irgendwann vorstellen, als Trainer zurück an die Seitenlinie zu kehren?

Galandi: Das ist definitiv eine Option, zumal der Perspektivwechsel wirklich toll war. Die Freude am Sport ist im Moment aber noch zu groß. All meine Verletzungen sind bislang folgenlos verheilt und wenn es mir athletisch möglich bleibt, in der 2. Liga eine Rolle zu spielen, dann hat das eigene Spiel Priorität.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus, Herr Stadie?

Stadie: Der neueste Plan ist, mich als Ernährungsberater selbstständig zu machen. In diesem Thema sehe ich meine Zukunft, es tut auch mal gut, nicht immer nur 100 Prozent Volleyball im Kopf zu haben, da ich ja zuletzt als Trainer am Berliner Olympiastützpunkt gearbeitet habe. Ansonsten will ich weiter auf der Platte und im Sand aktiv sein.

Abschließende Frage an die Kapitäne: Wie geht das Derby aus?

Galandi: Ich will mich nicht auf einen Satzstand festlegen, hoffe für die Zuschauer im Livestream aber auf ein spannendes und enges Spiel. Und auch wenn ich meiner Mannschaft am Samstag den Sieg wünsche, so gönne ich Lindow-Gransee den Meistertitel. Lieber eine Truppe hier aus der Region, bevor der Pokal im Ruhrpott landet.

Stadie: Ich tippe auf ein 3:1, sage aber nicht für wen.