10. April 2020 / 12:33 Uhr

Volleyball, Handball, Tennis: Wie die Coronakrise die Leipziger Vereine trifft

Volleyball, Handball, Tennis: Wie die Coronakrise die Leipziger Vereine trifft

Christian Dittmar
Leipziger Volkszeitung
Die „Sporttreibenden“ stehen im Moment in Leipzig und Umgebung vor verschlossenen Anlagen.
Die „Sporttreibenden“ stehen im Moment in Leipzig und Umgebung vor verschlossenen Anlagen. © André Kempner
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„Es hilft nicht zu weinen!“ meint Präsident Martin Ivenz von den L.E. Volleys. Egal, welche Sportart und welchen Sportclub es betrifft, die Vorständler, Mitglieder und Sponsoren müssen jetzt enger zusammenrücken. Bildlich gesprochen...

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Leipzig. Martin Ivenz ist erst seit gut einem Monat Präsident der L.E. Volleys und muss schon die schwerste Krise in der elfjährigen Geschichte des Leipziger Volleyballvereins durchstehen. „Die Situation ist eine mittlere bis schwere Katastrophe für uns“, erklärt der Anwalt. Zwar dürfen die Volleys nach dem Saisonabbruch trotz des momentanen Abstiegsplatzes in der 2. Liga bleiben, doch bei immer mehr Sponsoren merkt der Präsident, dass ihre (finanziellen) Probleme wegen der Pandemie wachsen – inklusive bei ihm selbst. Termine fallen aus, vieles lässt sich nicht per Telefon klären, so Ivenz, dessen Sohn lange im Verein spielte. „Es hilft nicht zu weinen“, betont der Präsident, stattdessen überlege sein Vorstand, wie die Vereinsmitglieder die Sponsoren in der schweren Zeit unterstützen können.

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In einem Volleyball-Krimi setzen sich die Spieler aus Delitzsch mit 2:3 gegen die L.E. Volleys druch. Zur Galerie
In einem Volleyball-Krimi setzen sich die Spieler aus Delitzsch mit 2:3 gegen die L.E. Volleys druch. © Sylvio Hoffmann

Wie Ivenz ist auch Thomas Conrad in der Doppelposition Präsident und Sponsor aktiv. Wie sein Volleyball-Kollege amtiert auch der Chef des HC Leipzig erst seit ein paar Monaten. Conrad spricht von einer schwierigen Situation – für den HCL und sein Transportunternehmen in Hecklingen in Sachsen-Anhalt. Nachdem die 2. Handball-Liga ebenfalls vorzeitig beendet ist, könne er für die kommende Saison noch keine Prognosen abgeben: „Wir wissen nicht, welche Sponsoren überhaupt überleben werden.“

Von Crowdfunding bis fiktiven Spielen

Der 50-Jährige meint, dass es nach der Dunkelheit irgendwann wieder hell werde. Der mehrfache deutsche Frauenmeister wartet nicht ab, sondern wird selbst tätig. Unter dem Motto „HCL beats Corona“ werden Karten für ein fiktives Spiel am 3. Mai um 16 Uhr verkauft. Damit solle das Überleben gesichert werden, nachdem die Spielbetriebs GmbH des HCL erst vor drei Jahren eine Insolvenz durchstehen musste.

Inzwischen sind viele Leipziger Vereine aktiv, um gegen die Folgen der Krise anzukämpfen. Der SC DHfK startete eine Crowdfunding-Aktion, mit der bis Ende April 50 000 Euro zusammenkommen sollen. Die Unterstützer können eine Training mit Ruder-Olympiasiegerin Annekatrin Thiele und Radsport-Ass Felix Groß oder ein signiertes Wettkampftrikot von Ex-Kugelstoßweltmeister David Storl erwerben. Nach dem „Alles-oder-nichts“-Prinzip bekommen alle ihr Geld zurück, falls die Gesamtsumme nicht erreicht wird.

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Als einziger Verein nennt der SC DHfK in der Sportbuzzer-Umfrage konkrete Zahlen: Bei Leipzigs größtem und im Spitzensport besonders engagiertem Klub fehlen durch die Einstellung des Spielbetriebs und die Schließung der Sportstätten monatlich rund 100 000 Euro, so Generalsekretär Alexander Schlenzig. Die Auszahlung des Kurzarbeitergeles verzögere sich, der SC DHfK müsse in Vorkasse gehen. Die Mitglieder halten zur Stange, von den rund 6500 sei bisher nicht mal eine zweistellige Zahl ausgetreten, so Schlenzig.

Monatliche Buchungen für Kurse fehlen auch beim deutlich jüngeren Verein L.E. Sports. Der Fitness- und Gesundheitsclub verzeichnete im April noch nicht viele Beitragsstundungen, „im Mai wird es aber schwierig und im Juni noch schwieriger“, so die Vorsitzende Heidrun Feck. Mit dem Rehasport breche ein komplettes Standbein weg. Geplante Baumaßnahmen wurden verschoben. „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand“, so Heidi Feck, die hofft, bald an der frischen Luft wieder Sport anbieten zu können.

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Bereits zum sechsten Mal traten Mädchen und Jungen aus 18 Leipziger Schulen im sportlichen Wettstreit gegeneinander an. Sieben verschiedene Disziplinen standen auf dem Plan. Zur Galerie
Bereits zum sechsten Mal traten Mädchen und Jungen aus 18 Leipziger Schulen im sportlichen Wettstreit gegeneinander an. Sieben verschiedene Disziplinen standen auf dem Plan. © Dirk Knofe

Matthias Kiefer, Präsident des Judoclubs, bedauert nicht nur, dass der Trainingsbetrieb bis auf weiteres komplett ruht. Dem JCL fehlen durch die Aussetzung der 1. und 2. Liga sowie die Krise an sich neben Zuschauer- auch Sponsoreneinnahmen. Kiefer schreibt an die 435 Mitglieder: „Verlieren wir unseren Optimismus nicht. Haltet euch fit, setzt die Trainingspläne zu Hause um. Die Mitgliedsbeiträge sind für uns extrem wichtig. Wir wollen überleben und nach der Krise wieder das Vereinsleben vorantreiben.“

Es fehlen ein Viertel der Einnahmen

Veikko Ziegler vom TC RC Sport hofft auf eine baldige Lockerung. Als Arzt weiß der Präsident des Tennisklubs, wie ernst die Lage rund um die Pandemie ist. Aber er sieht auch riesige Probleme im Verein. Ein Viertel der Einnahmen seien dem Club seit Beginn der Krise verloren gegangen, wobei sich auch hier die Mitglieder vorbildlich verhielten.

Der Vorteil im weißen Sport sei, dass sich die Spieler bei den Einzeln nicht nahe kommen müssen, dazu trete man unter freiem Himmel an, die Plätze sind bereit. Ziegler: „Es hängt jetzt nur von der Politik ab. Bei uns wollen alle wieder Tennis spielen.“

Von Christian Dittmar und Frank Schober