12. Oktober 2021 / 19:12 Uhr

Supertalent Anastasia Cekulaev beim SC Potsdam: Rohdiamant in fordernden Händen

Supertalent Anastasia Cekulaev beim SC Potsdam: Rohdiamant in fordernden Händen

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
LEGIONOWO 04.09.2021 WOMEN S VOLLEYBALL JERZY GORECKI MEMORIAL TOURNAMENT 2021 TURNIEJ MEMORIAL JERZEGO GORECKIEGO 2021 --- MATCH IN LEGIONOWO: LKS COMMERCECON LODZ - SC POTSDAM N/Z ANGELIKA GAJER ANASTASIA CEKULAEV FOT. PAWEL PIOTROWSKI/ 400mm.pl/NEWSPIX.PL --- Newspix.pl PUBLICATIONxNOTxINxPOL 20210904PAP-_026
Anastasia Cekulaev (r., im Testspiel gegen Lodz) ist mit ihren 1,91 Meter Größe eine Macht im Mittelblock. © imago images/Newspix
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Anastasia Cekulaev gilt als das größte Talent im deutschen Volleyball. Beim Bundesligisten SC Potsdam trifft sie mit Guillermo Naranjo Hernández auf einen Trainer, der große Stücke auf sie hält.

Im Zusammenhang mit Anastasia Cekulaev sind schon viele Superlative gefallen. „Ein Mega-Talent“, sagt Toni Rieger, der Manager des SC Potsdam, über die Volleyballerin. Ihr Trainer, Guillermo Naranjo Hernández, spricht von einem „Rohdiamanten“. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ betitelte sie im Sommer als „das größte deutsche Talent“ im Volleyball. Dabei ist die 1,91 Meter große Mittelblockerin erst 18 Jahre alt und hat gerade einmal ein Bundesligaspiel absolviert. „Am Anfang war das schon ein großer Druck“, sagt Anastasia Cekulaev über die Lobeshymnen, „aber mittlerweile kann ich gut damit umgehen. Inzwischen ist es auch eher ein Ansporn. Wenn einem so viel Talent bescheinigt wird, dann will man das auch beweisen.“

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Schon im ersten Spiel für den SC Potsdam, beim 3:2 zum Bundesliga-Auftakt in Schwerin, ließ die jüngste Spielerin im Kader ihre Klasse aufblitzen. „Sie hat gegen Schwerin fünf Sätze lang einen großartigen Job gemacht. Aber sie ist jung und da müssen wir die Belastung auch gut steuern“, sagte Hernandez, der sie im Anschluss gegen Straubing (3:0) schonte, am Sonnabend (19 Uhr) empfangen die Potsdamerinnen den VfB Suhl, der zuletzt überraschend Schwerin geschlagen hatte.

Auch Schwerin und Dresden wollten sie

Ihr Talent brachte Anastasia Cekulaev 2014 aus der Jugendabteilung des 1. VC Wiesbaden an die Sportschule nach Berlin, wo der Deutsche Volleyball-Verband am Bundesstützpunkt die größten Talente des Landes zusammenzieht und beim VC Olympia spielen lässt. Ende 2020 nahm der SC Potsdam sie in den Trainingskader auf und stattete sie mit einem Zweitspielrecht aus, ein Spiel absolvierte sie in der vergangenen Spielzeit allerdings noch nicht. Im Sommer ergab sich schließlich die Möglichkeit, sie zu verpflichten. „So ein Talent wie Anastasia Cekulaev darf man sich nicht entgehen lassen. Solche Talente hast du total selten in Deutschland“, sagt Rieger. Auch die Topclubs aus Schwerin und Dresden sowie ihr Heimatverein Wiesbaden wollten sie holen, doch die 18-Jährige entschied sich für Potsdam.

Neben der räumlichen Nähe zu Berlin, wo viele ihrer Freunde wohnen, war dabei auch der Trainer ein entscheidender Faktor bei ihrer Entscheidung. „Er fördert und unterstützt mich, er macht auch sehr viel Druck. Ich mag eher Trainer, die mich herausfordern“, sagt Anastasia Cekulaev. Für ihren Coach ist die Arbeit mit ihr eher das Gegenteil. „Sie will immer Tipps haben und setzt das gut um. Sie ist leicht zu coachen. Mit dieser Einstellung wird sie eine herausragende Karriere schaffen können“, sagt Hernandez. Er lobt auch ihre Abgeklärtheit. „Es fühlt sich an, als wäre sie schon ewig im Geschäft. Sie ist so stark, so smart.“

Großer Qualitätssprung

Trotzdem musste sie sich zunächst an den Qualitätssprung von Liga zwei zu Liga eins („Der ist sehr groß“) gewöhnen. „In der Bundesliga ist alles viel, viel schneller, man muss noch viel athletischer sein. Im ersten Training kamen meine Augen erst einmal nicht bei der Geschwindigkeit der Pässe hinterher“, erinnert sich Anastasia Cekulaev. Inzwischen hat sie sich akklimatisiert, wozu nicht zuletzt der Lehrgang bei der Nationalmannschaft beigetragen hat. „Ich bin dort sehr erwachsen geworden, habe viel mehr Verantwortung übernommen und Teamfähigkeit gewonnen.“ Von ihrer Nationalmannschafts- und Mittelblockkollegin Marie Schölzel habe sie sehr viele Tipps bekommen. Das ist auch Rieger aufgefallen, „sie hat jetzt schon einen immensen Sprung gemacht“.

Am Ende ist ihre Entwicklung naturgemäß aber noch nicht. „Es ist meine erste Saison in der Bundesliga, ich versuche, mich individuell zu verbessern und mich erst einmal in der Liga zu integrieren“, sagt sie selbst. Und, sie muss sich auch an ihr neues Leben in einer Wohngemeinschaft mit Neuzugang Sarah van Aalen gewöhnen, mit der sie sich sehr gut versteht. „In der Sportschule konnte ich in die Mensa zum Essen und immer donnerstags war der Aufräumtag, jetzt muss ich das alles selbst organisieren“, erzählt sie mit einem Lachen. Mit ihrem Talent, wird sie sicherlich auch dieses Problem bald gelöst haben.