28. Mai 2020 / 12:57 Uhr

Vom Acker zur Akademie: Der FC Deetz im Vereinsportrait

Vom Acker zur Akademie: Der FC Deetz im Vereinsportrait

Ronny Müller
Märkische Allgemeine Zeitung
Das Parkstadion des FC Deetz bietet 140 Sitzplätze. Dennie Rufflett wurde 2017 von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland geehrt.
Das Parkstadion des FC Deetz bietet 140 Sitzplätze. Dennie Rufflett wurde 2017 von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland geehrt. © Verein/Julian Stähle
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Der FC Deetz hat sich seit 1998 unter Regie von Dennie Rufflett beeindruckend entwickelt.

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Am Anfang stand ein verbogenes Tor auf einer Wiese. Manche sagen, es war ein Acker. Das Dorf Deetz, Ortsteil von Groß Kreutz in Potsdam-Mittelmark, empfing Dennie Rufflett nicht gerade einladend. Vor beinahe 25 Jahren zog der Brandenburger nach Deetz. Damals lag dort der Fußball brach. Heute gibt es den florierenden FC Deetz, der in der abgebrochenen Saison erstmals den Aufstieg in die Kreisoberliga geschafft hat. „Kinder aus dem Dorf haben selbst ein Spiel gegen ein anderes Dorf organisiert“, erinnert sich Rufflett. So entstand die Idee, einen Verein zu gründen.

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Seit 1998 gibt es den FC Deetz. Dennie Rufflett ist von Anfang an der Vorsitzende. „Anfangs war es schwierig, Unterstützer zu finden, ich bin Spießruten gelaufen“, räumt Rufflett ein. Die Feuerwehr hat die Wiese, die ein Sportplatz werden sollte, für Übungszwecke genutzt. „Jetzt arbeiten wir aber sehr gut zusammen.“

Mit einer Kindermannschaft ging es los. Ab 2001 ging eine Herrenmannschaft an den Start. Innerhalb eines Jahres kamen 150 neue Mitglieder hinzu. Heute hat der FC Deetz 286 Mitglieder, die meisten davon sind Kinder und Jugendliche in der Fußballabteilung. Bis auf die B-Junioren hat Deetz alle Altersklassen besetzt. Die A-Junioren treten in einer Spielgemeinschaft mit Schenkenberg an. Der Großfeldbereich sei noch ein Problem, sagt Rufflett. Doch das dürfte bald gelöst sein.

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Denn in den unteren Altersklassen wird intensiv und ambitioniert gearbeitet. Insbesondere E- und D-Junioren waren zuletzt sehr erfolgreich. So wurden die E-Junioren 2018 Landespokalsieger und Dritter der Landesmeisterschaft. Die Entwicklung hat sich abgezeichnet: Seit 2005 gibt es den „fussballKIDS­club“, eine Fußballschule, die Rufflett hauptamtlich betreibt. Pro Woche betreute er vor der Corona-Pandemie rund 380 Kitakinder. Darüber hinaus veranstaltet die Fußballschule jährlich fünf Camps mit insgesamt rund 300 Teilnehmern. Viele der Kinder kommen über diesen Weg zum FC Deetz. Doch die Funktionäre wunderten sich über die hohen Aussteigerquoten, wenn die Kinder etwa die Schule wechselten.


„Sie hatten längere Fahrzeiten und größeren Aufwand für die Schule“, sagt Rufflett. So entstand die Fußballakademie. Die Idee: Die Kinder werden nach der Schule abgeholt, bekommen nachmittags im Vereinsheim Hausaufgabenbetreuung und können dann trainieren. Anschließend werden sie wieder nach hause gefahren. Rufflett: „Ziel ist es, den Nachwuchskickern und deren Eltern einen stressfreien Trainingsprozess zu bieten und die talentierten Kinder gezielt zu fördern.“ Seine Hoffnung: Im besten Fall vertreiben sich die Kinder weniger Zeit mit Computerspielen und steigern ihre schulischen Leistungen. Noch in diesem Jahr soll die Akademie starten.

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Die Voraussetzungen sind da. Das Parkstadion Deetz wartet mit drei Rasenplätzen und einem Minispielfeld auf. Seit 2018 gibt es ein modernes Vereinsheim, davor zogen sich die Kicker in Containern um.

In der kommenden Saison tritt der FC Deetz erstmals in der Kreisoberliga an. „Ziel ist der Klassenerhalt“, sagt Rufflett. Für Unterstützung von draußen ist gesorgt. Rund 150 Zuschauer kommen durchschnittlich zu den Heimspielen. Bis zu 140 können auf der Sitztribüne Platz nehmen. Ihr Schlachtruf: „Deetz Feuer!“ Die Sitze stammen aus dem Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion. Mehr als 1000 Zuschauer kamen zu Spielen gegen Traditionsmannschaften von Bundesligisten. Mit Bayer Leverkusen verbindet den FC Deetz sogar so etwas wie eine Freundschaft. Die „Traditions-Werkself“ war schon mehrfach in Deetz zu Gast. Auch zum Spiel zwischen Frauenbundesligist Turbine Potsdam und der Auswahl Nordkoreas kamen mehr als 1000 Zuschauer auf die schmucke Anlage. Am 12. September soll die Traditionsmannschaft von Borussia Mönchengladbach ins Deetzer Parkstadion kommen.

Der FC Deetz hat aber auch über den Fußball hinaus ein Vereinsleben. Volleyball, Gymnastik, Darts, Skat, Tischtennis, Kinderfunsport und Schach. Erst kürzlich wurde ein großes Außenschachfeld eingeweiht. All das gäbe es wohl nicht ohne die damalige Initiative von Dennie Rufflett. Der Fußball-Landesverband zeichnete ihn 2003 mit dem Ehrenamtspreis aus. Und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steckte ihm 2017 das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ans Revers. „Ich habe die Auszeichnungen aber für den ganzen Verein angenommen. Dank der Helfer stehen wir da, wo wir sind“, sagt Rufflett. Wer ihn für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen hat, weiß er bis heute nicht. „Ich war jedenfalls ziemlich baff.“