27. Juni 2021 / 20:10 Uhr

Vom Bayern-Flop zum Portugal-Hoffnungsträger: Renato Sanches dreht bei der EM auf

Vom Bayern-Flop zum Portugal-Hoffnungsträger: Renato Sanches dreht bei der EM auf

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Erst Bayern-Flop, dann als französischer Meister zur EM: Portugals Renato Sanches.
Erst Bayern-Flop, dann als französischer Meister zur EM: Portugals Renato Sanches. © IMAGO/Laci Perenyi/ULMER Pressebildagentur/PanoramiC (Montage)
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Mit 18 Jahren kam Renato Sanches 2016 zum FC Bayern. Das Top-Talent konnte sich damals nicht durchsetzen. Heute ist der 23-Jährige ein großer Hoffnungsträger Portugals bei der EM. Angereist ist er als französischer Meister.

"Mein Körper ist meine Waffe" – Renato Sanches' Worte vor dem EM-Achtelfinale gegen Belgien am Sonntag (21 Uhr/ARD und Magenta TV) über seine eigene Physis zeigen das neu gewonnene Selbstbewusstsein des 23-jährigen Mittelfeldspieler Portugals. Von 2016 bis 2019 sah das ganz anders aus: Als vielversprechendes Talent und bester Nachwuchsspieler beim portugiesischen EM-Titelgewinn 2016 war er da zum FC Bayern gekommen. Doch schnell entwickelte sich das Engagement des Portugiesen beim deutschen Rekordmeister zum Problem für beide Seiten.

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Sanches' Karriere kam ins Stocken, die Bayern konnten nicht wirklich etwas mit dem für satte 35 Millionen Euro von Benfica Lissabon verpflichteten Kreativspieler anfangen. Zwar gewann Sanches mit dem FCB zweimal die deutsche Meisterschaft und wurde einmal Pokalsieger, auf dem Platz stand der Portugiese in seinen drei Jahren in München in allen nationalen und internationalen Wettbewerben aber nur 53 mal (zwei Tore, drei Vorlagen). Oft waren es Kurzeinsätze, die Saison 2017/18 verbrachte Sanches gar nicht in München, sondern bei Swansea City in der Premier League, wo er wegen Oberschenkelproblemen einen Großteil der Spielzeit verpasste.

Bei dieser EM zeigt Sanches, weshalb die Bayern den Portugiesen ursprünglich verpflichtet hatten: Beim Auftaktspiel gegen Ungarn brachte seine Einwechslung beim Stand von 0:0 in der 81. Minute so viel Schwung in die Partie, dass Portugal am Ende noch 3:0 gewann. Auch im zweiten Gruppenspiel gegen Deutschland schaute der 23-Jährige sich das Geschehen zunächst von der Bank aus an. Erst zu Beginn der zweiten Halbzeit wechselte Trainer Fernando Santos den Youngster für Bernardo Silva ein. Sanches setzte sofort Akzente im portugiesischen Spiel nach vorne. Sein harter Distanzschuss an den Pfosten hätte das 3:4 besorgen und das Spiel nochmal richtig spannend machen können. Zur Belohnung stellte Santos den gebürtigen Lissaboner gegen Frankreich von Beginn an auf und nahm ihn erst eine Minute vor Schluss runter. Sanches hatte ein ordentliches Spiel gemacht.

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Ein "ungeschliffener Diamant" schleift sich selbst

Was war in der Zwischenzeit nach dem Missverständnis bei den Bayern passiert? Welche Entwicklungsschritte hat das immer wieder als "ungeschliffener Diamant" betitelte Talent von damals seit dem Weggang vom FCB genommen? 2019 war Sanches von den Bayern zum OSC Lille nach Frankreich gewechselt. Der Klub aus dem Norden des Landes hatte da gerade die Ligue 1 als Zweiter hinter Paris Saint-Germain beendet – allerdings mit 16 Punkten Rückstand. Vor wenigen Wochen beendete Renato Sanches mit Lille die Saison als Meister. Das Team von Trainer Christophe Galtier hatte das unwahrscheinliche Kunststück geschafft, das übermächtige PSG zu verdrängen. Trotz einer Muskelverletzung, die Sanches von November bis Januar außer Gefecht setzte, hatte der Portugiese mit seinen 23 Spielen (ein Tor, drei Vorlagen) maßgeblichen Anteil an diesem Erfolg. Sanches ging folglich als Leistungsträger des französischen Meisters in die Europameisterschaft.

Jetzt will der 23-Jährige im Achtelfinale gegen Belgien weitere Titelträume verfolgen: "Wir sind bereit und wollen eine gute Antwort geben", sagte der laufstarke Mittelfeldspieler, der mittlerweile für seine sehr entschlossenen Auftritte bekannt geworden ist, am Freitag. "Wir hoffen, auch dieses Jahr ins Finale zu kommen." Jeder in seinem Team – dem des amtierenden Europameisters – sei "hier, um zu gewinnen."