21. Mai 2022 / 18:26 Uhr

Vom gemeinsamen Aufstieg bis zum DFB-Pokal-Finale: Die Entwicklungen von Freiburg und Leipzig im Vergleich

Vom gemeinsamen Aufstieg bis zum DFB-Pokal-Finale: Die Entwicklungen von Freiburg und Leipzig im Vergleich

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Der SC Freiburg (links) und RB Leipzig (rechts) haben 2016 den Aufstieg in die Bundesliga gefeiert. Jetzt geht´s für beide Teams um den Sieg im DFB-Pokal. Die Spieler Vincenzo Grifo (links) und Christopher Nkunku wollen den Pott holen.
Der SC Freiburg (links) und RB Leipzig (rechts) haben 2016 den Aufstieg in die Bundesliga gefeiert. Jetzt geht´s für beide Teams um den Sieg im DFB-Pokal. Die Spieler Vincenzo Grifo (links) und Christopher Nkunku wollen den Pott holen. © IMAGO/Contrast//Jan Huebner/motivio/Eibner (Montage)
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Vor sechs Jahren stiegen den SC Freiburg und RB Leipzig gemeinsam in die Bundesliga auf. Am Samstagabend geht es im Finale des DFB-Pokals für beide um den ersten Titel der Klub-Geschichte. Der Weg dahin verlief seit 2016 sehr unterschiedlich. 

Das Finale im DFB-Pokal zwischen dem SC Freiburg und RB Leipzig gilt als das Duell der Gegensätze, der unterschiedlichen Entwicklungen und der unterschiedlichen Klub-Philosophien. Doch eine große Gemeinsamkeit verbindet die beiden Klubs. 2016 waren Freiburg und Leipzig die zwei direkten Aufsteiger aus der 2. Bundesliga. Seitdem ist bei beiden Klubs viel passiert - der SPORTBUZZER blickt zurück.

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Trainer

Beim SC Freiburg ist die Geschichte schnell erzählt. Seit 2011 steht Christian Streich an der Seitenlinie der Breisgauer. Der Klub hielt trotz des Abstiegs 2015 an dem Trainer fest - und wurde mit dem direkten Wiederaufstieg belohnt. Der SCF kehrte als Zweitliga-Meister - vor Verfolger RB - zurück ins deutsche Oberhaus. Streich ist noch immer Cheftrainer und erfolgreicher denn je.

Fünf Cheftrainer in sechs Bundesliga-Jahren stehen bei RB Leipzig zu Buche. Nachdem der Aufstieg noch unter der Regie von Ralf Rangnick erreicht wurde, kam für die Debüt-Saison in der ersten Liga Ralph Hasenhüttl vom FC Ingolstadt. Der Österreicher blieb zwei Spielzeiten. In der Saison 2018/19 überbrückte erneut Rangnick die Wartezeit auf Julian Nagelsmann, dessen Wechsel im Sommer 2019 aus Hoffenheim Monate zuvor verkündet worden war. Eine Verpflichtung, die sich zwei Jahre später finanziell auszahlen sollte. Rund 25 Millionen Euro Ablöse soll der FC Bayern für den Trainer an RB überwiesen haben. Als Nachfolger wurde im letzten Sommer Rangnicks früherer Co-Trainer Jesse Marsch von Schwesterklub RB Salzburg geholt. Doch der US-Amerikaner musste bereits im Dezember wieder gehen. Domenico Tedesco übernahm und führte Leipzig auf Platz eins der Rückrunden-Tabelle, ins Halbfinale der Europa League und eben ins Pokal-Finale.

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Treue Seelen

Fünf Spieler im aktuellen Freiburger Kader haben bereits vor sechs Jahren beim Aufstieg mitgeholfen: Der heutige Kapitän Christian Günter, Lukas Kübler, Nicolas Höfler, Nils Petersen und Vincenzo Grifo. Letzterer war nach zwei Jahren mit überschaubarem Erfolg in Hoffenheim und Gladbach 2019 nach Freiburg zurückgekehrt. Günter, Kübler, Höfler und Petersen dagegen hielten dem Klub über die gesamte Zeit die Treue und entwickelten sich zu jahrelangen Stützen im Streich-System.

Bei RB Leipzig befinden sich sogar noch sechs Spieler der damaligen Aufstiegsmannschaft im Kader. Peter Gulacsi, Willi Orban, Lukas Klostermann, Marcel Halstenberg, Emil Forsberg und Yussuf Poulsen stehen dabei exemplarisch für den Werdegang des Klubs und entwickelten sich über die Jahre von Zweitliga-Profis zu Champions-League-Spielern internationaler Klasse und sind noch heute fester Bestandteil des Teams.

Erfolge

Direkt im ersten Jahr nach dem Aufstieg landete der SC Freiburg auf Platz sieben. Nur der noch besseren Platzierung von Leipzig war es wohl geschuldet, dass kaum jemand über die starke Saison des Aufsteigers aus dem Breisgau sprach. Es folgten zwei Jahre im Abstiegskampf, bevor der SCF begann sich kontinuierlich in der Top-10 der Liga zu etablieren. Mehr Punkte als in der abgelaufenen Saison holte der Klub noch nie in der Bundesliga. Die Folge: Platz sechs und die Qualifikation für die Europa League. Und am Samstagabend könnte der erste Titel der Klub-Geschichte eingefahren werden.

Vom Aufsteiger zum Vizemeister in nur einem Jahr. Die sensationelle erste Bundesliga-Saison von RB Leipzig war auch Wasser auf die Mühlen der zahlreichen Kritiker, die die schnelle Etablierung der Sachsen in der Spitze des deutschen Fußballs mit zum Teil hohem finanziellem Aufwand verurteilen. Dennoch schaffte RB Leipzig schnell die Wandlung zum Top-Klub mit vier Champions-League-Teilnahmen in fünf Jahren. 2020 ging es in der Königsklasse sogar bis ins Halbfinale (0:3 gegen PSG). Ein Titel lässt noch auf sich warten. Das soll sich gegen Freiburg mit bei der dritten Final-Teilnahme im DFB-Pokal ändern.

Transfers

Der SC Freiburg ist stets mehr Verkäufer- als Käufer-Klub gewesen. Seit dem Aufstieg 2016 verkaufte der SCF allein sechs Spieler für zweistellige Millionenbeträge. Caglar Söyüncü war 2018 mit 21,1 Mio. Euro (zu Leicester City) der Rekord-Verkauf der Freiburger. Vom BVB gab's gleich zweimal 20 Mio. Euro. 2017 für Maximilian Philipp und zur kommenden Saison für Nico Schlotterbeck. Bei Zugängen sind die Breisgauer nach wie vor eher sparsam. Baptiste Santamaria war 2020 der erste und bislang einzige Spieler, für den ein zweistelliger Millionenbetrag gezahlt wurde (10 Mio. an SCO Angers). Nur ein Jahr später wurde er allerdings auch schon wieder für 14 Mio. Euro an Stade Rennes verkauft. Den Königstransfer für die kommende Saison hat Freiburg mit der ablösefeien Verpflichtung von Rückkehrer Matthias Ginter bereits getätigt.

Leipzig hatte seit jeher aus gegebenen Umständen eine deutlich offensivere Transfer-Strategie in anderen finanziellen Sphären. Schon zu Zweitliga-Zeiten wurden Ablösesummen um hohen einstelligen Millionenbereich für Spieler wie Forsberg oder Davie Selke gezahlt. Nach dem Aufstieg kamen mit Naby Keita (29,75 Mio. Euro von RB Salzburg) und Timo Werner (22,2 Mio. Euro vom VfB Stuttgart) der teuerste und der drittteuerste Zugang der Klub-Geschichte. Die selbst auferlegte Vorgabe, keinen Spieler zu verpflichten, der älter ist als 24, wurde mit wenigen Ausnahmen bis heute durchgezogen - mit Erfolg. Der Klub brachte junge Spieler auf Top-Niveau und verkaufte diese teuer an Spitzen-Klubs in Europa: Allein die Verkäufe von Keita (60 Mio. zum FC Liverpool), Werner (53 Mio. zum FC Chelsea), Dayot Upamecano (42,5 Mio. zum FC Bayern) und Ibrahima Konaté (40 Mio. zum FC Liverpool) brachten fast 200 Mio. Euro ein. Mit Christopher Nkunku (Marktwert 65 Mio. Euro), der zum besten Spieler der abgelaufenen Bundesliga-Saison gewählt wurde, steht in den kommenden Jahren der nächste millionenschwere Verkauf bevor.

Perspektive

Der SC Freiburg wird trotz der erfolgreichen Saison mit der Europapokal-Qualifikation und auch im Falle des Pokalsiegs kein Stück von seiner Philosophie abrücken. SCF-Rekordspieler Andreas Zeyer prophezeite im SPORTBUZZER-Interview, dass auch zur kommenden Spielzeit erneut das Ziel Klassenerhalt ausgeben werde: "Damit macht der Sport-Club alles richtig. Und so in die Saison zu starten hat Tradition." Mit Rückkehrer Ginter wurde der Verlust von Schlotterbeck in der Defensive bestmöglich aufgefangen - und das auch noch ablösefrei. Die Verpflichtung des Nationalspielers ist auch jedoch ein Signal an die Konkurrenz, dass auch Freiburg mittlerweile auf dem Transfermarkt ein Regal höher schauen kann.

Für Leipzig soll ein Pokalsieg nur der erste von vielen Titeln sein. Der Klub will nach oben und perspektivisch auch dem FC Bayern in der Bundesliga ernsthaft Konkurrenz um die Meisterschaft machen. Mit Tedesco scheint der richtige Trainer für den Angriff auf den Rekordmeister gefunden zu sein. Nach Übernahme des 36-Jährigen kam RB wieder in Fahrt, war die beste Mannschaft der Rückrunde. Der Königstransfer zur kommenden Saison zeichnet sich zwar noch nicht ab und um einen Abschied von Top-Scorer Nkunku ranken sich die Gerüchte, doch die Leipziger haben bislang noch jeden Abgang qualitativ auffangen können.

(Quelle der Summen: Transfermarkt.de)