08. November 2019 / 18:13 Uhr

Vom Mauerfall zum Teltowkanal-Halbmarathon: "Bei uns sind zwei Mal die Scheiben kaputt gegangen"

Vom Mauerfall zum Teltowkanal-Halbmarathon: "Bei uns sind zwei Mal die Scheiben kaputt gegangen"

Peter Stein
Märkische Allgemeine Zeitung
Die Läuferkarawane schlängelt sich am Teltowkanal entlang.
Die Läuferkarawane schlängelt sich am Teltowkanal entlang. © Bernd Gartenschläger
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Lars Weber, der Cheforganisator des 16. Teltowkanal-Halbmarathons am Sonntag, erinnert sich an ein Leben im Schatten der Mauer und an ihren Fall.

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Zum 16. Mal fällt am Sonntag (10.30 Uhr, Knesebeckbrücke) der Startschuss für den Teltowkanal-Halbmarathon. Cheforganisator Lars Weber vom Reha-Zentrum Teltow und dem VGS Kiebitz war von Anfang an dabei. „Auf den Termin um den Mauerfalltag 9. November kamen wir eher zufällig. Erstens waren da in dem Überangebot die meisten Läufe durch, stießen wir also in eine Kalenderlücke. Und zweitens bot sich dieser Termin ja an, weil wir auf dem ehemaligen Grenzstreifen laufen, unsere Strecke führt ja dies- und jenseits des Teltowkanals über ehemals Westberliner und Brandenburger Gebiet. Bei der Premiere feierten wir gerade 15 Jahre Mauerfall“, erzählt Weber.

Der heute 56-Jährige ist als Kleinmachnower im Schatten der Mauer groß geworden. Geboren 1963, also zwei Jahre nach dem Mauerbau, habe er als Kind mitbekommen, wie die Grenzanlagen immer mehr ausgebaut wurden. Denn sein Elternhaus stand direkt an der Grenze. „Besucher kamen nur mit einem Passierschein zu uns“, erinnert er sich. „In unserem Haus sind sogar zweimal die Scheiben zu Bruch gegangen. Entweder waren es direkte Einschüsse oder Querschläger“, habe er mitbekommen, dass da auch scharf geschossen wurde. Mit der Bahn, im Volksmund Sputnik genannt, ging es immer um Westberlin herum in die DDR-Hauptstadt. Als Sportfan, er spielte früher Handball bei Elektronik Teltow, interessierten ihn vor allem die Dynamo-Handballer und die Fußballer des 1. FC Union Berlin. Letzteres ist bis heute so geblieben.

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Dass die Mauer am 9. November 1989 plötzlich offen war, habe auch ihn überrascht. Der damals 26-Jährige hatte gerade seinen Sportlehrer-Diplom an der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK) in Leipzig in der Tasche, trainierte Ruder-Nachwuchs in Berlin-Grünau. „Als am Abend des 9. November die Nachricht von der offenen Grenze die Runde machte, bin ich von Friedrichshagen mit dem Schwarz-Taxi schnell nach Hause, ich wohnte in Weißensee, gestürmt.“ Dann habe er sich mit seiner Freundin, die bis heute seine Partnerin ist, in den Trabi gesetzt und sei bis in die Wisbyer Straße gefahren, habe dort auf dem Bürgersteig geparkt.

Anschließend ließ er sich inmitten der Menschenmassen Richtung Bornholmer Brücke treiben. „Der Schlagbaum war hoch. Meine Freundin blieb weinend zurück, da sie befürchtete, dass die Grenze wieder dicht gemacht wird. Ich drückte sie noch mal und versprach ihr, dass ich wieder komme, und dann bin ich rüber. In 20er Reihen wurden wir von den Grenzsoldaten durchgewunken und auf der Brücke schon von den Westberlinern empfangen, die uns alle abgeklatscht haben. In der zweiten Kneipe habe ich mir eine Cola gegönnt, Getränke waren für alle frei, und dann bin ich wieder zurück, weil meine Freundin ja wartete.“

Lars Weber zieht von Anbeginn die Strippen beim Teltowkanal-Halbmarathon.
Lars Weber zieht von Anbeginn die Strippen beim Teltowkanal-Halbmarathon. ©
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Nun schreibt Weber mit dem Teltowkanal-Halbmarathon auf dem ehemaligen Mauerstreifen eine Erfolgsgeschichte. Waren es bei der Premiere 2004 noch 124 Läufer, so stieg die Teilnehmerzahl kontinuierlich über 325 (2006), 649 (2009), 1122 (2013) bis 1513 (2015). „Bei 1500 Läufern ist Anmeldeschluss, mehr verträgt der Rundkurs nicht“, sagt Weber, der auch diesmal für die 7,1, 14,1 und 21,1 Kilometer wieder am Limit ist. Dazu kommen auch knapp 100 Bambinis (Start 10.15 Uhr).

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