02. Februar 2021 / 17:02 Uhr

Vom Zentralstadion zur modernen Arena: Vor 20 Jahren rollten in Leipzig die Bagger

Vom Zentralstadion zur modernen Arena: Vor 20 Jahren rollten in Leipzig die Bagger

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
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Der Bau des neuen Zentralstadions erfolgte in den Grenzen des alten "Stadions der 100.000". © LVZ-Archiv
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Anfang 2001 rollten sie an, die Bagger. Nachdem im Jahr zuvor bereits der Grundstein für das neue Zentralstadion gelegt worden war, wurde es endgültig ernst. Das "Stadion der 100.000", Ort legendärer Partien zum Beispiel des 1. FC Lok Leipzig, musste weichen. Das Ziel: die Fußball-WM 2006 und ein dafür benötigtes modernes Rund.

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Leipzig. Die Red-Bull-Arena ist derzeit im Umbau. Allerdings nicht so umfänglich verglichen mit dem, der vor gerademal 20 Jahre begann, als aus dem „Stadion der Hunderttausend“ alias Zentralstadion eine moderne Fußball-Arena wurde. Anfang 2001 rollten die Bagger und Kräne an. Die Idee dazu war so einfach wie genial und ist noch immer nachvollziehbar, weil der ovale Wall der einstigen Schüssel noch immer zu sehen – und zu überwinden – ist, wenn man in die heutige Red-Bull-Arena will. Diese wurde quasi in den alten Topf eingepflanzt. Dass die Kapazität so von ehedem 100.000 Sitzplätzen (+x) auf rund 44.000 Zuschauer sank, war angesichts der damit einhergehenden Modernisierung und des aktuellen Bedarfs zu verschmerzen.

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Einweihung im August 1956

So stimmungsträchtig und durchaus auch irgendwie schön das Zentralstadion war, modern war es eigentlich bereits bei seiner Errichtung nicht mehr. Denn schon Jahrzehnte davor war man dazu übergegangen, Stadien in Betonbauweise zu errichten, vor allem die größeren. Beispiele sind das in den 1930er Jahren gebaute Berliner Olympiastadion, das Maracana in Rio de Janeiro (erbaut Ende der 1940er) und andere. In Leipzig hatte man jedoch aus der Not eine Tugend gemacht und aus dem Trümmerschutt schlimmer Bombennächte, der zum großen Teil auf die „Frankfurter Wiesen“ gebracht worden war, Mitte der 1950er das größte Stadion der DDR geformt. So war der Schutt sinnvoll genutzt und Beton zumindest tragend nicht nötig.

DURCHKLICKEN: Der Abriss des Zentralstadions

Bis zu 110.000 Menschen verfolgten Spiele im Leipziger Zentralstadion, das in einen Wall hinein gebaut wurde. Zur Galerie
Bis zu 110.000 Menschen verfolgten Spiele im Leipziger Zentralstadion, das in einen Wall hinein gebaut wurde. ©

Im August 1956 konnte die schon beim Bau für Begeisterung sorgende gute Stube des DDR-Sports eingeweiht werden. Zum Internationalen Messesportfest traten am 2. September 1956 in Leipzig erstmals Leichtathleten nicht nur vor unglaublichen 105.000 Zuschauern, sondern auch unter Flutlicht an. Es folgten in kurzem Abstand spektakuläre Fußballspiele, wie das Ortsderby zwischen dem SC Rotation und dem SC Lok (1:2) vor über 90.000 (DDR-Oberligarekord!) oder das legendäre Match zwischen Wismut Karl-Marx-Stadt und dem 1. FC Kaiserslautern (3:5) vor 110.000 Besuchern, bei dem Fritz Walter ein unvergessenes Hackentor erzielte.

Das Zentralstadion sah jede Menge Länderspiele, Europapokalpartien und Leipziger Fußballderbys. Viele vor großer Kulisse, viele spektakulär. Wie auch die DDR-Sportfeste mit ihren zwar politisch geprägten, jedoch sportlich durchaus beeindruckenden Darbietungen. Auch die Leichtathleten und Friedensfahrer hatten hier weitere grandiose Auftritte.


WM 2006 bringt moderne Arena

Nach der Wende 1989/90 wurde die Schüssel durch den Aufstieg des VfB Leipzig für ein Jahr ab 1993 gar zum Bundesliga-Stadion. Doch dabei wurde zugleich krass deutlich, wie sehr die Zeit über die eigentlich noch gar nicht so alte Sportstätte gegangen war. Der Zustand war unterdessen trotz einiger Nachrüstungen (z. B. neues Flutlicht 1977, teilweise neue Sitze etc.) und Erneuerungen jämmerlich, Vandalismus mancher „Fans“ tat ein Übriges. Und der Zeitgeist sprach in den 1990ern auch längst gegen Stadien mit Laufbahn und weitläufigen Rängen. Beides gilt bis heute als „Stimmungskiller“ für Fußballspiele.

Doch Leipzig hatte Glück: Obwohl sich die beiden führenden Vereine VfB und FC Sachsen durch gründliches Missmanagement in untere Ligen „gekämpft“ hatten, bekam die Messe- und Sportstadt eine moderne Arena. Die Chance, bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 Spielort zu werden, elektrisierte nicht nur die Fans, sondern auch die Stadtoberen. Der Deutsche Fußball-Bund mit Egidius Braun als Präsident beflügelte die daraus entstehenden Pläne und Leipzig wurde tatsächlich als WM-Spielort auserkoren. So begann nach etwa fünfjähriger Planung vor ziemlich genau 20 Jahren der Umbau von Deutschlands zeitweise größtem Stadion zum zwar kleineren, aber hochmodernen Fußballtempel, der seit einigen Jahren Bühne für Bundesliga-Fußball ist. Ein Umstand, den viele, nicht nur im Osten, neidisch auf Leipzig blicken lässt. Der heutige Inhaber RB Leipzig füllt das traditionsreiche Areal mit Leben und bringt es gerade wieder auf den neusten Stand.