20. August 2020 / 14:36 Uhr

Von Bauhaus bis Jack White: Das ist der nächste Gegner der BSG Chemie Leipzig

Von Bauhaus bis Jack White: Das ist der nächste Gegner der BSG Chemie Leipzig

Britt Schlehahn
Leipziger Volkszeitung
TeBe trägt seine Heimspiele im Berliner Mommsenstadion aus.
TeBe trägt seine Heimspiele im Berliner Mommsenstadion aus. © imago images/Contrast
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Am Samstag steht für die BSG Chemie Leipzig das erste Auswärtsspiel der noch jungen Regionalliga-Saison an. Es geht zu Tennis Borussia Berlin, kurz TeBe. Die Geschichte des Hauptstadtclubs ist vielfältig. Es gibt durchaus Parallelen zu der der Leutzscher.

Leipzig. Als Berliner Tennis- und Ping-Pong-Gesellschaft wurde Tennis Borussia (TeBe) 1902 gegründet. Fußball kam erst später hinzu, gespielt wurde damals im Polizeistadion Mitte. Aus diesem wurde nach dem Zweiten Weltkrieg das Stadion der Weltjugend, das 2000 der neu zu errichtenden Zentrale des Bundes-Nachrichtendienstes (BND) weichen musste.

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Stadion im Bauhausstil

TeBe stellte als erste Fußballmannschaft einen Geschäftsführer ein. Damals – Mitte der zwanziger Jahre – wurde die Mannschaft von Otto Nerz trainiert, der als Dozent an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen arbeitete und zuvor selbst Spieler war. Im Anschluss wurde Nerz bis 1936 der erste hauptamtliche Trainer der deutschen Nationalmannschaft, danach Referent unter Trainer Sepp Herberger, der selbst von 1926 bis 1930 bei den Hauptstädtern gespielt hatte.

Blick vom Berliner Funkturm auf das Mommsenstadion. Das Bild wurde 1961 aufgenommen.
Blick vom Berliner Funkturm auf das Mommsenstadion. Das Bild wurde 1961 aufgenommen. © imago images/United Archives

Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelte TeBe ins Mommsenstadion über, das sich keine zehn Radminuten vom Olympiastadion entfernt befindet. Das Rund mit seinem ausgesprochen schönen Funktionsbau wurde am 17. August 1930 als Heimstätte des SC Charlottenburg eingeweiht. Architekt Fred Forbát arbeitete nach seinem Studium im Büro des Bauhausdirektors Walter Gropius und lehrte selbst am Weimarer Bauhaus. Das Stadion errichtete er im Auftrag der Stadt Berlin.

Es beeindruckt durch die streng formale Gliederung des Baukörpers. Die 104 Meter lange Straßenfront wird von zwei hervorstehenden verglasten Treppenhäusern auf halbovalem Grundriss unterbrochen. Ursprünglich war das Stadion für 1.750 Sitz- und 36.000 Stehplätze ausgerichtet. Heute passen 11.500 Zuschauer rein. Oberligist TeBe spielte in der vergangenen Saison im Schnitt vor 800 Zuschauern.

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1934 erhielt das Stadion seinen Namen nach dem Altertumswissenschaftler Theodor Mommsen (1817-1903). Er war nicht nur ein leidenschaftlicher Imperalismus-Kritiker im Kaiserreich, sondern gründete 1890 den Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Die Umbenennung ein Jahr nach der Machtergreifung der Nazis wirkt sehr ungewöhnlich. Aber es war eine ganz pragmatische Entscheidung: Das Theodor-Mommsen-Gymnasium nutzte das Funktionsgebäude und so ging der Schulname auf das Stadion über und blieb bis heute.

Jack White als Trainer

Und es gibt auch eine historische Gemeinsamkeit mit der BSG Chemie. 1969 gründete Tennis Borussia eine Abteilung für Mädchen- und Frauenfußball. Das war zu dem Zeitpunkt in der BRD und Westberlin noch verboten. Der Deutsche Fußball-Bund hatte 1955 – ein Jahr nach dem sogenannten Wunder von Bern und dem Weltmeistertitel der BRD-Männer – den Vereinen "Damenfußball-Abteilungen" verboten.


Horst Nussbaum (Jack White, vorne links) wird am 15. Dezember 1976 beim Gastspiel von TeBe Berlin beim 1. FC Köln von Dieter Müller umspielt, dahinter Dietmar Jakobs (Berlin).
Horst Nussbaum (Jack White, vorne links) wird am 15. Dezember 1976 beim Gastspiel von TeBe Berlin beim 1. FC Köln von Dieter Müller umspielt, dahinter Dietmar Jakobs (Berlin). © imago images/Horstmüller

Die erste Frauenmannschaft von TeBe gewann mehrmals den Berliner Meistertitel – unter anderem trainiert vom ehemaligen Fußball-Spieler und Schlager-Produzenten Jack White (eigentlich Horst Nußbaum), der von 1992 bis 1997 auch als TeBe-Präsident agierte.

In Leutzsch wurde im Februar 1969 eine Frauenfußballmannschaft gegründet. In der DDR gab es zwar kein Fußballverbot für Mädchen und Frauen. Allerdings herrschten genügend Vorurteile. So ist im Nachschlagewerk "Kleine Enzyklopädie: Die Frau" aus den sechziger Jahren zu lesen, dass Frauen einen eigenständigen Leistungssport entwickeln sollen, um nicht in Konkurrenz zum Mann zu treten. Mit anderen Worten: Gymnastik und Eiskunstlauf statt Fußball und Skispringen.

Entgegen dieser traditionellen Denkweise entstanden in der DDR zu Beginn der siebziger Jahre Frauenfußballmannschaften. So auch in Leutzsch auf Initiative von Waltraud Horn. Bis 1987 gab es eine Frauenmannschaft, die viele Bezirksmeisterschaften gewann und auch auch bei der sogenannten Bestenermittlung in der DDR dritte Plätze belegte.