03. Mai 2022 / 08:05 Uhr

Von Geithain bis Lissabon: Lok Leipzigs Henning Frenzel traf wie kaum ein Zweiter

Von Geithain bis Lissabon: Lok Leipzigs Henning Frenzel traf wie kaum ein Zweiter

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
Henning Frenzel feiert seinen 80. Geburtstag.
Henning Frenzel feiert seinen 80. Geburtstag. © Frank Müller
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Sieben Torschützenkönige der DDR-Oberliga spielten für Vereine aus Leipzig und dem Umland. In dieser Serie stellen wir sie vor – verbunden mit der leisen Hoffnung, dass bald ein Leipziger bester Torjäger auch der Fußball-Bundesliga wird. Heute im Fokus: Henning Frenzel.

Leipzig. Leipzigs wohl bislang bester Mittelstürmer feiert am Dienstag seinen 80. Geburtstag. 1965/66 wurde Henning Frenzel mit 22 Treffern bester Torjäger der DDR-Oberliga. Seinen 1. FC Lok schoss er damit auf den dritten Rang – hinter Rekordmeister Vorwärts Berlin und Carl Zeiss Jena. Begonnen hat Frenzels Laufbahn bei Motor Geithain als Zehnjähriger. „Wir waren da eine gute Truppe“ erinnert er sich. Bereits als Juniorenspieler wurde er in der Bezirksklasse-Elf der Männer eingesetzt. Heute ist das Geithainer Stadion nach ihm benannt.

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Auftritte vor Zehntausenden

Für das Torjägertalent begann in seiner Heimatstadt ein fulminanter Weg. Von Anfang an kickte er als Mittelstürmer und erwies sich schon früh als treffsicher. Mit 17 kam er zum SC Lok Leipzig, die Oberliga-Premiere erlebte er mit 18 bei Motor Zwickau (1:1). Mitunter war er als Halbstürmer, heute würde man sagen „hinter den Spitzen“, aufgeboten. Auch später füllte er die Position des torgefährlichen Vorbereiters aus. Doch zunächst fiel er vor allem als brandgefährlicher und technisch beschlagener Mittelstürmer auf. So 1964, als er durch die Neuaufteilung der Leipziger Fußballer seit einem Jahr für den SC Leipzig (ab 1966 die Fußballer ausgegliedert als 1. FC Lok) spielte, gerade Meisterschaftsdritter geworden war und mit der DDR-Olympiamannschaft in Tokio Bronze holte. „Das war der Höhepunkt meiner Karriere“, schätzt er bis heute ein. „Meister wurden wir mit Lok leider nie, wenngleich der Pokalsieg sowie zweite und dritte Plätze in der Oberliga auch schön waren.“

In der DDR-Oberliga kam er auf 420 Einsätze, in denen er 152 Tore erzielte. Damit steht er in den Bestenlisten der DDR-Eliteliga jeweils auf Rang vier. In der praktisch mit der Nationalmannschaft identischen Olympia-Auswahl brachte es Henning auf 15 Partien, in denen er acht Mal traf. Für die A-Auswahl wurde er weitere 56 Mal eingesetzt und schoss 19 Tore. Beim 4:3 gegen die Niederlande sorgte er 1967 mit drei Treffern dafür, dass die DDR-Elf das Match trotz 0:2-Rückstandes drehte.

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Henning Frenzel (r.) im DDR-Trikot neben Manfred Geisler. 
Henning Frenzel (r.) im DDR-Trikot neben Manfred Geisler.  © Johannes Hänel

Den FDGB-Pokal gewann er mit Lok im dritten Endspiel. Beim 3:0-Finalsieg 1976 gegen Vorwärts Frankfurt/Oder markierte er zwei der drei Tore. Im Leipziger Zentralstadion bot er mit dem 1. FC Lok im Europacup etliche große Auftritte. So 1966 das 3:1 gegen Benfica Lissabon im Messe-Cup vor 75 000 Zuschauern oder 1973/74 gegen Fortuna Düsseldorf, als Frenzel den Westdeutschen vor 80 000 mit einem sagenhaften Effet-Treffer den Zahn zog – Lok gewann 3:0 und schaffte es bis ins Halbfinale des Uefa-Cups. Frenzel und Co. kegelten auch den AC Turin, Wolverhampton Wanderers und Ipswich Town raus, ehe gegen den späteren Cup-Sieger Tottenham Hotspur Schluss war. Da agierte der einstige Mittelstürmer allerdings schon längst geschickt hinter den Spitzen Wolfram Löwe und Hans-Bert Matoul, dem er damit 1973 mit zur Torschützenkrone der DDR-Oberliga verhalf. Technisch brillant wie immer.

Heute in Engelsdorf

1978 endete Frenzels aktive Laufbahn 36-jährig, obwohl er noch fit war. Doch Trainer Heinz Joerk, der zuvor im Nachwuchsbereich sehr erfolgreich war, wollte offenkundig nicht so gern mit älteren Spielern arbeiten, wie sich auch an anderen Beispielen belegen lässt. Frenzel gab seine Erfahrungen als Trainer weiter, nachdem man den Nationalspieler für ein halbes Jahr zur Armee eingezogen hatte. In dieser Zeit kickte er an seinem Armee-Standort für den Bezirksligisten Vorwärts Strausberg. Danach coachte er die zweite Mannschaft des 1. FC Lok, dann den Zweitligisten Motor Grimma, in der Bezirksklasse Eintracht Schkeuditz, um dann – wieder in Probstheida – als Nachwuchstrainer zu wirken.

Heute wohnt er in Engelsdorf und wird dort an seinem Ehrentag fleißig und souverän wie einst auf dem Rasen agieren müssen, wenn ihm garantiert viele alte Weggefährten und Fans beglückwünschen.