13. Januar 2021 / 17:59 Uhr

Von Hundert auf Null: Brandenburger Tennis-Hoch gestoppt

Von Hundert auf Null: Brandenburger Tennis-Hoch gestoppt

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Seit Samstag darf nicht mehr gespielt werden, zuvor waren die Hallen voll ausgelastet
Seit Samstag darf nicht mehr gespielt werden, zuvor waren die Hallen voll ausgelastet © Sven Hoppe/dpa
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Zunächst galt im Teil-Lockdown für das Spiel mit der Filzkugel eine Ausnahme im Bereich Indoor-Sport. Die Nachfrage war deshalb groß. Doch jetzt herrscht verordnete Leere in den Hallen.

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Anders als in den meisten Sportstätten waren die Türen von Brandenburger Tennishallen nach dem Teil-Lockdown Anfang November noch offen. Und das wurde rege genutzt. „Mitgliederschwund haben wir keinen, eher im Gegenteil. Viele wollten in den Verein eintreten, weil Tennis noch erlaubt war“, sagt Torsten Knuth, Vorsitzender des Potsdamer TC Rot-Weiss.

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Berliner kamen extra nach Brandenburg

Doch die Ausnahme für Tennis als genehmigter Individualsport gilt seit dem Inkrafttreten der neuen Eindämmungsverordnung am Samstag nun nicht mehr in der Halle. „Das ist aus unserer Sicht ärgerlich, denn Winterzeit ist Hallenzeit bei uns“, sagt Felix Rewicki. Er ist Geschäftsführer des Tennis-Verbandes Berlin-Brandenburg (TVBB), einer Sportgemeinschaft, durch die zwei Monate lang eine harte Trennlinie gezogen war. „Der bekannte Corona-Flickenteppich“, meint Rewicki. Berlin hatte schon ab November Indoor-Sport untersagt, Brandenburg hingegen nicht. „Viele Berliner haben dann versucht, in den Brandenburger Hallen unterzukommen“, erzählt der TVBB-Geschäftsführer.

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In der Mark gibt es laut seiner Schätzung rund 30 bis 35 Hallen, in denen Tennis angeboten wird. Die meisten werden gewerblich betrieben wie zum Beispiel die Havellandhalle in Seeburg nahe der Berliner Stadtgrenze, die vom TVBB als Wintertrainingsstätte genutzt wird, das Sport-In in Brandenburg an der Havel sowie die Sportwelt in Dahme. Vereine wie der TSV Empor Dahme kooperieren mit den Betreibern hinsichtlich Trainingszeiten. Nur sehr wenige Clubs hätten eine eigene Winterstätte, sagt Rewicki. Der TC Waltersdorf beispielsweise baut jährlich eine Traglufthalle über seine Plätze. Aufgrund der unsicheren Pandemielage wurde aber dieses Mal darauf verzichtet – in weiser Voraussicht, dass die Nutzung verboten werden könnte, wie es sich jetzt schließlich auch bestätigte.

Tennis ist "geeigneter Sport in der Pandemie"

Der Potsdamer TC Rot-Weiss hat drei eigene Hallenplätze. Öffnungszeit: 8 bis 22 oder 20 Uhr. Im Winter liege die Auslastung der Plätze normalerweise bei 90 bis 94 Prozent, erzählt der Vorsitzende Knuth. Dieses Mal wurde jedoch noch intensiver gebucht. Seit November seien es 100 Prozent gewesen. Nun herrscht verordnete Leere. Auch andernorts war vor dem harten Lockdown eine sehr hohe Nachfrage für Tennis, Tischtennis, Badminton und Squash (alles nur als Einzelspiele oder mit mehreren Personen aus demselben Haushalt) zu verzeichnen. Das berichtet etwa ein Mitarbeiter aus dem Brandenburger Sport-In sowie Matthias Stolter aus der Sportwelt Dahme. „Die Leute sehnen sich nach Sport und haben sich dann etwas gesucht, was eben noch möglich war“, sagt Stolter. Die Hallenbetreiber hätten aufwendige Hygienekonzepte ausgearbeitet, die Kreuzbewegungen der Gäste verhindert haben, betont er. „Nur wer miteinander gespielt hat, hatte Kontakt zueinander.“

Wegen solch guter Konzepte und der Spielstruktur an sich, hadert TVBB-Geschäftsführer Rewicki mit dem Indoor-Verbot für Tennis. Das sei eigentlich ein „geeigneter Sport in der Pandemie“, findet er. „Die Abstände untereinander sind groß, die Hallen haben mehr als ausreichend Volumen und die Kontaktverfolgung ist eindeutig möglich. Daher ist es für uns schwer nachvollziehbar, warum drinnen nicht mehr gespielt werden darf.“

Der TVBB hat - Stand Ende 2019 - rund 40.000 Mitglieder, davon mehr als 6000 in über 60 Brandenburger Vereinen. Weil die Clubs für ihren Winterbetrieb stark von den kommerziellen Hallen abhängig sind, hat Rewicki auch deren schwierige Lage im Blick: „Wir hoffen, dass sie ihre Einnahmeverluste durch die Corona-Einschränkungen gut abfedern können.“ Es wird ein Geduldsspiel für Betreiber der Sportanlagen, Vereine und Aktive. Allzu groß dürfte ihre Hoffnung nicht sein, dass zum Ablauf der derzeit geltenden Brandenburger Eindämmungsverordnung am 31. Januar die Hallentüren wieder geöffnet und die Schläger unter dem Dach geschwungen werden können.