30. März 2020 / 17:30 Uhr

Von Klostermann bis Werner: Stars von RB Leipzig verzichten auf Gehalt

Von Klostermann bis Werner: Stars von RB Leipzig verzichten auf Gehalt

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Bei den Fußball-Profis von RB Leipzig wird ZUSAMMENHALT groß geschrieben.
Bei den Fußball-Profis von RB Leipzig wird ZUSAMMENHALT groß geschrieben. © P
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Die RB-Profis wollen bis zum Saisonende auf Millionen Euro Gehalt verzichten und damit zur Bewältigung der Coronakrise beitragen. So muss die Geschäftsleitung keine Entlassungen vornehmen und keine Kurzarbeit für die 400 Angestellten des Unternehmens einführen.

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Leipzig. Nein, es ist ausdrücklich nicht so, dass Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz in festen Abständen im Helikopter überm Cottaweg kreist und säckeweise Geld in kleinen, nicht nummerierten Scheinen abwirft. Ja, dem 2009 gegründeten Club geht es im erst vierten Bundesliga-Jahr trotzdem gut, der Etat korrespondiert mit dem Tabellenplatz in angenehmen Gefilden. Nein, bis zum Sanktnimmerleinstag kann der Club von Geschäftsführer Oliver Mintzlaff in Corona-Zeiten angesichts wegbrechender Einnahmen nicht nach dem Motto „weiter wie bisher“ verfahren.

Deadline am 30. Juni

Mintzlaff dreht auf der Suche nach Einsparmöglichkeiten jeden Stein um, der 44-Jährige prüft die Aufschiebbarkeit von Investitionen (nachrangige Gewerke beim Stadionumbau, Digitalisierung et cetera). Die Heizungen der nicht genutzten Büros sind ausgestellt, die Rasenheizung am Trainingsgelände arbeitet auf Minimal-Stufe, die Red-Bull-Arena ist im energiesparenden Erhaltungsmodus. Dass ein Radiergummi pro Hauptabteilung reichen muss, ist noch nur ein Gerücht.

DURCHKLICKEN: Bilder vom Baustellenrundgang am 26. Februar 2020

Ein Teil des Walls, der die Red-Bull-Arena umgibt, wird gerade abgetragen. Wir durften die riesige Baustelle besuchen. Zur Galerie
Ein Teil des Walls, der die Red-Bull-Arena umgibt, wird gerade abgetragen. Wir durften die riesige Baustelle besuchen. © Dirk Knofe

Keine klaren Bilder, keine finalen Gespräche: Der Job von Cheftrainer Julian Nagelsmann, 32, und Sportdirektor Markus, 39, Krösche ist hinsichtlich der Kaderplanung für die kommende Saison höchst problematisch. Gespräche mit potenziellen Neuzugängen können angesichts unklarer Bilder nur vertrauensbildenden Charakter haben. Und ob RB einer Spitzenkraft wie Lukas Klostermann, 23, das verdiente Spitzengehalt offerieren kann, ist nicht in Stein gemeißelt.

DFL-Elefantenrunde: Dienstag, elf Uhr, steigt eine von der Deutschen Fußball-Liga DFL initiierte Videokonferenz aller 36 Proficlubs. Zentrales Thema: Wann rollt der Ball wieder? Anfang Mai? Mitte Mai? Klar ist, dass die Saison am 30. Juni beendet sein muss. Die Deadline resultiert aus dem Auslaufen vieler Spielerverträge an eben jenem letzten Juni-Tag. Weitere Frage: Wie wird die unausweichliche Terminhatz organisiert? Via Turnierform mit mehreren Partien an einem Wochenende in einem Stadion? In Reihen der Roten Bullen rechnet man übrigens damit, dass alle Spiele 2020 Geisterspiele sein werden.

Gehaltsverzicht hier, keine Entlassungen da

Ziel der 36 Proficlubs: Saison beenden! Falls die Spiele (unter Ausschluss der Öffentlichkeit) fortgesetzt werden können, gehen zwar die Zuschauereinnahmen flöten, fließen aber immerhin die Gelder aus der TV-Vermarktung, rund 370 Millionen für die 36 Proficlubs aus der ersten und zweiten Liga. Beim Gau Abbruch der Spielzeit fließt weder noch, wird sich ein Grand Canyon von 750 Millionen Euro (TV- und Ticketeinnahmen, Sponsorzahlungen) auftun. Dann muss völlig neu nachgedacht werden.

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Gehaltsverzicht, freiwilliger: Immer wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Im vorliegenden Fall trägt das Aushängeschild der Rasenballer, die Profiabteilung, das Ihre zum Krisenmanagement beim Bundesliga-Dritten bei. Nach Informationen von LVZ und SPORTBUZZER verzichten die Fußballprofis bis zum Saisonende und eventuell darüber hinaus auf Teile ihres Salärs. Damit spart RB einen nennenswerten siebenstelligen Betrag im unteren Bereich und sichert auch und vor allem das Auskommen der Normalverdiener in der Administration. Kurzarbeit ist für die 400 festangestellten Damen und Herren in den Büros und außerhalb (Gärtner, Hausmeister und so weiter) nicht angedacht. Entlassungen gibt es keine.

Die Männer um Kapitän Willi Orban, 27, und Nationalspieler Timo Werner, 24, mussten in Sachen Gehaltsverzicht nicht zur Jagd getragen werden.