04. Februar 2022 / 13:27 Uhr

Von Uslar zur EM nach München: Petra Möhle ist eine der Choreografinnen im Olympiastadion

Von Uslar zur EM nach München: Petra Möhle ist eine der Choreografinnen im Olympiastadion

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
Petra Möhle (l.) war bei der Weltmeisterschaft 2009 in Berlin als Kampfrichterin dabei.
Petra Möhle (l.) war bei der Weltmeisterschaft 2009 in Berlin als Kampfrichterin dabei. © r/privat
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Seit Mai 2020 kreisen Petra Möhles Gedanken regelmäßig um die Leichtathletik-Europameisterschaften, die im August in München ausgetragen werden. Die ehemalige Mittelstrecklerin aus Uslar zählt zum dreiköpfigen Competition-Director-Team, das die Regie der kontinentalen Titelkämpfe übernommen hat. 

Für die Leichtathletik macht Petra Möhle fast alles: Ihrem Hobby zuliebe hat sie die Entscheidung revidiert, sich bei Großereignissen nicht mehr zu engagieren. Um den umfangreichen Aufgaben gerecht zu werden, hat sie auch beruflich etwas verändert und ihre wöchentliche Arbeitszeit bei der Stadt Uslar um drei Stunden reduziert. Die Vizepräsidentin des Niedersächsischen Leichtathletikverbandes (NLV), die das Ressort „Wettkampforganisation“ betreut, wird im August bei der Europameisterschaft im Münchener Olympiastadion dabei sein – als Mitglied des Dreierteams „Competition Directors“.

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Die Liebe zur Leichtathletik hat die 52-Jährige quasi in die Wiege gelegt bekommen. „Unser Familienleben hat sich früher im Sommer auf dem Sportplatz abgespielt“, erzählt Möhle, die – anders als ihre zwei Brüder – der Sportart immer treu geblieben ist. Im Alter von acht Jahren hat sie begonnen, bis 2006 war sie bei Wettkämpfen als Mittelstrecklerin aktiv. Mit dem Einstieg in die Verbandsarbeit und immer größer werdenden Fuß-Problemen hat sie die Teilnahme an Wettkämpfen dann eingestellt und ist ins Ehrenamt gewechselt. „Ich habe mich natürlich sportlich immer fit gehalten. Diesen Anspruch habe ich schon. Heute nehme ich zum Laufen aber keine Uhr mehr mit – auf zwei Minuten kommt es nicht an“, sagt die Verwaltungsfachangestellte im Bauamt der Stadt Uslar.

Organisatorin für 15 Landesmeisterschaften

Das arbeitsintensive Feld der Wettkampforganisation hat Möhle übernommen, darunter fallen die Landesmeisterschaften und nationalen Meisterschaften auf niedersächsischem Gebiet. „Ich bin in meinem gesamten Leben sehr strukturiert. ,Organisation’ ist mein zweiter Vorname“, sagt die Uslarerin über sich selbst. Sie sei sich auch nicht zu schade, mal die Harke beim Weitsprung in die Hand zu nehmen – wie beispielsweise im vergangenen Jahr bei der Landesmeisterschaft im Göttinger Jahnstadion, als sie bei 35 Grad den eingeteilten Kampfrichtern damit zu einer Verschnaufpause im Schatten verholfen hat. 15 Landesmeisterschaften richtet der NLV im Jahr aus. „Ich kann mich aber nicht überall so einbringen wie in Göttingen“, gibt Möhle zu.

Auf etwa zehn Stunden Verbandsarbeit pro Woche beziffert sie den Arbeitsaufwand – ohne Einsätze am Wochenende. „Die Reduzierung meiner Arbeitszeit hat mir mehr Freiheiten verschafft. Jetzt muss ich keine Urlaubstage mehr opfern, wenn ich freitags schon zu einem Wettkampf fahre.“ Im Jahr 2018, als sie bei der EM in Berlin als Kampfrichterin im Einsatz war, habe sie keinen Tag Urlaub gemacht, der nicht mit der Leichtathletik und dem Ehrenamt zu tun gehabt habe.

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Nur fünf Minuten Bedenkzeit gebraucht

Das Engagement im Berliner Olympiastadion sollte eigentlich ihr letzter großer Einsatz sein. Im Mai 2020 ist Möhle dann allerdings schwach geworden, als das Angebot aus München kam. „Das hat gezeigt, dass meine Arbeit wertgeschätzt wird. Ich habe auch nur fünf Minuten darüber nachgedacht und dann zugesagt“, berichtet die 52-Jährige. Das dreiköpfige Team der Competition Directors, zu dem sie zählt, ist der Regisseur der Wettkämpfe.

Jeweils am Donnerstagabend wird sich per Videokonferenz zusammengeschaltet, am Wochenende gab es auch schon Workshops. Dabei reichen die Themen von der Geräte-Beschaffung über Mitarbeiterplanung bis hin zu Fragen rund um das Stadion. „Wir führen während der Europameisterschaft die Athleten und Kampfrichter durch das Programm, bestimmen quasi das Drehbuch und die Choreografie. Jede Sportart soll während der entscheidenden Momente die exklusive Aufmerksamkeit bekommen. Da kann es dann auch schon einmal passieren, dass wir den Kugelstoßring von einem Kampfrichter putzen lassen und damit diesen Wettbewerb unterbrechen, damit die letzten drei Sprünge im Weitsprung im Mittelpunkt stehen“, führt Möhle als Beispiel an. Erfahrung und Fingerspitzengefühl seien notwendig. „In solche Rollen wächst man rein.“

Auch bei anderen Sportarten vorbeischauen

Die Funktionärin bedauert es, dass sie bislang erst zweimal in München vor Ort war. „Ich liebe die Berge und hätte gern die EM-Vorbereitungen mit einem Kurzurlaub verbunden. Das war coronabedingt erst einmal möglich“, erzählt sie. Ab 8. August wird sie in München sein und einen Großteil ihres Jahresurlaubs dafür opfern. Ein U20-Länderkampf dient als Generalprobe für die Europameisterschaft. Möhle hat sich jedoch vorgenommen, auch bei den anderen Sportarten vorbeizuschauen.

Vielleicht dann auch mit familiärer Begleitung: Ihr älterer Bruder Frank hat durch seinen Sohn zurück zur Leichtathletik gefunden. Der Architekt mit hoher Technik-Affinität engagiert sich für die Gerätekontrolle von mitgebrachten Speeren, Kugeln oder Stäben der Stabhochspringer. In München leitet der Darmstädter diesen Bereich. „Das ist dann eine Art Familienzusammenführung und besonders schön, weil wir uns übers Jahr relativ wenig sehen“, sagt Petra Möhle.

Mehr vom Sport in der Region

Neun Europameisterschaften im August 2022 in München

Die European Championships Munich 2022 präsentieren sich nach der ersten Ausgabe 2018 in Glasgow und Berlin mit einem noch vielfältigeren Sportprogramm als vor vier Jahren. Sportler aus geschätzt 36 Nationen werden vertreten sein. Tickets (https://tickets.munich2022.com/) sind online schon verfügbar.

Beachvolleyball vom 15. bis 21. August. – Austragungsort: Königsplatz. – Athleten: 128. – Medaillenentscheidungen: 2. – Einzeltickets: 20 bis 40 Euro (teilweise freier Eintritt).

Leichtathletik von 15. bis 21. August. – Austragungsorte: Olympiastadion, Münchener Innenstadt. – Athleten: 1500. – Medaillenentscheidungen: 50. – Einzeltickets: 20 bis 130 Euro.

Tischtennis vom 13. bis 21. August. – Austragungsort: Rudi-Sedlmayer-Halle. – Athleten: 260. – Medaillenentscheidungen: 5. – Einzeltickets: 10 bis 60 Euro.

Kanu-Rennsport vom 18. bis 21. August. – Austragungsorte: Olympia-Regatta-Anlage München. – Athleten: 675. – Medaillenentscheidungen: 41. – Einzeltickets: 10 bis 40 Euro.

Radsport vom 11. bis 21. August. – Austragungsorte: Messe München, Olympiapark, Murnau am Staffelsee, Landsberg am Lech, Fürstenfeldbruck. – Athleten: 770. – Medaillenentscheidungen: 30. – Einzeltickets Bahnrad: 15 bis 35 Euro. Freier Eintritt: Straßenradsport, Mountainbike Cross Country, BMX Freestyle.

Triathlon vom 12. bis 14. August. – Austragungsort: Olympiapark. – Athleten: 120. – Medaillenentscheidungen: 3. – Freier Eintritt.

Klettern vom 11. bis 18. August. – Austragungsort: Königsplatz. – Athleten: 300. – Medaillenentscheidungen: 8. – Einzeltickets: 20 bis 1340 Euro (teilweise freier Eintritt).

Rudern vom 11. bis 14. August. – Austragungsort: Olympia-Regatta-Anlage München. – Athleten: 660. – Medaillenentscheidungen: 24. – Einzeltickets: 10 bis 50 Euro.

Turnen vom 11. bis 21. August. – Austragungsort: Olympiahalle. – Athleten: 300. – Medaillenentscheidungen: 14. – Einzeltickets: 20 bis 90 Euro.

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