29. Oktober 2020 / 09:48 Uhr

Von "vernünftig" bis "absolut beschissen": Geteiltes Echo für Stopp des Amateursports unter Leipzigs Fußballern

Von "vernünftig" bis "absolut beschissen": Geteiltes Echo für Stopp des Amateursports unter Leipzigs Fußballern

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
Corona hat den Fußball einmal mehr voll im Griff.
Corona hat den Fußball einmal mehr voll im Griff. © Alexander Prautzsch / dpa
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Ab 2. November ruht in Leipzig und der Region ebenso wie in ganz Sachsen wieder der Fußball. Keine Spiele und auch kein Training von den Bambini bis zu den Alt-Senioren. Wir haben bei den Vereinen in der Messestadt und Umgebung nachgefragt, was sie von der aktuellen Entscheidung der Politik zur Bekämpfung der Corona-Pandemie halten.

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Leipzig. Der Beschluss von Bundesregierung und Bundesländern, den Amateursport ab Montag zum zweiten Mal drastisch einzuschränken, findet bei den betroffenen Fußballern in Leipzig und der Region ein höchst unterschiedliches Echo. Dirk Majetschak, Präsident des Fußballverbandes der Stadt Leipzig (FVSL) und zugleich „Vize“ des Sächsisches Fußball-Verbandes (SFV) sagte auf SPORTBUZZER-Anfrage: „Für meine Begriffe muss man dafür erstmal Verständnis haben. Aber Sporttreiben zu untersagen, ist für alle Betroffenen schmerzhaft. Ich verstehe die Maßnahme, ob so drastisch ist indes die Frage. Wir wollen, dass so lange es geht, also noch an diesem Wochenende, gespielt wird.“

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Klare Worte aus Markranstädt

Ronny Ludwig, Trainer von Stadtliga-Spitzenreiter SV Lindenau, kann sich weit weniger mit dem Erlass anfreunden: „Es ist auf alle Fälle schade. Ich finde es sogar unsinnig, weil ich noch nicht gehört habe, dass sich beim Amateursport Hunderte infiziert hätten. Deshalb ist das für mich eine undifferenzierte und überzogene Maßnahme, die alle in Sippenhaft nimmt. Die Brennpunkte sind woanders.“

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Auch Marcel Nüchtern, Kapitän von Sachsenligist SSV Markranstädt, sieht die Sache kritisch und wählt klare Worte: „Die Situation ist absolut beschissen. Die Frage ist, wie man am Wochenende ins Spiel (Sonntag beim FSV Neusalza-Spremberg/Anm. F. M.) geht. Ich bin auf Arbeit mehr Gefahren ausgesetzt mich zu infizieren als beim Sport. Das steht für mich in keinem Verhältnis zueinander, und deshalb ist die Maßnahme unangemessen.“ Nüchterns Liga-Kollege, Blau-Weiß-Kapitän Ingo Steeb, ist anderer Ansicht: „Ich finde es richtig, weil man zu wenig darüber weiß. Es ist bitter, jedoch nachvollziehbar.“ Ähnlich sieht es Marcus Bieleit, der Trainer von Landesklasse-Vertreter Roter Stern Leipzig: „Wir haben im Verein selber schon einen Corona-Fall. Die erneute Unterbrechung ist schlecht für den Sport, aber ich finde sie vernünftig.“

Ronny Meißner, Trainer von Sachsenligist Kickers Markkleeberg, bedauert: „Am Ende müssen wir uns fügen, aber es macht wieder alles kaputt. Und nur mit Trainingsanleitung übers Internet ist alles schwer aufrecht zu erhalten. Es sprengt die Gemeinschaft wieder.“

Bedauern in Liebertwolkwitz

Jens Wuttke, Coach des Landesklasse-Spitzenreiters VfB Zwenkau, fordert Disziplin von allen ein und sagt: „Ich bin kein Arzt, kein Virologe, kein Wissenschaftler und sitze auch nicht in der Bundesregierung. Aber ich denke, wenn sich alle an die Regeln halten, kriegt man das in den Griff. Mir tut es aber natürlich auch leid, zumal wir ja gerade ziemlich gut in Schwung sind und ich nochmal auf ein schönes Spitzenspiel beim Radefelder SV hoffe.

Frank Watzka, der Trainer von Landesklasse-Konkurrent SV Liebertwolkwitz, sagt: „Ich finde es schade, dass schon wieder unterbrochen wird. Denn wir spielen ja draußen. Da sind so gut wie keine Infektionsherde. Deshalb ist mir das Ganze zu drastisch.“

Mit deutlichen Worten hatte sich am Mittwoch bereits SFV-Präsident Hermann Winkler zu Wort gemeldet. „Ich bin entsetzt über die Ignoranz und Geringschätzung gegenüber dem Sport und der Vereine. Dort, wo aufwendige Hygienekonzepte erarbeitet wurden, die auch wirken, wird dicht gemacht!", klagte Winkler und verwies auf die präventive Wirkung des Sports auch im Hinblick auf die nahende Grippe-Saison.