04. Mai 2020 / 14:22 Uhr

Von wegen Stillstand: Im Leipziger Alfred-Kunze-Sportpark wird nimmermüde gewerkelt

Von wegen Stillstand: Im Leipziger Alfred-Kunze-Sportpark wird nimmermüde gewerkelt

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Die BSG Chemie Leipzig nutzt die Spiel.- und Trainingsfreie Zeit um den Sportpark auf Vordermann zu bringen. Es wurden 60 Tonnen Sand auf die Trainingsplätze gebracht und neue Ballfanganlagen aufgebeut.
Bei der BSG Chemie Leipzig wird derzeit reichlich Sand auf die Rasenplätze verteilt. © Dirk Knofe
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Der Spielbetrieb ruht, der Fußball hat Zwangspause. Die Sportanlagen jedoch müssen weiter gepflegt und instand gehalten werden. Bei der BSG Chemie Leipzig haben die Platzarbeiter um Thomas Westerburg alle Hände voll zu tun.

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Leipzig. In Leutzsch gab es schon große Namen unter den Platzarbeitern. Vereins-Ikonen wie Walter Rose, Walter Brembach, Manfred Walter und Manfred Graul hegten und pflegten den Sportpark zu ihrer Zeit. Jetzt ist Thomas Westerburg (56) der Chef von insgesamt vier „Platzern“ der BSG Chemie Leipzig. Er und seine drei Kollegen kennen auch in der Corona-Krise keine Pause - nur verkürzte Arbeitszeit. Lediglich zwei Stunden am Tag wird gearbeitet - Kurzarbeit ist angeordnet

Auf Ideensuche beim Gastspiel in Frankfurt

Neben den regelmäßigen Arbeiten im Alfred-Kunze-Sportpark wie Rasenschnitt und -pflege, jeder Menge Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten sowie der Sauberhaltung des riesigen Areals stehen auch immer wieder Großprojekte an, welche das Mini-Team zu bewältigen hat. Zuletzt waren das Arbeiten an der Tribüne, an der Sporthalle und den Fangnetzen. Diese wurden in Eigenregie komplett ausgetauscht und erneuert. „Da hatten wir eine Menge zu tun“, berichtet Westerburg, der seit 2017 als Ansprechpartner für den Sportpark bei Chemie arbeitet. Die alten Fangnetze waren ständig kaputt und mussten wiederholt geflickt werden. Das kam von der wenig pfleglichen Handhabung vor allem der Gästefans, von denen oft einige in den Netzen hingen und diese damit beschädigten.

DURCHKLICKEN: 60 Tonnen Sand für den Alfred-Kunze-Sportpark

Trotz Kurzarbeit und Wettkampfpause: Im Alfred-Kunze-Sportpark arbeiten die Greenkeeper in diesen Tagen besonders eifrig. 60 Tonnen Sand wollen auf den Plätzen verteilt werden. Zuvor wurde bereits die Ballfanganlage vor dem Gästeblock generalüberholt. Zur Galerie
Trotz Kurzarbeit und Wettkampfpause: Im Alfred-Kunze-Sportpark arbeiten die Greenkeeper in diesen Tagen besonders eifrig. 60 Tonnen Sand wollen auf den Plätzen verteilt werden. Zuvor wurde bereits die Ballfanganlage vor dem Gästeblock generalüberholt. © Dirk Knofe

„In Frankfurt beim Spiel gegen die Eintracht habe ich mir vor Ort angeschaut, wie das dort gelöst war“, berichtet Westerburg, der als Fan vor Ort war. Wie in den letzten 40 Jahren übrigens, in denen er mit Chemie kaum ein Spiel verpasst hat. Mit Architekt Sebastian Goltzsch plante er die Umsetzung in Leutzsch. Der Fachmann projektierte das Ganze und Westerburg setzte es mit seinen Kollegen dann um. Sechs Wochen benötigte man für die neuen Netze, deren Clou ist, dass sie vom Zaun aus nicht mehr erreichbar sind. Stolz zeigt er auf die Konstruktion: „Jetzt hoffen wir, dass die ewig halten!“

Tonnenweise Sand

Zuvor waren in ähnlicher Weise bereits die Halle und später die Tribüne ertüchtigt worden. Als nächstes Projekt hofft man auf die Errichtung eines weiteren Brunnens auf Platz 3, dem Haupttrainingsfeld für die erste Mannschaft. „Zur Zeit rollen wir alle zwei Tage 250 Meter Schlauch von Platz 1 in Richtung Trainingsfeld aus, bewässern und bauen das zum Feierabend wieder ab. Diese Mühe könnte dann entfallen“, hofft Westerburg. Zudem wird auf Platz 6 eine neue Ballfanganlage errichtet, und die Stufen, die zu den Fluchttoren führen, müssen neu gestrichen werden.

Die BSG Chemie Leipzig nutzt die Spiel.- und Trainingsfreie Zeit um den Sportpark auf Vordermann zu bringen. Es wurden 60 Tonnen Sand auf die Trainingsplätze gebracht und neue Ballfanganlagen aufgebeut.
Vor dem Gästeblock wurde eine neue Ballfanganlage installiert. Sie soll "fansicher" sein. © Dirk Knofe
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Mit der Pflege der Plätze und aller anderen Grünflächen auf dem 90.000 Quadratmeter großen Areal haben die Platzarbeiter alle Hände voll zu tun. Gerade in diesen Tagen wird sehr oft gemäht, aller zwei Tage etwa. Dazwischen wird der Rasen mit Schleppnetz und Striegel gepflegt, ausgeglichen und vom Unkraut befreit. Ganz aktuell werden seit vergangener Woche 60 Tonnen Sand in die Trainingsplätze 5 und 6 eingebracht.

Rasen grün wie selten

„Das Aerifizieren machen wir jedes Jahr zwei-, dreimal. Dabei werden die verdichteten Böden mit Löchern versehen und gesandet“, erklärt Westerburg. Das sorgt für den Ausgleich von Unebenheiten, besseres Wurzelwachstum und einen verbesserten Wasserablauf. Auf Platz eins wurden seit dem letzten Spiel der Leutzscher gegen Altglienicke vor acht Wochen auf diese Weise bereits 36 Tonnen Sand eingebracht.

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Derzeit sehen die Flächen sattgrün und blendend aus. Das liegt natürlich daran, dass sie derzeit nicht beansprucht werden, und dass alles funktioniert – „zum ersten Mal, seit ich hier bin“, wie Thomas Westerburg schmunzelnd erklärt. Die stete Pflege und das Wissen um die Wichtigkeit der Arbeit, die sie leisten, hat die Qualität der Arbeitsmittel verbessert. Die Corona-Krise wirkt sich neben der kurzen Arbeitszeit auch anders aus. „Da sind die Abstandsregeln, und dass wir getrennt Pause machen“, sagt Thomas Westerburg und lacht: "Ansonsten begegnet man sich auf dem riesigen Gelände aber eher selten."