04. April 2021 / 16:06 Uhr

Von wegen Wachablösung! Wolfsburgs Fußballerinnen schlagen die Unbesiegbaren

Von wegen Wachablösung! Wolfsburgs Fußballerinnen schlagen die Unbesiegbaren

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wolfsburg hat die Bayern raus! Der VfL steht wieder im Pokalfinale, Alex Popp (M.) erzielte das erste Tor.
Wolfsburg hat die Bayern raus! Der VfL steht wieder im Pokalfinale, Alex Popp (M.) erzielte das erste Tor. © Boris Baschin
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2:0-Sieg im Halbfinale! Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg besiegten den FC Bayern und ziehen wieder ins Endspiel um den DFB-Pokal ein. Die Wachablösung im deutschen Frauenfußball ist damit zumindest erst einmal vertagt.

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Die Fußballerinnen des FC Bayern mögen drauf und dran sein, die führende Kraft im deutschen Frauenfußball zu werden. Aber eine Wachablösung wurde zumindest erst einmal vertagt - weil der VfL Wolfsburg noch gezeigt hat, warum er jahrelang Deutschlands Branchenprimus war. Mit 2:0 (2:0) gewannen die Niedersächsinnen am Ostersonntag das DFB-Pokal-Halbfinale gegen den FCB - und es war ein hochverdienter Sieg, weil der Titelverteidiger das physisch und taktisch bessere Team war. Während Wolfsburg nun zum siebten Mal in Folge den Cup holen kann, kassierten die Münchnerinnen nach 26 Siegen ihre allererste Pflichtspielniederlage der Saison. Alexandra Popp und Ewa Pajor erzielten im AOK-Stadion die Tore. Bitter: Popp musste gegen Ende der Partie verletzt vom Platz begleitet werden.

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Im Finale trifft der VfL am 30. Mai in Köln im Rhein-Energie-Stadion auf Eintracht Frankfurt, die bereits am Samstag durch einen 2:1-Erfolg gegen den SC Freiburg den Einzug ins Endspiel perfekt machten. Für die Frankfurterinnen ist es nach der Fusion mit der Eintracht bereits die erste Chance auf einen großen Titel. In der Liga hängen sie auf dem siebten Tabellenplatz den Erwartungen und ausgesprochenen Ambitionen noch hinterher.

Vor den Augen von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg sorgten beide Trainer mit ihren Aufstellungen für Aufhorchen. Lena Oberdorf rückte nach zuletzt zwei ausgesessenen Gelb-Sperren in der Liga und Champions League wieder in die Startelf, Fridolina Rolfö hingegen nahm vorerst auf der Bank platz. Dazu überraschend: Almuth Schult stand bei den Wolfsburgerinnen als Ersatztorhüterin bereit, Friederike Abt, Sofie Svava, Lara Dickenmann, Anna Blässe und Pia-Sophie Wolter schafften es nicht in den Kader. Bei den Münchnerinnen spielte die sonst so treffsichere Viviane Asseyi nicht von Beginn an.

VfL Wolfsburg gegen die Bayern: Die Bilder

Carina Wenninger gegen Ewa Pajor Zur Galerie
Carina Wenninger gegen Ewa Pajor ©

Nur vier Tage nach dem K.o. im Champions League-Viertelfinale gegen den FC Chelsea zeigte der VfL, dass er sich die letzte realistischen Titelchance (in der Bundesliga bereits fünf Punkte hinter Bayern) der Saison nicht nehmen lassen will. Bereits nach nur zehn Minuten gab es die erste Großchance, Pajor brachte über links den Ball in den Rücken der Bayern-Abwehr, wo Rebecka Blomqvist lauerte und den Ball an die Latte chippte, den Nachschuss köpfte Svenja Huth unglücklich drüber. Doch der VfL drängte weiter und merkte, dass auch der Liga-Spitzenreiter bei besonders hohem Pressing nicht sattelfest stand. Nur wenige Minuten später die verdiente Führung nach schöner Passstaffette: Pajor bediente aus dem Zentrum heraus Huth auf rechts, die bis an die Linie stürmte und die Kugel anschließend in den Strafraum brachte. Pajor rauschte vorbei, Popp lauerte völlig frei und hämmerte mit einem strammen Schuss ins Netz - 1:0!

Danach wurden die Bayern aufgrund ihrer enormen Schnelligkeit bei Umschaltmomenten gefährlicher, die Wolfsburger Abwehr agierte als Kolletiv aber souverän und sehr abgeklärt. Eine vermeintliche Druckphase des CL-Halbfinalisten überstand der VfL unter anderem dank Katarzyna Kiedrzynek, die einen scharfen Klara Bühl-Freistoß zur Ecke klärte. Die Wolfsburgerinnen blieben aber hungrig - kurz vor dem Halbzeitpfiff war es wieder das Trio aus Popp, Huth und Pajor: Popp spielte einen langen Ball mustergültig auf Huth, die Pajor mit einem scharfen Zuspiel im Strafraum bediente. Was folgte, war ein Tor durch Willenskraft: Obwohl die Polin von Carina Wenninger abgeblockt wurde und auch Bayern-Keeperin Laura Benkarth Richtung Ball stocherte, schob die Stürmerin den Ball zum 2:0 über die Linie.

Im zweiten Durchgang drückten die Gäste aus München zunächst, der VfL stemmte sich aber mit allem, was möglich war, dagegen. Die Partie wurde zunehmend kampfbetonter und giftiger, aber die Niedersachsen ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Die eingewechselte Asseyi hatte in der 83. Minute nach großem Tumult im Wolfsburger Strafraum den Anschluss auf dem Fuß, zögerte mit dem Abschluss jedoch zu lange. Der Ball kullerte auf Bayern-Verteidigerin Amanda Illestedt zu, die ohne Rücksicht abzog und mit ihrem Fuß Popp traf, die daraufhin nicht weiterspielen konnte und mit Unterstützung vom Platz begleitet werden musste. Am Spielverlauf änderte das aber nichts mehr - Bayerns Simone Boye sah in der Nachspielzeit aufgrund einer Notbremse gegen Shanice van de Sanden noch die rote Karte.

VfL: Kiedrzynek - Hendrich, Doorsoun, Janssen, Rauch - Oberdorf, Engen - Popp (86. Jakabfi), Huth, Blomqvist (46. Rolfö) - Pajor (72. van de Sanden).

FCB: Benkarth - Glas (62. Simon), Wenninger (46. Boye), Hegering, Illestedt - Magull, Zadrazil (82. Laudehr) - Beerensteyn, Dallmann (46. Asseyi), Bühl - Schüller.

Tore: 1:0 (13.) Popp, 2:0 (45.+2) Pajor.

Schiedsrichterin: Kunkel (Hamburg).

Rot: Boye (90.+1).