12. Februar 2021 / 21:34 Uhr

Vor 17 Jahren: Der letzte Gladbach-Trainer, der in Wolfsburg gewann

Vor 17 Jahren: Der letzte Gladbach-Trainer, der in Wolfsburg gewann

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Glabach-Sieg in Wolfsburg: Arie ven Lent köpfte eines der Gäste-Tore, Holger Fach (M.) war im  November 2003 Trainer der Borussia.
Glabach-Sieg in Wolfsburg: Arie ven Lent köpfte eines der Gäste-Tore, Holger Fach (M.) war im  November 2003 Trainer der Borussia. © imago images / Rust
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Seit 2003 konnte Borussia Mönchengladbach nicht beim VfL Wolfsburg gewinnen. Vor 17 Jahren feierte Holger Fach einen wichtigen 3:1-Erfolg in der VW-Arena, heute arbeitet er in einer Spielerberater-Agentur.

Die Erinnerung ist bei Holger Fach sofort da. „Joris Van Hout hat unser erstes Tor gemacht, Joonas Kolkka das dritte. Ganz wichtiger Sieg für uns“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Dabei ist das ganze schon über 17 Jahre her. 3:1 gewann Borussia Mönchengladbach im November 2003 das Spiel beim VfL. Das Besondere daran: Es ist der bis heute letzte Sieg der Borussia in Wolfsburg! Am Sonntag (18 Uhr) gibt es den nächsten Versuch.

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Eine Durststrecke dieser Art gibt es für die Fohlen sonst nirgendwo. Dem 3:1 unter Trainer Fach folgten in Wolfsburg 15 Pleiten und drei Unentschieden. Auch vor 2003 hatte es nur einen Borussen-Sieg am Mittellandkanal gegeben, der allerdings war besonders wichtig: Am letzten Spieltag 1997/98, der Wolfsburger Premieren-Saison in der Bundesliga, rettete sich Gladbach mit einem 2:0 im VfL-Stadion vorm Abstieg.

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Den zweiten und bisher letzten Sieg feierten sie dann in der VW-Arena, die damals noch kein Jahr alt war. „Für mich war es auch das erste Mal, dass ich das neue Stadion in Wolfsburg gesehen habe. Und ich weiß noch, dass ich dachte: Oh, hier haben sich aber ein paar Leute wirklich kluge Gedanken gemacht. Die Kabinen, die kurzen Wege für die Mannschaften - das war schon klasse.“

Für Fach war es damals nicht nur der erste Auftritt in der VW-Arena, sondern auch eines seiner ersten Spiele als Bundesliga-Trainer. Erst acht Wochen vor der Wolfsburg-Partie war er nach nur vierwöchigem Intermezzo bei Rot-Weiss Essen nach Gladbach (wo er zuvor die zweite Mannschaft trainiert hatte) zurückgekehrt. Vorgänger war Ewald Lienen, unter dem die Mannschaft tief im Tabellenkeller feststeckte und der nach einem 0:2 in Hannover (mit Ex-VfL-Keeper Claus Reitmaier im Gladbacher Tor) gehen musste. Unter Fach stabilisierte sich die Mannschaft, der Sieg in Wolfsburg (bei dem neben van Hout und Kolkka auch noch Arie van Lent traf) war der erste Auswärtsdreier der Saison, in den verbleibenden vier Spielen bis zur Winterpause gab es drei Siege.

Dass Fach sich damals das Wolfsburger Stadion genauer anschaute, hatte einen Hintergrund: In Gladbach entstand zur der Zeit der Borussia-Park, der 2004 den Bökelberg als Heimspielstätte ablösen sollte. „Das war aber auch unser Problem damals“, so Fach, „der Verein investierte in das Stadion und nicht in die Mannschaft.“ Der Klassenerhalt glückte zwar am Saisonende, aber als in der Spielzeit danach die Ergebnisse dürftig blieben, war für Ex-Nationalspieler Fach in Gladbach Schluss.

Seine nächste Station war dann ausgerechnet Wolfsburg, beim VfL musste er Ende 2005 nach nur einem halben Jahr gemeinsam mit Manager Thomas Strunz gehen. Es folgten die Stationen SC Paderborn 07, FC Augsburg und Lokomotive Astana in Kasachstan, ehe er sich wegen einer Krebserkrankung aus dem Fußball zurückzog. 2015/16 kehrte er als Sportdirektor in Darmstadt auf die Fußball-Bühne zurück. Danach lebte er phasenweise in Spanien, reiste viel, nahm an Charity-Projekten (vor allem als Golfer) teil. Seit wenigen Wochen hat ihn das Fußball-Geschäft zumindest teilweise wieder, er arbeitet in der Spielerberater-Agentur „CASE sport1“ mit - allerdings nicht in Vollzeit. „Das brauche ich nicht mehr“, sagt er, „das Geschäft Fußball hat sich auch zu sehr verändert. Das Niveau sinkt, das Drumherum, die Selbstdarstellung und Selbstvermarktung werden immer wichtiger. Damit kann ich nichts anfangen.“


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In seinem aktuellen Job sei er „keiner, der jungen Leuten erzählt, wie toll sie sind und wie viel Geld sie verdienen können.“ Eher möchte er „derjenige sein, der auch mal sagt: „Junge, für dich wird’s nicht reichen. Mit dem Netzwerk unserer Agentur können wir berufliche Alternative aufzeigen.“ Seine Zeit verbringt der 58-Jährige lieber mit Reisen – oder mit der Mutter, „die nicht mehr die Jüngste ist“, wie er sagt. „Das bringt mir mehr als mich mit 20-Jährigen zu streiten, die ihren Friseur aus London einfliegen lassen...“

In Gladbach folgten auf Fach Horst Köppel, Dick Advocaat, Jupp Heynckes, Jos Luhukay, Hans Meyer, Michael Frontzeck, Lucien Favre, André Schubert, Dieter Hecking und nun Marco Rose. In Wolfsburg gewinnen konnte von ihnen keiner, insgesamt ist Gladbach ein VfL-Lieblingsgeger: 22 Bundesliga-Siege gab es für Wolfsburg gegen die Elf vom Niederrhein, mehr als gegen jeden anderen Klub. „Dass die Gladbacher Bilanz gegen Wolfsburg nicht gut ist, weiß ich“, so Fach, „aber dass ich der letzte Gladbach-Trainer bin, der in Wolfsburg gewonnen hat, darauf wäre ich nicht gekommen.“