13. August 2021 / 21:59 Uhr

Vor 25 Jahren begann Wolfsburgs Aufstieg: Die Spiel-für-Spiel-Zeitreise

Vor 25 Jahren begann Wolfsburgs Aufstieg: Die Spiel-für-Spiel-Zeitreise

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Zeitreise 1
Zeitreise 1
Anzeige

Vor 25 Jahren, genau zwölf Tage früher begann das letzte Zweitliga-Jahr des VfL Wolfsburg. Den Weg zum Aufstieg begleiten wir in einer Serie ab heute Spieltag für Spieltag parallel zu denen der 25. Wolfsburger Bundesliga-Spielzeit, die ins Jubiläum mündet. 

Das Jubiläum kommt! Egal, wie der VfL Wolfsburg abschneidet. Am Ende der Saison hat der VfL 25 Jahre Fußball-Bundesliga hinter sich! Am Stück. Das können von den aktuellen Bundesligisten nur wenige von sich behaupten. Nie abgestiegen aus dem Oberhaus sind aber neben Wolfsburg nur Leverkusen und München. 25 Jahre Bundesliga – bevor das Jubiläum kommt, nehmen wir Sie mit auf eine kleine Zeitreise. Spieltag für Spieltag. In die letzte Zweitliga-Saison.

Anzeige

25 Jahre – in vielen Bereichen kein ganz großes Jubiläum. In der Bundesliga eher außergewöhnlich. Außergewöhnlich beständig. Denn nur elf Klubs von insgesamt 56 Bundesligisten seit 1963 haben mehr als 25 Spielzeiten am Stück im Oberhaus gespielt.

Der kleine VfL Wolfsburg. Lange war er die Nummer 5 im Norden gewesen – hinter Bremen, dem HSV, Braunschweig und Hannover. In der Oberliga gefürchtet, doch in der 2. Bundesliga war das Team vom Elsterweg nur sechs Jahre seiner Geschichte gewesen, in der Bundesliga waren die Wölfe überhaupt kein Begriff. Wolfsburg stand für Volkswagen. Punkt. Bis es mit Trainer Uwe Erkenbrecher, Manager Peter Pander sowie Funktionären wie Wolfgang Heitmann oder Manfred Aschenbrenner Visionen gab und 1992 der Aufstieg in die 2. Liga gelang.

Vor genau 25 Jahren dann nahmen die Fußballer des VfL Wolfsburg, oft Wölfe genannt, gern aber auch mal als grün-weiße Spaßmacher bespöttelt, endgültig die Fährte auf Richtung Beletage, die sie 1994/95 schon einmal eingeschlagen hatten. Diesmal nun mit Spielern wie Chad Deering, Zoran Tomcic, Piotr Tyszkiewicz, Mathias Maucksch oder Roy Präger. Aber ohne Siggi Reich übrigens, der nach dem knapp geschafften Klassenerhalt 1996 seine Karriere beendet hatte. Was damals keiner ahnte, ja niemand für möglich gehalten hätte: Am Ende der Spielzeit 1996/97 sollte für (mindestens) 25 Jahre der letzte Aufstieg stehen.

Anzeige

In einer AZ/WAZ-Serie zeichnen wir den Weg zum Aufstieg nach – gehen ihn Spieltag für Spieltag parallel zur neuen Bundesliga-Saison mit. Was 2021/22 am Ende stehen wird, wissen wir noch nicht, was 1997 am Ende der Saison stand, wissen alle Fans. Manche aber waren damals noch jung, manche noch gar nicht geboren.

Bei dieser Zeitreise können sie mitmachen. Schicken Sie uns gerne Mails, wenn Sie mögen auch Fotos (als Dateien, bitte keine Originale; an sport@waz-online.de), mit Ihren besonderen Erinnerungen an Partien, oder posten Sie sie am entsprechenden Spieltag in den dann erscheinenden Sportbuzzer-Beitrag bei Facebook.

Alles begann mit einer Niederlage in Köln

Ein einstelliger Platz war das Ziel des VfL für die Saison 1996/1997 gewesen. Eine betont vorsichtige und vielleicht auch realistische Sichtweise nach unruhigen 18 Monaten, in denen erst Gerd Roggensack den VfL ins Pokalfinale 1995 als Nachfolger von Eckhard Krautzun geführt hatte, mit dem es bis ins Viertelfinale gegangen war. Das Halbfinal-1:0 beim klassenhöheren 1. FC Köln durch ein Tor von Siggi Reich blieb das Highlight unter Roggensack.

In der Liga hatte er den Klub, der bis kurz vor Saisonende am Aufstieg schnupperte, nicht mehr stabilisieren können. Roggensack war bereits im Oktober 1995 nach einem Heim-0:5 gegen Bochum von Ex-HSV-Profi Willi Reimann abgelöst worden. Eine auf dem Papier sehr namhafte Mannschaft konnte der knorrige Hanseate immerhin mit seiner stoischen Art stabilisieren, die dann in der Rückrunde bis zum Ende 14 Mal in Folge ungeschlagen blieb. Danach ging es in eine ganz besondere Saison.

Der erste Spieltag der Zweitliga-Saison 1996/97

Was zuvor so war: Einen Tag zuvor hatte Frank Busemann Olympia-Silber im Zehnkampf geholt, Eintracht Braunschweig bereitete sich auf seinen Regionalliga-Auftakt gegen den Hamburger SV Amateure vor. VfL-Kugelstoßerin Stephanie Storp stand am Zweitliga-Auftakttag im Kugelstoßfinale in Atlanta, wurde Sechste.

Das VfL-Spiel: Und für den VfL war alles wie immer gegen diesen Gegner. Ob Roy Präger bei Fortuna spielte, wo er hergekommen war, oder nun im zweiten Jahr beim VfL – im Kölner Südstadion setzte es – wie immer – eine Niederlage. Auch an diesem Freitagabend. Es war die fünfte und (das wissen wir nun) letzte bei Fortuna Köln in einem Punktspiel.

Michael Spies, heute Trainer des MTV Gifhorn und ein ganz besonderer Bundesliga-Rekordhalter, fehlte mit Leistenproblemen, Mathias Stammann (nach seiner Karriere bis heute im Trainerstab des VfL-Nachwuchses) war drei Tage zuvor am Knie operiert worden. Der wenige Stunden vor der Partie endgültig verpflichtete Kroate Zoran Tomcic durfte als Manndecker gleich debütieren. Handlungsbedarf hätte man eher vorn sehen können, wo der Verlust von Siggi Reich, der immerhin sieben Tore in der Vorsaison erzielt hatte, nicht abgefedert worden war. An Tomcic lag die Niederlage nicht. „Mit ihm war ich zufrieden“, sagte Reimann. „Er hat sich zu wenig Chancen herausgearbeitet, das war nicht zufriedenstellend“, kritisierte er derweil den als Mittelfeldlenker von Kickers Emden geholten Chad Deering.

Der VfL hatte nach 14 Partien in Folge ohne Niederlage einen Dämpfer bekommen. Nach hinten losgegangen war auch der physisch eher „kleine“ Sturm mit den lieber über die Flügel kommenden Sven Ratke und Roy Präger. Präger hatte in der Vorsaison als Stürmer einen guten Eindruck gemacht, war von der neuerlichen Aufstellung vorn aber überrascht, schließlich waren mit Piotr Tyszkiewicz und Stefan Meißner beide echten Mittelstürmer draußen geblieben.

Die Statistik

Fortuna Köln - VfL Wolfsburg 2:0
(2. August 1996)

Fortuna: Wessels - Lottner, Schneider (52. de Wit), Radschuweit - Hahn, Lipinski, Niedziella, Azzouzi (46. Akonnor), Kranz - Hey, Krieg (76. Mink).


VfL: Zimmermann – Maucksch, Tomcic, Keller – Kapetanovic (46. Meißner), Probst (75. Lüttkenhaus), Deering, Ballwanz, Dammeier – Präger, Ratke (46. Tyszkiewicz).

Schiedsrichter: Zerr (Ottersweiler). Zuschauende: 2500.
Tore: 1:0 (11.) Schneider, 2:0 (55.) Krieg.
Gelbe Karten: Hahn, Schneider / Tomcic, Deering, Dammeier, Lüttkenhaus.

WAZ-Spieler des Spiels: Ballwanz.

[Anzeige] Kein Bundesliga-Spiel verpassen: Checke hier die aktuellen Streaming-Angebote von WOW/Sky und DAZN.