12. März 2022 / 22:35 Uhr

Vor 268 Zuschauern: Nico Zanin entscheidet Babelsberg-Derby für 74 (mit Galerie)

Vor 268 Zuschauern: Nico Zanin entscheidet Babelsberg-Derby für 74 (mit Galerie)

Maximilian Krone
Märkische Allgemeine Zeitung
Mit seinen zwei Toren hat Nico Zanin (l.) großen Anteil am Derbysieg gegen Fortuna Babelsberg.
Mit seinen zwei Toren hat Nico Zanin (l.) großen Anteil am Derbysieg gegen Fortuna Babelsberg. © Benjamin Feller
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Landesliga Nord: Das Stadtteil-Derby zwischen Fortuna Babelsberg und Babelsberg 74 entschieden die Gäste am Samstagnachmittag für sich. 

Fortuna Babelsberg - FSV Babelsberg 74 2:3 (0:2). Tore: 0:1 Nico Zanin (6.), 0:2 Paul Unger (23.), 1:2, 2:2 Dennis Weber (61., 66.), 2:3 Zanin (84.). Zuschauer: 268.

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Mit einem T-Shirt mit der grünen Aufschrift "Babelsberg = 14482" schrie David Sorgatz zusammen mit seinen Teamkollegen vom FSV Babelsberg 74 die "Derbysieger, Derbysieger"-Rufe auf dem Sportplatz von Fortuna Babelsberg. Es waren die üblichen Provokationen, die nach einem intensiven Derby auch irgendwie dazugehören. Der Innenverteidiger und seine Mitspieler gewannen zuvor das Landesliga-Derby gegen die im Potsdamer Stadtteil "Am Stern" beheimateten Hausherren, mit der Postleitzahl 14480, mit 3:2 (2:0). "Ich denke, dass wir verdient gewonnen haben. Das war eine große kämpferische Leistung", bilanzierte 74-Coach Jan Kähne im Anschluss an die Partie.

Dabei standen die Vorzeichen klar in Richtung eines Heimsieges. Fortuna lag ungeschlagen auf Platz eins der Heimtabelle, die Gäste gewannen bis dato erst ein Spiel auf fremdem Geläuf (4:1 in Perleberg). Ohnehin kamen die 74er mit sieben sieglosen Partien im Rücken zum Rivalen, der im Kader fast aus dem Vollen schöpfen konnte. Auch in diesem Punkt zeigte sich Fortuna in der besseren Ausgangsposition und lehnte eine vom FSV kurzfristig angefragte Spielverlegung ab. Dennoch bleibt ein Derby ein besonderes Spiel, bei dem in der Regel mit Anpfiff jegliche Favoritenstellungen verflogen sind.

In Bildern: Babelsberg 74 siegt im Derby gegen Fortuna Babelsberg mit 3:2.

<b>Fortuna Babelsberg - FSV Babelsberg 74 2:3 (0:2). Tore:</b> 0:1 Nico Zanin (6.), 0:2 Paul Unger (23.), 1:2, 2:2 Dennis Weber (61., 66.), 2:3 Zanin (84.). <b>Zuschauer:</b> 268. Zur Galerie
Fortuna Babelsberg - FSV Babelsberg 74 2:3 (0:2). Tore: 0:1 Nico Zanin (6.), 0:2 Paul Unger (23.), 1:2, 2:2 Dennis Weber (61., 66.), 2:3 Zanin (84.). Zuschauer: 268. © Benjamin Feller

So auch um 16 Uhr auf dem Sternsportplatz, als Fortuna zunächst besser ins Spiel kam. Nach einem Diagonalball von Dwayne Bensch tauchte Andreas Plaue das erste Mal im gegnerischen Strafraum auf - seine Hereingabe verpasste Tim Dethloff knapp (5.). Besser machten es die Kähne-Schützlinge, die nach einem langen Einwurf zum Führungstreffer kamen (6.). Robin Pfeifer legte per Hacke auf Nico Zanin ab, der den Ball mit dem schwächeren linken Fuß sehenswert in den Winkel beförderte. Ein optimaler Start für die Gäste, die auch danach weiter zu ordentlichen Chancen kamen. Pfeifer scheiterte nur Sekunden nach dem Führungstreffer im Eins-gegen-Eins mit Fortuna-Keeper Erik Firchau (7.).

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Danach war aber auch Fortuna mal an der Reihe. Nach einer ersten Annäherung von Dethloff, dessen Schuss aus 20 Metern in den Armen von 74-Keeper Alexander Sterz landete (11.), übernahm Dennis Weber das Kommando im Angriff. Auf Außen setzte er sich gegen drei Babelsberger durch, scheiterte am Ende jedoch am Gäste-Schlussmann (20.). Beide Teams agierten zunehmend mit langen Bällen, wobei die Hausherren mehr Ballbesitz zu verzeichnen hatten. Nach 22 Minuten musste Fortuna-Coach David Sommer das erste Mal umstellen. Für den angeschlagenen Enis Wendland kam Markus Goede in die Partie und rückte in die Innenverteidigung, aus der Bensch ins Mittelfeld rückte.

Paul Unger erhöht auf 2:0

Direkt nach seiner Einwechslung kam es zu einem Freistoß aus dem Halbfeld für die Gäste. Der von Felix Reichert, der an diesem Tag sein Landesliga-Debüt gab, getretene Freistoß landete mustergültig auf dem Kopf von Paul Unger, der Firchau überwand (23.). Die erste hochkarätige Chance der Fortunen gab es in der 27. Minute zu bestaunen, als Armand Ligouis, nach einem langen Zuspiel von Jonas Scharffenberg, den Ball auf die Latte hob. Auch bis zum Pausentee lagen die Spielanteile klar bei den Hausherren, die beim Kreieren der Chancen jedoch teilweise ideenlos wirkten. Zu zwei Aufregern kam es dennoch, als Marvin John Jakobczyk erst im eigenen Fünfmeterraum über den Ball schlug und Sascha Guthke aus Nahdistanz am Querbalken scheiterte und als nach einem langen Einwurf die 74-Defensive weiterhin ungeordnet war und Guthkes Schuss aus sieben Metern geblockt wurde. "Wir haben in der ersten Halbzeit ewig gebraucht, um den Rückstand zu verdauen. Und wie es im Fußball eben so ist, gehen bei uns die Dinger dann vorne nicht rein und dann weißt du, dass es sehr schwer wird", erklärte Sommer im Anschluss an die Partie.

Nichts weniger als ein Feuerwerk wollten die Heimfans von ihrer Mannschaft nach dem Seitenwechsel sehen. Und tatsächlich kamen die Fortuna-Kicker mit Schwung aus der Pause, ein Aufbäumen war deutlich zu erkennen. Die erste Gelegenheit bot sich jedoch wieder 74, die in Person von Robin Pfeifer einen Fehlpass von Guthke, quer vor dem eigenen Strafraum, abfingen, aber nicht zum Torabschluss kamen (53.). Den ersten Hochkaräter in Durchgang zwei hatte Fortuna, als Armand Ligouis Weber freispielte und der Angreifer den Ball, freistehend vor Sterz, aus 14 Metern über das Gäste-Gehäuse beförderte. Dass er das besser kann, zeigte er keine Minute später, als er am linken Strafraumrand erst Jakobczyk und dann Alexander Czech stehen ließ und den Ball im kurzen Eck unterbrachte (61.).

Weber mit Doppelpack - Wehse an den Innenpfosten

Nur fünf Minuten später legte Weber, nach einer Freistoßflanke von Maximilian Schmidt, per Kopf nach (66.). Das Spiel war gut 25 Minuten vor Schluss wieder auf Null gesetzt und wie schon vor dem Anpfiff deutete nun vieles auf einen Heimdreier hin. "Wir wussten vorher, - das war ja klar - dass es nochmal schwer wird. Gerade nach der Woche", schätzte Kähne, der in beiden Trainingseinheiten unter der Woche auf nicht mehr als sechs Mann zurückgreifen konnte, die zweite Halbzeit ein. Und auch nach dem verdienten Ausgleich war Fortuna mehr am Drücker, die Hausherren hatten das Momentum auf ihrer Seite. Den nächsten Aufreger für die Gäste erzeugte der aus der Reserve-Mannschaft hochgezogene William Wehse. Der kurz zuvor Eingewechselte drehte eine Ecke direkt an den Innenpfosten, von wo der Ball zurück in den Fortuna-Strafraum sprang (75.).

Viele Angriffe aus dem Spiel heraus gelangen den Gästen über die komplette Zeit selten. Bis zur 84. Minute, als Czech den Ball auf Außen spielte, Unger das Spielgerät zu Steffen Zieschank durchließ, der Außenverteidiger nach innen zog und dort Zanin bediente. Der kräftige Stoßstürmer nutzte seine Größe aus, schirmte den Ball kurz ab und traf dann aus der Drehung zum für die Gästefans umjubelten 3:2-Siegtreffer. "Das ist Zanin, wie er leibt und lebt", gab auch Sommer zu. Eine Antwort auf den späten Treffer fand die Fortuna nicht mehr, 74 verpasste in Person von Florent Qeret (88.) und Nils Richter (89.) sogar noch einen Treffer draufzupacken.

Sommer: "Waren die bessere Mannschaft, haben alle gesehen"

"Wir wissen gar nicht so richtig, woran es lag. Irgendetwas hat gefehlt heute, wir wissen aber noch nicht was. Wir haben nie so richtig ins Spiel gefunden, was auch schwer ist, wenn gleich der erste Angriff von 74 drin ist. Das macht mit einem etwas, da bist du dann erstmal geschockt", fasste ein sichtlich nachdenklicher Sommer, der damit seine erste Niederlage gegen seinen alten Verein hinnehmen musste, zusammen. "74 ist mit einer dünnen Personaldecke angereist und die haben das für ihre Verhältnisse wirklich gut gemacht", kannte er die Leistung des Teams seines alten Trainers an, "aber dass wir die bessere Mannschaft waren, haben alle gesehen. Leider haben sie die Torchancen genutzt und wir halt nicht." Die Gäste wird das am Ende nicht interessieren, der Sieg wurde am Samstagnachmittag an die Postleitzahl 14482 adressiert.

Fortuna Babelsberg: Firchau - Plaue (86. Göhring), Müller, Bensch, Guthke, Scharffenberg - Wendland (22. Goede), M. Schmidt (74. Donatz) - Dethloff, Weber, Ligouis (86. Gaida).

FSV Babelsberg 74: Sterz - Minkwitz, M.J. Jakobczyk, Sorgatz, Zieschank - Reichert (70. Wehse), A. Czech, Richter - Pfeifer, Zanin (85. Qeret), Unger.

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