02. Januar 2022 / 15:04 Uhr

Vor 85 Jahren in Berlin: Herbert Gabriel kam, sah und traf für den VfB Leipzig

Vor 85 Jahren in Berlin: Herbert Gabriel kam, sah und traf für den VfB Leipzig

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Herbert Gabriel erzielt vor 85 Jahren das 2:1 für den VfB Leipzig gegen Schalke 04.
Herbert Gabriel erzielt vor 85 Jahren das 2:1 für den VfB Leipzig gegen Schalke 04. © Archiv
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Beim 2:1-Erfolg des VfB Leipzig im DFB-Pokal-Finale am 3. Januar 1937 - vor 85 Jahren - gegen Schalke 04 erzielte der schnelle Stürmer sein wichtigstes Tor.

Leipzig. Deutsches Pokalfinale 1937. Wegen der Olympischen Spiele 1936 konnte es erst am 3. Januar des folgenden Jahres ausgetragen werden. Der damals 25-jährige Herbert Gabriel traf mit seinen Mannschaftskameraden vom VfB Leipzig auf die Kicker von Schalke 04. Das war in den dreißiger Jahren so etwas wie heute der FC Bayern – kaum zu bremsen und selten zu bezwingen.

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Außenseiter VfB top drauf

Nach dem Vorbild anderer europäischer Fußball-Nationen führten 1935 Deutschlands Fußball-Obere den nationalen Pokalwettbewerb ein. Der Pokal wurde benannt nach dem damaligen „Reichssport-Führer“ Hans von Tschammer und Osten. Erster Gewinner wurde der 1. FC Nürnberg nach einem 2:0 über Schalke 04. Die Knappen – einige arbeiteten tatsächlich noch im Steinkohlenrevier unter Tage – wollten bei der erneuten Finalteilnahme den Cup nach Gelsenkirchen holen.

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Nach dem Vorbild anderer europäischer Fußball-Nationen führten 1935 Deutschlands Fußball-Obere den nationalen Pokalwettbewerb ein. Der Pokal wurde benannt nach dem damaligen „Reichssport-Führer“ Hans von Tschammer und Osten. Erster Gewinner wurde der 1. FC Nürnberg nach einem 2:0 über Schalke 04. Die Knappen – einige arbeiteten tatsächlich noch im Steinkohlenrevier unter Tage – wollten bei der erneuten Finalteilnahme den Cup nach Gelsenkirchen holen.


Die kaum bekannten Leipziger sollten ihnen gerade recht kommen. Deren letzte großen Erfolge lagen Jahrzehnte zurück. Dreimal war der VfB deutscher Meister (1903, 1906 und 1913), gehörte zwar in Mitteldeutschland zur Elite, doch darüber hinaus reichte es nicht mehr zu Meriten. Mehr als 5000 Mannschaften bis hinunter zu den Kreisligen konnten sich 1936 beteiligen. Die Unterklassen-Teams hatten sich für die Hauptrunde zu qualifizieren, bis die Gauligisten eingriffen, um die 64 Teilnehmer für die Schlussrunde zu ermitteln. Aus unserem Verbreitungsgebiet gehörten der BC Hartha, Wacker Leipzig und der VfB dazu.

Dreimann-Sturm gegen Schalke

Der VfB Leipzig trat als krasser Außenseiter die Bahnreise Richtung Berliner Olympiastadion an.„Selbst unsere ältesten Spieler hatten das noch nicht erlebt“, konnte sich Gabriel noch daran erinnern, dass die Schalker Spieler arrogant an ihnen vorbeischauten, wenn sie sich im Hotel Russischer Hof begegneten. Was auch sollte der VfB ausrichten gegen die damaligen Fußball-Götter Fritz Szepan und dessen Schwager Ernst Kuzorra? Beide begründeten eine Ära im deutschen Fußball wesentlich mit, prägten mit dem „Schalker Kreisel“ – dem schnellen Kurzpassspiel – jahrelang den Erfolgsstil des FC Schalke 04. Die Namenlosen aus Leipzig kamen da gerade recht.

Es lief anders: Nicht nur die mehr als 60 000 Zuschauer zeigten sich überrascht, was sich auf dem Rasen bei angenehmen Temperaturen abspielte. Die Schalker sahen sich in die Defensive gedrängt. Der Leipziger Dreimann-Sturm wirbelte die Abwehr durcheinander und sah sich belohnt. Bereits nach 20 Minuten bejubelte die tausendköpfige Leipziger Anhängerschar das Führungstor durch Jakob May. Und der schnelle Herbert Gabriel entwischte in der 31. Minute seinen Verfolgern und jagte das Leder in die Maschen. Zum Jubeln bleib keine Zeit, denn diese Treffer stachelte die Konkurrenten aus dem Ruhrpott erst richtig an.

Doch mehr als Kalwitzkis Treffer sprang für die Favoriten nicht heraus. Mit 2:1 sicherte sich der VfB Leipzig den Pokal. „Ich meine, es war vor allem unser Kampfgeist und der Ehrgeiz, den Schalkern zu beweisen, dass wir auch gut spielen können“, erklärte Gabriel später die Motivation seiner Truppe. Gejubelt wurde im Olympiastadion, auf der Bahnfahrt und natürlich bei der Ankunft auf dem Hauptbahnhof. Hunderte ließen ihre Helden hochleben. „So etwas vergisst man nicht“, gestand der Pokal-Torschütze Jahrzehnte später.

René Müller kickte unter Gabriel

Wie fast alle Kicker hatte auch Gabriel sein Vorbild. „Das war Matthias Sindelar. Der Wiener konnte alles am Ball und seine Schusstechnik war sagenhaft. Er lupfte den Ball an und in der Drehung jagte er ihn aufs Tor. Das konnte kein anderer.“ Eine Kostprobe von dessen Klasse bekamen die VfB-Spieler in Le Havre am 30. Mai 1937 zu sehen. Die Organisatoren der Weltausstellung in Paris luden zu einem Turnier ein. Chelsea London, Bologna, Budapest, Marseille, Austria Wien. Auch die Pokalgewinner aus Leipzig präsentierten sich. Gegen die Österreicher blieb der VfB beim 0:2 chancenlos.

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Nach 1945 hatte die sowjetische Besatzungsmacht alle Vereine aufgelöst. Trotz aller Probleme wie Versorgung oder Wohnraum wollten auch die Fußballer wieder auf den Rasen. Gabriel und Co. gründeten die SG Probstheida, an der sich Jahre später der 1. FC Lokomotive entwickeln sollte und sich zwischenzeitlich auch „sein VfB“ wieder im deutschen Fußball etablierte. Einigen der Spieler wie Torwart René Müller konnte Herbert Gabriel im Nachwuchsbereich einiges beibringen. Vor allem aber die Liebe zum Fußballspiel. Gabriel verstarb im Januar 1997 im Alter von 85 Jahren in der Messestadt.