21. Februar 2019 / 13:24 Uhr

Vor Amateurfußball-Kongress: Interessant bleiben für alle Altersklassen

Vor Amateurfußball-Kongress: Interessant bleiben für alle Altersklassen

Thorin Mentrup
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Fußballwissen hat sich Friedhelm Drieling auf dem Platz, aber auch durchs Lesen angeeignet. In Kassel vertritt er den NFV beim Amateurfußball-Kongress.
Fußballwissen hat sich Friedhelm Drieling auf dem Platz, aber auch durchs Lesen angeeignet. In Kassel vertritt er den NFV beim Amateurfußball-Kongress. © Thorin Mentrup
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Friedhelm Drieling vom SV Mörsen-Scharrendorf nimmt als einer von 288 Delegierten am Amateurfußball-Kongress in Kassel teil

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Er sitzt im Scharrendorfer Ortsrat, doch einen Namen hat sich Friedhelm Drieling auch als Sportsmann gemacht: Seit Jahrzehnten ist er beim SV Mörsen-Scharrendorf aktiv. Aus dem ehemaligen Fußballer ist mittlerweile der Jugendleiter der Fußballsparte geworden. Diese Mischung aus Sport und Politik macht Drieling zu einem idealen Vertreter des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) beim 3. Amateurfußball-Kongress von diesem Freitag bis Sonntag in Kassel. Dann wird er mit den ganz Großen des Fußballs über die Zukunft des Sports auf lokaler Ebene diskutieren.

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Doch was macht ein Mann aus dem beschaulichen Scharrendorf mitten unter der Elite des größten Sportfachverbandes der Welt? Was kann er zur Diskussion mit etwa Bundestrainer Joachim Löw, der am letzten Veranstaltungstag in Kassel vorbeischauen wird, beitragen? Eine ganze Menge sogar. Schließlich gehört Drieling, der beim SV Jura Eydelstedt seine Laufbahn begann und auch für Drentwede spielte, ehe er zum SV Mörsen-Scharrendorf kam, zu der Zielgruppe, die in den drei Tagen zu Wort kommen soll: die Basis nämlich. Als einer von 288 Delegierten wird er helfen, Empfehlungen für die Fußball-Entwicklung im Amateurbereich zu erarbeiten. Sein Wirken auf lokaler Ebene schneidert Drieling diese Rolle auf den Leib. Das fand auch August-Wilhelm Winsmann, der Vorsitzende des NFV-Bezirks Hannover, der den Scharrendorfer als einen von 13 NFV-Delegierten vorschlug. "Uns verbindet eine Männerfreundschaft", verrät Drieling, der als Sportler und Politiker ein Lösungssucher ist. Er weiß: "Man muss Dinge hinterfragen, sonst ändert sich nichts."

Und ändern muss sich etwas. Denn obwohl der Deutsche Fußballbund (DFB) so viele Mitglieder hat wie noch nie, hat sich die Zahl der Mannschaften zuletzt um rund 2500 reduziert. Es geht dem Amateurfußball nicht so gut. Das erlebt Drieling als Jugendleiter Tag für Tag. "Die Begeisterung ist nicht mehr so groß wie früher. Viele gucken lieber Fußball im Fernsehen als selbst zu spielen", nennt er eines von mehreren Problemen. Auch fehlende Kunstrasenplätze wie etwa im Twistringer Stadtgebiet seien ein Standortnachteil. So sei es schwer, auf Dauer attraktiv gegenüber anderen Sportarten zu bleiben – auch schon bis zum Europameisterschaftsjahr 2024, das in Kassel ein wichtige Rolle spielen wird. Drieling hat sich auch unter Mitstreitern wie Peter Meyer, Ex-Vorsitzender des TSV Ippener und nun Altherrenspieler in Mörsen, oder auch dem stellvertretenden SVMS-Vorsitzenden Dietmar Wessels umgehört: Sie machen unter anderem die größere Flexibilität und die Ausbildungswünsche als Problem aus, um junge Spieler an die Vereine zu binden. Auch Ehrenamtliche seien immer schwieriger zu finden. "Wichtig ist: Wie können wir uns im Vereinsbereich so aufstellen, dass wir weiter interessant sind für alle Altersklassen?", fasst Drieling die Hauptfrage zusammen, die viele Vereine Deutschlands umtreibt. Das hat der Scharrendorfer auf einem Vorbereitungstreffen im November erfahren. Dabei tauschte er sich zum Beispiel mit Welt- und Europameisterin Annike Krahn aus. "Eine nette Kollegin", verrät Drieling, der sich über viele Kontakte freute, "die ich sonst so nicht bekommen hätte". Generell seien die Probleme der Vereine ähnlich. Doch es gebe auch Unterschiede: "In Erfurt muss ein Verein zum Beispiel die Kinder wegschicken. Er hat Trainer und Betreuer genug, aber nicht genügend Platz, um alle unterzubringen." In anderen Landesverbänden sei derweil die Wertigkeit der kleinen Vereine höher angesiedelt. Wiederum woanders werde das Ehrenamt nicht so hoch wertgeschätzt wie im Norden. "Letztendlich hat jeder Verein unterschiedliche Voraussetzungen. Das beginnt schon hier vor Ort", weiß Drieling.

Und trotzdem versuchen er und die anderen Delegierten in Kassel, Ansätze zu erarbeiten, um den Amateursport zu stärken. Drieling erhofft sich, "ein paar Ideen zu bekommen". Eine, die das Gemeinschaftsgefühl stärken und die Vereinsheime wieder mit Leben füllen soll, hat er bereits: eSports. "Das kann der Einstieg in den Verein sein", glaubt er. Generell brauche der Amateurfußball die Unterstützung der übergeordneten Strukturen. "Ich würde gern zum Schluss sagen können, dass die Landesverbände und der DFB im Rahmen der Möglichkeiten Einfluss nehmen auf die Landes- und Bundespolitik, um die Vereine zu stärken", sagt Drieling. Als langjähriger Trainer und Jugendleiter weiß er aber auch, dass die Arbeit vor Ort nicht ruhen darf. "Dass wir versuchen, alle mitzunehmen und den Spaß am Sport zu vermitteln, dass wir auf die Menschen zugehen, das kann uns niemand abnehmen." Jede Hilfe von oben ist dennoch willkommen. Schließlicht steht für Drieling fest: "Der Profifußball muss sich bewusst machen, dass es ohne den Amateurfußball nicht geht."