17. Mai 2020 / 11:17 Uhr

Vor dem Abriss nochmal BFC Dynamo gegen BSG Chemie - Corona verhindert letztes Halali

Vor dem Abriss nochmal BFC Dynamo gegen BSG Chemie - Corona verhindert letztes Halali

Britt Schlehahn
Leipziger Volkszeitung
Die Tribüne und die Flutlichtmasken geben dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ihr Gesicht.
Die Tribüne und die Flutlichtmasken geben dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ihr Gesicht. © Getty Images
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Wenn die Regionalligasaison nach Plan verlaufen wäre, hätte die BSG Chemie Leipzig am Samstag ihr letztes Auswärtsspiel bestritten, im Berliner Jahnsportpark beim BFC Dynamo. Seit Saisonbeginn hatten sich die grün-weißen Fans auf diese Partie gefreut. Nicht ohne Grund.

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Leipzig. Der 34. und letzte Spieltag der Regionalliga Nordost sah die Begegnung zwischen dem BFC Dynamo und der BSG Chemie Leipzig vor: für die Leutzscher das letzte Auswärtsspiel und für die Berliner der letzte Auftritt im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark am Mauerpark vor dessen Abriss.

Das Stadion - kurz auch Jahnsportpark genannt - ist eine legendäre Sportstätte. Einst als Exerzierplatz genutzt, übte hier seit 1904 der BFC Hertha 1892. 1912 kaufte die Stadt Berlin das Gelände und errichtete eine Sportanlage. Für die Weltfestspiele 1951 baute Rudolf Ortner schließlich das Stadion. Er hatte bis 1933 am Bauhaus studiert und ging 1951 in den Westen. Im Stadion an der Grünwalder Straße in München entstanden später nach seinen Plänen die Flutlichtanlage sowie die Ost- und Westkurve.

Zwischendurch nach Höhenschönhausen

Im Jahnsportpark wurde 1964 eine Flutlichtanlage installiert. Von 1972 bis 1991 spielte hier der DDR-Rekordmeister BFC Dynamo. 1986/87 erfolgte die Komplettsanierung. Aus der Zeit stammen die Haupttribüne in ihrer heutigen Gestalt und die Flutlichtmasten. Vor allem erstere wirkt aus der Ferne gesehen sehr modern. Die bunten Schalensitze kamen 1998 dazu. Insgesamt hebt sich das Stadion so entscheidend gegenüber den heutigen 0815-Plastefußballschüsseln ab.

Im Jahnsportpark maßen sich auch immer wieder internationale Top-Leichathleten, wie hier am 6. September 2002: Hicham El Guerrouj führt beim IAAF Golden League Meeting das Feld über die 1500 Meter der Männer an.
Im Jahnsportpark maßen sich auch immer wieder internationale Top-Leichathleten, wie hier am 6. September 2002: Hicham El Guerrouj führt beim IAAF Golden League Meeting das Feld über die 1500 Meter der Männer an. © Getty Images
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Nach der Wende zog der BFC zunächst dauerhaft um, spielte im Sportforum Hohenschönhausen, wo lange Zeit auch die Eisbären Berlin zu Hause waren und neben zahlreichen anderen Sportanlagen auch das Eisschnellaufstadion steht. Das Fußball-Stadion war 1970 fertig gestellt worden. Der Zuschauerrekord liegt noch heute bei 20.000, die sich in der Saison 1972/73 das UEFA-Pokalheimspiel des BFC gegen den FC Liverpool anschauten. Aktuell sind 11.000 Stehplätze vorhanden und 2.500 Sitzplätze – teils sogar überdacht. Laut DFB wäre das Stadion sogar drittligatauglich.

Inklusionszentrum und Stützpunkt für Behindertensport

Mit dem Aufstieg in die Regionalliga 2014/15 kehrte der BFC in den Jahnsportpark zurück, war allerdings ab 2017/18 nicht mehr alleiniger Hausherr. Denn ab diesem Zeitpunkt nutzte auch Liga-Konkurrent VSG Altglienicke das Rund. Bereits zu diesem Zeitpunkt war klar: Lange würden beide Teams nicht mehr bleiben können. Der Sprecher der Senatsverwaltung für Inneres und Sport beschrieb das Stadion im November 2019 als einen „hohlen Zahn“. Zuvor waren an den Flutlichtmasten die noch vorhandenen Leuchtmittel entfernt worden, andere waren bereits von allein nach unten gestürzt.

Die BSG Chemie war schon häufiger im Jahnsportpark zu Gast, hier im Oktober 2017. Die Leutzscher sollten eigentlich die letzte Gastmannschaft hier sein.
Die BSG Chemie war schon häufiger im Jahnsportpark zu Gast, hier im Oktober 2017. Die Leutzscher sollten eigentlich die letzte Gastmannschaft hier sein. © imago images / Matthias Koch

Im Herbst 2020 beginnt der Abriss des Stadions. Geplant sind ein Inklusionszentrum und ein Stützpunkt für Behindertensport. 20.000 Zuschauer sollen hier Platz finden – heute liegt die Kapazität bei 19.708 Plätzen. Hier sollen Leichtathletik-Titelkämpfe ebenso stattfinden wie die Deutschen Rugby-Meisterschaften, German Bowl American oder Fußballspiele. Laut Plan wäre das Stadion für die 2. Bundesliga tauglich – falls der BFC Aufstiegsambitionen hätte. Ein Sprecher der Sportverwaltung erklärte gegenüber dem SPORTBUZZER, dass der Club ab 2024 wieder einziehen kann.

In der Zwischenzeit geht es für den DDR-Serienmeister wieder nach Hohenschönhausen. Die VSG Altglienicke erwartet die Gäste zu Nichtsicherheitsspielen auf der Willi-Sänger-Spielanlage am Baumschulenweg. Für Fußballnostalgiker ist das ein ganz besonderer Ausflug. Denn die Anlage wird aktuell vom Bezirk zu einem Stadion für 3.000 Zuschauer ausgebaut. Zuerst entstehen auf der Hauptgerade 300 Sitzplätze und eine für die Regionalliga notwendige Umzäunung von 2, 20 Metern Höhe am Spielfeldrand.