10. September 2019 / 19:55 Uhr

Vor dem Champions-League-Start: VfLerin Ereleta Memeti weiß viel über Mitrovica

Vor dem Champions-League-Start: VfLerin Ereleta Memeti weiß viel über Mitrovica

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Die Kapitänin des VfL Wolfsburg II: Ereleta Memeti.
Die Kapitänin des VfL Wolfsburg II: Ereleta Memeti.
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Das Bundesliga-Team des VfL Wolfsburg bekommt es am Mittwoch (18 Uhr) in der Champions League mit dem kosovarischen Klub KFF Mitrovica zu tun. Ereleta Memeti, die Kapitänin des VfL II, kennt sich bestens mit dem Frauenfußball im Kosovo aus – sie ist Nationalspielerin des Landes.

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Am Mittwoch (18 Uhr, live auf dem Youtube-Kanal des VfL Wolfsburg) startet Frauenfußball-Bundesligist VfL Wolfsburg in die Champions-League-Saison. Im Sechzehntelfinale gastiert der deutsche Meister beim KFF Mitrovica. Der VfL flog bereits gestern los in den Kosovo. Gespielt wird in Pristina. Alles andere als ein klarer Sieg des VfL wäre eine Enttäuschung. Frauenfußball im Kosovo – die Kapitänin des VfL Wolfsburg II, Ereleta Memeti (20) weiß darüber einiges. Das Land ist die zweite Heimat der Wolfsburger Zweitligaspielerin. SPORTBUZZER-Mitarbeiterin Jasmina Schweimler sprach mit ihr.

Ist der KFF Mitrovica der Klub, der den kosovarischen Frauenfußball dominiert?

Ja. Sie sind Double-Gewinner und haben sich jetzt zum zweiten Mal für die Champions League qualifiziert. Einige Nationalspielerinnen spielen dort und natürlich haben mich einige gefragt, wie der VfL so ist. Aber was soll ich da sagen? Es wird auf jeden Fall ein schwieriges Spiel für Mitrovica. Doch sie werden ihr Bestes geben und es einfach genießen, gegen so eine starke Mannschaft zu spielen.

Sie haben Ende August in der EM-Quali beim 2:0 gegen die Türkei ihr Länderspiel-Debüt für den Kosovo gegeben. Welchen Stellenwert hat der Frauenfußball im Kosovo?

Der Frauenfußball entwickelt sich langsam. Sie haben jetzt erstmals eine Frauenfußball-Nationalmannschaft gemeldet, bis 2016 gab es das ja noch nicht so richtig. Auch in den Ligen gibt es bis jetzt nur eine Mannschaft, die wirklich dominiert. Aber man hat schon gemerkt, dass die Unterstützung da und das Interesse groß ist, es wussten viele Bescheid. Das habe ich jetzt während der EM-Quali gemerkt. Das hatte ich so nicht erwartet.

Was haben Sie denn erwartet?

Von anderen, kleinen Ländern hat man vorweg schon gehört, dass teilweise nur 300 Zuschauer dort waren. Wir hatten dementsprechend keine allzu hohen Erwartungen. Eine Seite des Stadions war auf jeden Fall voll und es war eine tolle Stimmung. Ich hatte eher damit gerechnet, dass nur die Familien da sind. Am Tag danach wurden wir direkt auf der Straße angesprochen, ob wir nicht die Mädels sind, die gestern gegen die Türkei gewonnen haben. Da haben wir uns richtig gut gefühlt.

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Frauenfussball-Bundesliga, VfL Wolfsburg - SC Sand, Saison 2019/20, 1.Spieltag Zur Galerie
Frauenfussball-Bundesliga, VfL Wolfsburg - SC Sand, Saison 2019/20, 1.Spieltag ©
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Man merkt also, dass der Frauenfußball nicht nur ein Seitenprojekt für den Verband ist.

Auf jeden Fall. Wir bekommen von allen Seiten Unterstützung. Das ist schön. Mit Aferdita Fazlija haben wir auch eine Trainerin, die viel für den Frauenfußball im Kosovo macht und ein sehr tolles Ansehen genießt. Jeder kennt sie und mein Vater hat vorweg viel von ihr erzählt. Dazu sind wir richtig gut aufgestellt. Viele kommen ebenfalls aus dem Ausland, ein paar unter anderem aus Deutschland, dazu eine aus Österreich und Island. Alle mit albanischen oder kosovarischen Wurzeln. Jede bringt ihre eigenen Stärken mit ein und wir wollen jedem beweisen, dass wir nicht nur ein kleines Land sind. Wir können auch Fußball spielen und ich traue uns in Zukunft viel zu.

Wie definieren Sie Ihre Rolle in der Nationalmannschaft?

Ich zähle mich schon zu den Führungsspielerinnen, bin eine, die antreibt. Ich musste nach meiner Ankunft auch direkt zur Pressekonferenz und für ein paar Interviews antreten. Das war ganz lustig. Ich spreche die Sprache jetzt aber nicht so fließend wie meine Eltern, also haben wir mit der Trainerin nun den Deal gemacht, dass wir die Tore schießen und sie das Reden übernimmt.

Sie haben 13 Länderspiele für deutsche U-Nationalteams absolviert. Wann kam Ihnen der Gedanke, dass sie für den Kosovo spielen möchten?

Ich hatte mehrfach Gespräche mit dem kosovarischen Verband. Die Verantwortlichen haben damals gesagt, ich soll noch für Deutschland spielen so lange es geht und dann entscheiden, für welche Nation ich spielen möchte. Im April habe ich mir die Einrichtungen im Kosovo angeschaut und es hat mich direkt dort hingezogen. Es war trotzdem eine schwere Entscheidung. Am Ende des Tages war es aber eine Herzensangelegenheit.

Haben Sie beim DFB keine Perspektive gesehen?

Es gibt natürlich keine Garantie, dass man A-Nationalspielerin in Deutschland wird. Das war schon ein Punkt, der die Entscheidung beeinflusst hat. Aber im Großen und Ganzen war das Sportliche nicht ausschlaggebend.

Svenja Huth bei ihrem Debüt für den VfL. Zur Galerie
Svenja Huth bei ihrem Debüt für den VfL. © Roland Hermstein

In welcher Verbindung stehen Sie zum Kosovo?

Meine beiden Eltern sind aus dem Kosovo. Wir sind auch noch jährlich zu Besuch, da meine halbe Familie dort wohnt. Die andere Hälfte ist damals nach Deutschland ausgewandert. Die Verbindung ist immer da.

Wie sind Sie zum Fußball gekommen?

Ich wollte eigentlich nie Fußball spielen! (lacht) Aber ich habe zwei Brüder und mein Vater wollte damals gerne, dass ich bei ihnen mit trainiere. Dann habe ich in Fichtenberg ein Training mitgemacht und sie haben direkt gesagt, ich solle bleiben. Mein kleiner Bruder spielt heute noch Fußball, mein großer hat aufgehört, da er zum Studieren nach Berlin gezogen ist. Er ist ein Jahr älter und ich habe lange mit ihm im selben Verein gespielt. Er spricht heute ganz stolz von dem, was ich erreiche.

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