14. Oktober 2021 / 08:06 Uhr

Vor Duell mit RB Leipzig: Freiburgs Goldfüßchen Grifo ist "dem lieben Gott dankbar"

Vor Duell mit RB Leipzig: Freiburgs Goldfüßchen Grifo ist "dem lieben Gott dankbar"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Am 7. Oktober wurde beim Freundschaftsspiel zwischen dem SC Freiburg und dem FC St. Pauli das neue Europapark-Stadion eingeweiht. Torschütze beim 3:0 war unter anderem Vincenzo Grifo.
Am 7. Oktober wurde beim Freundschaftsspiel zwischen dem SC Freiburg und dem FC St. Pauli das neue Europapark-Stadion eingeweiht. Torschütze beim 3:0 war unter anderem Vincenzo Grifo. © Getty Images
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Zwischen Demut und Angriffslust: SC Freiburgs Ass Vincenzo Grifo will am Sonnabend mit den Breisgauern RB Leipzig schlagen. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 28-Jährige über das neue Stadion des Vereins, seine Flexibilität und Christian Streich.

Freiburg/Leipzig. Wenn wahr ist, dass RB-Rastelli Dominik Szoboszlai, 20, einen der besten rechten Füße Europas sein Eigen nennt, darf Vincenzo Grifo, 28, im Ranking nicht fehlen. Der in Pforzheim aufgewachsene italienische Nationalspieler (sechs Länderspiele) ist seit 2012 im deutschen Profifußball unterwegs, spielte unter anderem für die TSG Hoffenheim, den FSV Frankfurt, Dynamo Dresden und Gladbach, kehrte immer wieder zum SC Freiburg und Christian Streich, 56, zurück. Goldfüßchen Grifo, 28, über Talent, Disziplin und Vorbild Ronaldo, 36, seine Beinahe-Teilnahme an der Europameisterschaft, Wohlfühlen im Breisgau und das Heimspiel im neuen Europapark-Stadion gegen RB Leipzig (Sonnabend, 15.30 Uhr). Es ist das Duell des Sensations-Vierten (15 Punkte) gegen den dürftig gestarteten Achten (zehn Punkte). Grifo hat gegen keinen anderen Verein im Profifußball häufiger gespielt. Seine RB-Bilanz: elf Spiele, zwei Siege, zwei Remis, sieben Niederlagen.

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Der SC Freiburg könnte am achten Spieltag die Tabellenführung in der Bundesliga übernehmen. Haben Sie das auf dem Schirm, Herr Grifo?

Eher weniger, unser Trainer erinnert uns jeden Tag daran, was wichtig ist. Wichtig ist jetzt das Spiel gegen RB Leipzig. Unser großes Ziel ist es, gegen die Top-Mannschaft zu gewinnen.

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Manche sehen den glänzend gestarteten SC Freiburg im Duell mit kriselnden Leipziger in der Favoritenrolle. Wie sehen Sie das?

Wir machen uns nicht kleiner als wir sind, sind aber ganz sicher nicht favorisiert.

Lastet auf RB der Fluch der guten Taten?


Die Erwartungshaltung ist nach den großen Erfolgen der letzten Jahre gewachsen. Neuer Trainer, neue Spieler, das muss sich finden. Aber eine richtige Leipziger Krise hat sich nicht bis zu uns nach Freiburg durchgesprochen.

Ihnen bleiben Zweikämpfe mit Dayot Upamecano erspart.

Er hat mir immer gut gefallen. Ein Top-Athlet, gute Präsenz, so einen Spieler ersetzt man nicht über Nacht. Aber bei RB gibt es schon andere, die ihm folgen werden. Die haben immer noch eine wahnsinnige Qualität. Wenn ich nur an Emil Forsberg denke.

In Leipzig geht die Angst vor einer Übergangssaison ohne Champions League um. Wo landet RB Ihrer Meinung nach?

Im Normalfall unter den ersten vier, fünf. Aber es gibt auch immer ein, zwei Ausreißer nach oben und unten.

Sie können auf der Zehn, als Linksaußen, Rechtsaußen und notfalls auch im Sturm spielen. Welche Position kommt Ihren Neigungen am nächsten?

In der A-Jugend war ich Zehner, meine ersten Profispiele habe ich auch als Zehner gemacht. In Freiburg komme ich meistens über die linke Seite.

Sie können dribbeln, sind dynamisch, Ihr rechter Fuß ist eine ­Waffe.

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Ich bin dem lieben Gott dankbar, dass er mir mein Talent und meinen rechten Fuß geschenkt hat. Aber nur mit Talent geht es nicht. Man muss permanent an sich arbeiten. Schauen Sie sich Ronaldo an. Dieser Mann ist auch deswegen seit vielen Jahren so gut, weil er nie aufgehört hat, stärker und besser zu werden.

Wissen Sie, was dem Fußballspieler Christian Streich zu einer Top-Karriere gefehlt hat?

Er war technisch gut, konnte das Spiel lesen, war hart im Zweikampf, aber zu langsam für ganz oben. Sagt er selbst.

Können Sie sich den Trainer Streich bei einem anderen Klub vorstellen?

Dass er vom Fachlichen her jeden Klub trainieren kann, ist für mich klar. Er versteht den Fußball, ist sehr intelligent und menschlich überragend. Wir sind froh, dass er in Freiburg ist und bleibt.

Duzen die Spieler den Trainer?

Wir dürfen ihn duzen, das macht aber keiner.

Sie sind in Ihrer Karriere immer wieder zurück zum SC und zu Streich. Was hat der Mann, was macht ihn besonders und bringt Sie zu Leistungen, die Sie anderswo eher selten gezeigt haben?

Er schenkt uns Vertrauen. Und dieses Vertrauen spürt man auch, wenn man mal auf der Bank sitzt. Er weiß, wie er jeden zu nehmen hat. Und wenn er mich mal anschreit, ist das völlig okay. Dann weiß ich, dass er sich mit mir beschäftigt und ich etwas falsch gemacht habe. Wir sind beide emotionale Typen, brauchen Emotionen, um alles abrufen zu können. In Freiburg lerne ich jeden Tag dazu, kann mich jeden Tag verbessern. Wenn ich hart arbeite.

Ist Freiburg eine Insel der Glückseligen?

Nein, bei uns herrscht wie in jedem anderen Bundesliga-Standort Leistungsdruck. Aber man geht in Freiburg immer den Freiburger Weg und anders mit Druck um, zweifelt nie am großen Ganzen. Der Klub, die Mannschaft, die Trainer, die Stadt, die Menschen, die Lebensqualität - für mich persönlich passt in Freiburg alles.

Geht Ihnen durch den Umzug von der kleinen, feinen Dreisam ins Europapark-Stadion der Heimvorteil flöten?

Null Komma null. Wir sind stolz auf unser neues Stadion. Und wir sind stolz, dass wir die Ersten sind, die darin spielen dürfen. Das bleibt für immer.

Sie standen im vorläufigen EM-Kader von Italien, rutschten kurz vor knapp durchs Raster. Wie hart im Nehmen mussten Sie im Sommer sein?

Sehr hart. Ich habe damals mit Roberto Mancini (Italiens Cheftrainer; Red.) telefoniert, er hat mir alles in sehr persönlichen Worten erklärt. Dafür war und bin ich dankbar. Ich hatte zwei Tage zu knabbern und habe mich dann mit meiner Frau und im ­Italien-Trikot vor den Fernseher gesetzt, war voll dabei und megahappy über den Titel. Wenn ich in Freiburg meine Hausaufgaben mache, wird es nicht bei meinen sechs Länderspielen bleiben.