11. März 2021 / 23:00 Uhr

Vor einem Jahr: Das erste Wolfsburg-Tor, das (fast) keiner bejubelte

Vor einem Jahr: Das erste Wolfsburg-Tor, das (fast) keiner bejubelte

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Die Ränge sind leer, der Ball geht rein: John Anthony Brooks (gr. Bild, l.) erzielte heute vor einem Jahr per Kopf Wolfsburgs erstes Geisterspiel-Tor. Dass viele weitere dazukamen, ahnte damals auch VfL-Trainer Oliver Glasner (l.) nicht.
Die Ränge sind leer, der Ball geht rein: John Anthony Brooks (gr. Bild, l.) erzielte heute vor einem Jahr per Kopf Wolfsburgs erstes Geisterspiel-Tor. Dass viele weitere dazukamen, ahnte damals auch VfL-Trainer Oliver Glasner (l.) nicht. © Darius Simka/VfL Wolfsburg
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Auf den Tag genau vor einem Jahr bestritt der VfL Wolfsburg sein erstes Geisterspiel und erzielte sein erstes Geisterspiel-Tor, das (fast) niemand bejubelt. Was damals noch kaum niemand glaubte: Es kamen noch ganz viele Geisterspiele und -tore dazu.

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Die Ecke von Maximilian Arnold segelte an die Kante des Fünfmeter-Raums, wo John Anthony Brooks gar nicht besonders hoch springen musste, um zum Kopfball anzusetzen. Über Donezk-Torwart Andrej Pjatow segelte die Kugel ins Netz, es war der Ausgleichstreffer im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League gegen Schachtar – ein VfL-Tor, das zu diesem richtig wichtig erschien. Auf den Rängen der VW-Arena aber jubelte an diesem 12. März 2020 niemand über Brooks’ Tor. Denn es war keiner da, das Stadion leer, den Jubel gab es nur auf der Bank und auf dem Feld. Was damals niemand wirklich geglaubt hätte: Es war der erste von sehr vielen Wolfsburger Treffer, über die sich auf Steh- und Sitzplätzen niemand freute.

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Ein Jahr ist das jetzt her, ein Jahr lang gibt es in Wolfsburg und anderswo Geisterspiele. „Damals haben wir alle gedacht, es wird eine kurze Phase, bis wir Corona in den Griff bekommen“, erinnert sich VfL-Trainer Oliver Glasner. „Wir haben alle gedacht, es dauert nicht lange, bis wir wieder vor Zuschauern spielen. Und auf einmal war die Saison unterbrochen...“ Und es dauerte dann mehr als zwei Monate, ehe es überhaupt weiterging - mit dem Bundesliga-Geisterspiel des VfL in Augsburg.

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Vorher, so Glasner „gab es große Fragezeichen. Wie geht’s weiter? Geht’s überhaupt weiter? Ich bin froh, dass wir die Bundesliga wieder ins Laufen bekommen haben.“ Das allerdings – bis auf wenige, kleine Ausnahmen zu Saisonbeginn – ohne Fans. Welche Auswirkungen das auf den Heimvorteil hat, haben Professor Justus Haucap von der Universität Düsseldorf und sein Mitarbeiter Kai Fischer untersucht. Ergebnis: „Die Wahrscheinlichkeit, einen Heimsieg einzufahren, ist um acht Prozent gesunken, von ungefähr 45 auf 36 Prozent“, sagte Fischer dem NDR. Das gilt im Vergleich zu den drei Saisons davor für die gesamte Bundesliga - der VfL steht etwas besser da, kommt auf 5,6 Prozent weniger Heimsiege (49,4 Prozent statt 55,0 vor Corona). „Ich denke, die Qualität der Spiele ist nach wie vor gut“, so Glasner. „Aber natürlich fehlen uns das Publikum und die Emotionen. Aber auch andersrum fehlt den Fans das Stadion-Erlebnis, sich gemeinsam zu freuen oder zu trauern.“

Interessant: Einen starken Rückgang des Heimvorteils „finden wir nur in der Ersten Liga“, wie Professor Haucap erklärt. Seine Vermutung: „In der Bundesliga ist man es gewöhnt, vor ausverkauftem Haus zu spielen. In der 2. und 3. Liga ist es nicht unüblich, dass Stadien nicht voll sind.“ Dass die Arena in Wolfsburg oft gut gefüllt, aber selten ausverkauft war, passt in dieses Bild - denn der VfL ist auch ohne Fans einer der heimstärksten Klubs, hat in dieser Spielzeit noch kein Spiel in der VW-Arena verloren.

Wie geht’s weiter? Können Fans in dieser Saison wieder ins Stadion? „Höchstwahrscheinlich nicht“, sagt VfL-Manager Jörg Schmadtke. Und auch Glasner richtet seine Hoffnungen eher auf die kommende Spielzeit: „Für mich deutet sich durch die Impfungen etwas Licht am Ende des Tunnels an, dass wir die Zuschauer zur neuen Saison Schritt für Schritt zurückgewinnen.“