27. September 2019 / 09:33 Uhr

Vor Erstliga-Spiel 1000: Sebastian Furchner blickt auf große Momente und bewegende Begegnungen

Vor Erstliga-Spiel 1000: Sebastian Furchner blickt auf große Momente und bewegende Begegnungen

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Sebastian Furchner von den Grizzlys Wolfsburg
1000 DEL-Spiele. Sebastian Furchner macht sie heute in Köln voll. © City-Press / Grizzlys Wolfsburg
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Meilenstein für das Eishockey-Oberhaus, Meilenstein für Sebastian Furchner. Der Angreifer der Grizzlys Wolfsburg bestreitet am heutigen Freitag, 27. September, in der Partie bei den Kölner Haien sein 1000. DEL-Spiel. Er erreicht diese Marke erst als fünfter Akteur überhaupt.  Die 999 Spiele zuvor boten viel Bewegendes, Begegnungen und Bemerkenswertes.

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Wolfsburg hat sportlich alles erlebt! Olympiasieger, Weltmeister, deutsche Fußball-Meister, Champions-League-Siegerinnen, sie kennt mit den Judoka Klaus Glahn und Frank Wieneke, mit Fußball-Assen wie Siggi Reich, Martina Müller oder Roy Präger viele Stars. Jetzt kommt nach außen deutlich sichtbar wieder einer dazu, der schon längst einer ist: Sebastian Furchner, Eishockey-Profi, seit 649 Partien im Einsatz für die Grizzlys Wolfsburg, absolviert heute in Köln sein 1000. DEL-Spiel. Eine Zahl für die Geschichtsbücher. Ein herausragender Torjäger ist er. Er ließ seine Arbeit sprechen. Unermüdlich rackernd, antreibend mit einem starken Schuss. Furchner – ein Sinnbild für die Stadt.

1000 Spiele – „schnell ging’s“, sagt er, während wir uns in seinem Einfamilienhaus in Heiligendorf gegenübersitzen. Er ist heimisch geworden in Wolfsburg. Als die VW-Krise begann, besorgte er sich Aufkleber mit Herzchen und VW-Aufdruck, die heute noch sein Auto zieren. Die Stadt zu repräsentieren, das ist ihm wichtig.

Im Video: Was Furchner Wolfsburg und die Grizzlys bedeuten

Sebastian Furchner vor seinem 1000. DEL-Spiel

Was Furchners wenige Trainer alle verbindet

„999 Mal das DEL-Trikot übergeschnallt, boah, das kommt einem nicht so vor“, sagt er. „Aber die letzten Jahre habe ich schon mehr eingesaugt als früher. Wenn einem bewusst wird, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, so lange dabei zu sein, dass die Karriere endlich ist, dann lebt man den Sport vielleicht mehr als mit 25, wo man denkt, man ist unbesiegbar.“
Heute ist er Wolfsburger, dabei hatte er nach einem halben Jahr die Nase voll. Ließ sich überzeugen zu bleiben und ist froh darüber.
Er hatte nicht viele Klubs. Und bis vor einem Jahr auch nicht viele Trainer. „Ich hatte nur vier vorher, dann zwei in einem Jahr. Auf die Erfahrung hätte ich verzichten können. Ich habe mal mit Torsten Ankert drüber geredet, der hatte mal vier Trainer in einem Jahr. Als ich angefangen habe, hatte ich Hans Zach, 13 Ausländer waren erlaubt, deutsche Spieler wurden eher stiefmütterlich behandelt. Ihn zu haben, war ein Glücksfall. Natürlich hast du nach jedem Wechsel eine Ansage gekriegt, aber mein älterer Mitspieler Andi Renz hat mir erklärt: ,So lange er dich anschreit, ist alles okay’. Und so war es auch. Der Hans wollte immer das Beste und das verbindet alle Trainer, die ich hatte.

Vom "Polo" lernte er Gelassenheit

Furchner berichtet: "Mein prägendster Trainer war Pavel Gross, den hatte ich zehn Jahre, über ihn sage ich immer, der holt mehr aus der Mannschaft raus, als eigentlich drin ist. Der Pavel war immer nur mit 100 Prozent zufrieden und damit auch nicht immer. Er kannte mich mit der Zeit gut, wusste genau, wie er mich ärgern kann, um noch mehr zu kriegen. Pavel konnte nur so viel Impact haben, weil auch er sich immer weiter entwickelt hat.“
Ärgern kann sich Furchner immer noch. Aber Gelassenheit lernte er unter anderem von Ex-Grizzly Aleksander Polaczek. „Der Polo gab auf dem Eis immer 120 Prozent und zwischen seinen Wechseln war er total locker. Das war auch für mich wichtig, hat mir gut getan.“

Sebastian Furchner: Rekord-Jäger des Eishockey-Erstligisten Grizzlys Wolfsburg

2008/09: Sebastian Furchner (l.) gegen Sven Butenschön (Mannheim). Es ist die erste Saison des gebürtigen Kaufbeurers in Wolfsburg. Er war gemeinsam mit seinem Kumpel Kai Hospelt von Köln zu den Grizzlys gewechselt. Er absolviert 39 Hauptrundenpartien und zehn Play-Off-Spiele, schießt dabei insgesamt 14 Tore. Zur Galerie
2008/09: Sebastian Furchner (l.) gegen Sven Butenschön (Mannheim). Es ist die erste Saison des gebürtigen Kaufbeurers in Wolfsburg. Er war gemeinsam mit seinem Kumpel Kai Hospelt von Köln zu den Grizzlys gewechselt. Er absolviert 39 Hauptrundenpartien und zehn Play-Off-Spiele, schießt dabei insgesamt 14 Tore. ©
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Freundschaften und schwere Momente

Kai Hospelt wurde sein bester Freund („Der Hospi hat viel abgekriegt, wenn ich sauer war“), Tyler Haskins zählt zu seinen All-Time-Heroes („Drei, vier Jahre haben wir für richtig Wirbel gesorgt, mit Swifty war meine produktivste Zeit“). Als Hospelt ging, sich Wege nach elf Jahren im gleichen Team trennten – „das tat weh. Genau wie, als ich wusste, dass Swifty aufhört, ich es erst einmal keinem sagen durfte.“ Sportlich schwere Momente. Noch schwerer wogen der Tod von Ex-Mitspieler Robert Müller und der von Coach Toni Krinner.

"Solche Jungs wie Wurmi - Wahnsinn"

Doch immer wieder sah sich Furchner auch aufgefangen „von einer guten Mannschaft“. Typen wie „Haskins, der Polo, Axel Alaavara, Renzi und viele mehr“ hätten es ausgemacht. „Spieler, die enorm wichtig waren, zwischenmenschlich und mehr. Nehmen wir Beans, Robbie Bina, der redete nicht viel. Aber wenn ich sehe, wie er gespielt hat – ,Hut ab’. In Schwenningen hat er mit gebrochenem Fuß gespielt, wollte sich in der ersten Pause eine Spritze abholen, zog die Schuhe aus, konnte kaum laufen. ,Beans, hör’ auf’, haben wir gesagt. Hätte ihn keiner gestoppt, er hätte weitergespielt. Armin Wurm köpfte mal gegen Nürnberg den Puck weg, wo es ein sicheres Tor zu sein schien. Vom Siegtor wird später geredet. Aber ohne Wurmi hätte die ganze Serie kippen können. Solche Jungs – Wahnsinn.“

Große Spieler, die Furchner beeindrucken

Unangenehme Gegenspieler lernte Furchner einige kennen. Er kümmerte sich nicht zu sehr drum. "Wenn mich aufs Korn genommen haben, habe ich versucht, das zu meinem Vorteil zu nutzen. Ich habe versucht, mein Spiel zu spielen. Je mehr die sich auf mich konzentriert haben, desto mehr haben sie ihr eigenes Spiel verloren." Mehr beeindruckt haben ihn andere. "Nürnbergs Steven Reinprecht hat mir imponiert. Einer der ganz Großen, die die Liga hatte. Aber auch viele Deutsche. Daniel Pietta, der über zehn Jahre in Krefeld wahnsinnig stark ist. Münchens Yannic Seidenberg, der in den letzten Jahre immer stärker wird. Nürnbergs Patrick Reimer, den ich noch aus Kaufbeurens Jugend kenne. Das sind große Spieler. Und Mannheims David Wolf. Der ist eigentlich mein Liebblingsspieler. Was der abreißen kann, einfach stark. Oder Alex Barta, der Düsseldorfer. Der kommt aus einer richtig schlechten Saison, sagt: ,Ich hatte mich schlecht vorbereitet, mein Fehler, nächstes Jahre komme ich' - und dann beweist er es, spielt zwei Klasse-Jahre. Das sind so Spieler, wo ich sage, richtig gut."

Was NHL-Star Dan McGillis ihm sagte

Furchner hatte unendlich viele Gegner in 1000 Spielen, viele Begegnungen blieben haften, eine aus seinen ersten DEL-Jahren prägte ihn. "Dan McGillis, Mannheim, mein letztes Jahr in Köln, ein taffer Verteidiger mit über 600 NHL-Spiele. McGillis kam immer gegen meine Reihe, in einer intensiven Serie, wo dieses ewig lange Rekordspiel dabei war. Nach der Serie, in der ich , glaube ich, viermal getroffen habe, hat er bei der Veranbschiedung zu mir gesagt: ,Das war ne richtig starke Serie von dir, das war ne richtige Challenge, gegen dich zu spielen'. Das hat mir total imponiert, dass so ein toller Spieler die Klasse hat, nach einer verlorenen Serie seinem Gegner zu sagen, ,das hat Spaß gemacht, gratuliere, dass ihr weiter seid'. Sportliche und menschliche Klasse, das habe ich immer in meinem Kopf, diese Begegnung mit Dan McGillis."

Leidenschaft und Liebe

Andere in den Vordergrund – das ist Furchner. Heute muss er ins Rampenlicht. Sein Vater „sammelt jeden Zeitungsartikel über mich, seit dem ersten Tag, an dem ich auf dem Eis stand“, erzählt Furchner. Gern schaut er die Ausschnitte durch. Die vielen Erinnerungen. Sein erstes Länderspiel, Olympia („Gänsehautmoment, leider im ersten Spiel gleich verletzt“), die Derbys mit Köln an der Brehmstraße – „zwei Stunden vor dem Spiel warten 2000 vor dem Einlass, und darauf, dass man uns beschimpfen kann. In Schwenningen mit Wolfsburg, die Bierbecher flogen, in Augsburg das Stadion so voll, dass man nur Köpfe sieht“ – Furchners Augen blitzen. „Wenn die Stimmung sportlich-hitzig ist, dann ist es super. Wenn die Luft brennt. Und hinterher Shakehands und gut ist es – das ist für mich Eishockey!“ Er erzählt von 999 Spielen und in seinem linken Augenwinkel sitzt eine Träne. Längst ist klar, was es für 1000 Spiele im Eishockey auch braucht: Leidenschaft. Und Liebe.

Mehr über Sebastian Furchner
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