19. April 2021 / 08:18 Uhr

Vor Gastspiel in Köln: RB Leipzigs Nagelsmann im medialen Schwitzkasten

Vor Gastspiel in Köln: RB Leipzigs Nagelsmann im medialen Schwitzkasten

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Mittendrin im Trainer-Domino: Hansi Flick und Julian Nagelsmann.
Mittendrin im Trainer-Domino: Hansi Flick und Julian Nagelsmann. © dpa
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Es könnte alles so einfach sein. Ist es aber nicht. Hansi Flick hat beim FC Bayern München die Flucht (nach vorn) angetreten und plötzlich richten sich ganz viele Augen Richtung RB Leipzig und Julian Nagelsmann. Der verweist tapfer weiter auf seinen laufenden Vertrag ohne Ausstiegsklausel, spricht aber nicht den einen Satz, den die RB-Fans und Journalisten hören wollen.

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Leipzig. In der weltbewegenden Causa Hansi Flick, Hasan Salihamidzic, Julian Nagelsmann und Co. könnte alles so einfach sein und die Leipziger Ängste um ihren Cheftrainer auf einen Schlag beenden. Beispielsweise via Abbitte der Bayern-Bosse, die man sich ungefähr dergestalt vorzustellen hat: „Wir haben unseren Cheftrainer Hansi Flick heute um Entschuldigung wegen der Unannehmlichkeiten mit Hasan Salihamidzic gebeten, ihm als Wiedergutmachung eine Lederhose aus Hirschleder mit Geweih, Seiteneingriff und den Unterschriften von Oli Kahn und Kalle Rummenigge überreicht. Gleichzeitig haben wir Sportvorstand Salihamidzic angewiesen, die Humphrey-Bogart-Weste auszuziehen und ihn zum Chefscout unserer U23 gemacht. Hansi Flick hat daraufhin vor Freude geweint und seinen Vertrag beim FC Bayern München bis zum 30. Juni 2027 verlängert. Wir Bayern halten demnach fest:

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  • Erstens: Oliver Bierhoff muss sich einen anderen suchen, der seinen Laden ausmistet.
  • Zweitens: Wir werden hämische Berichterstattungen über unsere verhunzte Kader-Planung und desaströse Außendarstellung nicht mehr hinnehmen.
  • Drittens: Die Würde des Hansi bleibt unantastbar.
  • Viertens: Unsere ebenfalls.
  • Fünftens: Wir haben nie auch nur eine Sekunde über Leipzigs Übungsleiter Julian Nagelsmann nachgedacht.
  • Sechstens: Jedenfalls fast nie.
  • Gezeichnet: Die Chefetage, nach Diktat und Brotzeit mit Weißbier/Almdudler/Zigarre verreist.“
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Nicht die erhofften Worte

Weil ein derartiges Statement von der Säbener Straße (noch) nicht unterwegs ist, könnte an anderer wichtiger Stelle Frieden gestiftet werden. Von Julian Nagelsmann höchstselbst, der Nummer eins auf der Besetzungsliste der Mir-san-mir-und-spitz-auf-Julian-Fraktion. Der weltweit umworbene Übungsleiter hätte sich im Vorfeld der Leipziger Partie in Köln (Dienstag, 18.30 Uhr) hinstellen und beispielsweise dies sagen können: „Ich bin und bleibe Trainer von RB Leipzig, sitze definitiv in der kommenden Saison auf der RB-Bank, komme, wer und was wolle. Niemand hat die Absicht, zu gehen. Ich liebe euch doch alle, verdiene hier einen A… voll Geld und würde mich im Leben nicht wagen, Oliver Mintzlaff um Vertragsauflösung zu bitten. Oliver kann sehr böse gucken und werden. Meine Zeit bei Bayern oder Real kommt noch. Ich bin 33, nicht 103.“

Nagelsmann ließ geringfügig anderes verlauten, erinnerte an seine Worte, die er vorm 0:0 gegen Hoffenheim in Sachen möglicher Bayern-Avancen, gepackter Koffer und kurzer Wege zur Säbener gewählt hatte. „Es gibt, so leid mir das tut, keinen neuen Stand zur letzten Pressekonferenz. Es gibt nichts Neues. Demnach können wir uns ganz auf den 1. FC Köln fokussieren.“

Keinen "Krieg mit dem Arbeitgeber" anfangen

Die auf den Topf gesetzten Journalisten stiegen runter vom Topf und gingen ins Gegen-Pressing. Würden Sie, Herr Nagelsmann, denn wechseln würden wollen, wenn Sie von diesem Wunsch des FC Bayern erführen? „Es gibt und gab keine Gespräche und auch kein Angebot. Zu dem Wunsch kann ich nichts sagen, da müssen sie bei Bayern nachfragen. Ich finde es nicht den richtigen Weg, sich als Trainer wichtiger zu machen als man ist. Ich kann mich hier nicht hinsetzen und sagen, dass ich mit Lena Gercke Schluss mache, weil ich mit der nie zusammen war. Es war nix und ist nix.“ Nagelsmanns Kumpel Sami Khedira war mal mit Frau Gercke zusammen. Das aber nur der Vollständigkeit und der Erklärung des Nagelsmannschen Gleichnisses halber.

Über all das, was berichtet und angenommen wird, könne er sich „besonders in einer englischen Woche keine Gedanken machen. Meine Aufgabe ist es, das Köln-Spiel vorzubereiten.“ Und schließlich und nahezu endlich: „Es ist nach wie vor so, dass ich keinen Krieg mit meinem Arbeitgeber anfangen werde.“

Fast schon zum Nebenkriegsschauplatz verkommen: Der rollende Ball inmitten tobender Kämpfe um Deutungshoheiten. Nagelsmann räumte ein, dass der Bankplatz für Alexander Sörloth gegen Hoffenheim doch keine so gute Idee war und gelobte Besserung. „Ich habe vor, ihn wieder spielen zu lassen.”

Na dann.