20. Februar 2021 / 09:23 Uhr

Olympiasieger Croy tippt auf Zwickau-Sieg im Sachsenderby gegen Dynamo Dresden

Olympiasieger Croy tippt auf Zwickau-Sieg im Sachsenderby gegen Dynamo Dresden

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jürgen Croy 1974 beim Jubel nach dem Sieg über die BRD (li.) und heute (re.). Er tippt für das Sachsenderby gegen Dynamo Dresden einen Sieg für die Zwickauer.
Jürgen Croy 1974 beim Jubel nach dem Sieg über die BRD (li.) und heute (re.). Er tippt für das Sachsenderby gegen Dynamo Dresden einen Sieg für die Zwickauer. © dpa-Zentralbild
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Jürgen Croy hat sich einige heiße Duelle mit Dynamo Dresden geliefert. Gespannt blickt die Zwickauer Torwart-Legende auf das Spiel heute.

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Zwickau. Für Jürgen Croy ist das Sachsenduell zwischen dem FSV Zwickau und Dynamo Dresden ein Pflichttermin. „Ich werde mir diesen Ost-Klassiker selbstverständlich im Fernsehen anschauen“, sagt die DDR-Torwartlegende im Gespräch. Und der 74-Jährige macht keinen Hehl daraus, wem er heute mehr den Sieg gönnt: „Dynamo verdient es, mit seinem fußballverrückten Umfeld und seiner tollen Fan-szene schnellstmöglich in die zweite Bundesliga zurückzukehren. Aber für das direkte Duell hoffe ich, dass der FSV nach dem Hinspiel auch das Rückspiel gewinnt. Ich tippe auf ein 2:1.“

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„Solche Aktionen tun dem Sport gerade in diesen Zeiten sehr gut“

Für Croy hat Zwickau schon als Aktiver stets die Hauptrolle gespielt. Für die BSG Motor und Sachsenring Zwickau bestritt er alle 372 Pflichtspiele. „Ich habe immer die Auffassung vertreten, an dem Ort seinen Beruf auszuüben, wo die Familie zu Hause ist und wo man sich wohl fühlt“, erklärt Croy. Den Versuchen der DDR-Verbandsspitze, den damaligen Weltklasse-Schlussmann zu Spitzenvereinen nach Leipzig oder Dresden zu locken, widerstand der 94-fache Nationalspieler: „Dabei war es für mich nie entscheidend, ein paar Mark mehr zu verdienen. Die Nähe zu den Anhängern war mir wichtiger.“

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Der Name Croy stand neben Bodenständigkeit vor allem für Erfolg. Besonders gern denkt der Zwickauer heute immer noch an seine sportlichen Höhepunkte zurück. Dazu zählt unter anderem der Sieg im dramatischen FDGB-Pokalendspiel 1975 gegen Dynamo Dresden, als die Torwart-Legende im Elfmeterschießen zwei Dresdner Schüsse abwehrte und den Siegtreffer zum 4:3 selbst erzielte. Auch die Teilnahme an der WM 1974 mit dem legendären 1:0-Erfolg über die BRD, der Olympiasieg 1976 in Montreal oder das Halbfinale im Europapokal der Pokalsieger 1976 gegen den späteren Cupsieger RSC Anderlecht bleiben für Croy unvergessen.

Vom einstigen Glanz ist nach der Wende in Fußball-Zwickau nicht mehr viel übrig geblieben. Dass die Anhänger ihren Verein in der Nachwendezeit durch alle Tiefen bis in die Landesliga begleitet haben und dem FSV treu geblieben sind, imponiert Croy genauso wie die Freundschaft, die sich mit der Dresdner Fanszene entwickelt hat. Für das heutige Duell wurden bereits mehr als 15 000 „Geistertickets“ verkauft. Beide Clubs haben die Aktion beworben, zehn Prozent der Einnahmen will der FSV an Dynamo weiterreichen. „Solche Aktionen tun dem Sport gerade in diesen Zeiten sehr gut“, meint Croy.

„Ich bin Amateur-Golfer“

Der Ehrenbürger Zwickaus ist froh darüber, dass sich der FSV nach vielen Jahren der Tristesse seit dem Aufstieg 2016 in der 3. Liga etablieren konnte. Einen großen Anteil an der positiven sportlichen Entwicklung hat nach Meinung von Croy vor allem Schlussmann Johannes Brinkies. „Ein fantastischer Torhüter“, schwärmt der dreimalige „DDR-Fußballer des Jahres“ (1972, 1976, 1978) vom ehemaligen Rostocker Brinkies. „Es macht einfach Spaß, ihm zuzuschauen. Er ist auf der Linie überragend, dazu kann er die Mannschaft von hinten lautstark führen und dirigieren.“

Wenn Croy die Berichterstattung über das heutige Torhüter-Spiel verfolgt, muss er hin und wieder schmunzeln: „Ein guter Torwart musste auch schon zu meiner aktiven Zeit seinen Strafraum verlassen, um quasi als Libero das Spiel mit aufzubauen.“ Dennoch gibt es auch Unterschiede zu damals: „Die neuen Bälle machen es den Torhütern schwerer. Damals haben die Bälle noch nicht so sehr geflattert.“

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Eine Spielszene aus dem DDR-Oberliga-Punktspiel Sachsenring Zwickau gegen Lok Leipzig im Dezember 1978 im Georgi-Dimitroff-Stadion Zur Galerie
Eine Spielszene aus dem DDR-Oberliga-Punktspiel Sachsenring Zwickau gegen Lok Leipzig im Dezember 1978 im Georgi-Dimitroff-Stadion ©

Als Rentner ist Croy heute immer noch regelmäßig am Ball. Allerdings ist das Spielgerät kleiner und aus Kunststoff. „Ich bin Amateur-Golfer. Wenn die Corona-Pandemie vorüber und das Wetter wieder besser wird, freue ich mich schon auf die Teilnahme an kleineren Turnieren“, sagt der Zwickauer. Doch heute gilt seine Aufmerksamkeit dem Derby zwischen Zwickau und Dynamo. S. Wutzler