21. Januar 2022 / 05:30 Uhr

Vor Spektakel-Rennen in Kitzbühel: Ski-Ass Beat Feuz über Risiko, Reiz und Relevanz der Streif

Vor Spektakel-Rennen in Kitzbühel: Ski-Ass Beat Feuz über Risiko, Reiz und Relevanz der Streif

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Beat Feuz will den nächsten Sieg auf der Streif einfahren.
Beat Feuz will den nächsten Sieg auf der Streif einfahren. © IMAGO/Schiffmann
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Der Schweizer Skirennfahrer Beat Feuz ist absoluter Streif-Experte und der Doppelsieger des vergangenen Jahres. Im SPORTBUZZER-Interview erklärt Feuz, warum für ihn der Sieg in Kitzbühel mehr wert ist als Olympiagold und warum das Spektakel rund um das Rennen sein muss.

An diesem Freitag (11 Uhr, ARD und Eurosport) findet im österreichischen Kitzbühel das erste der prestigeträchtigen Rennen auf der Streif statt. Im Interview mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland, spricht Vorjahressieger Beat Feuz über den Reiz und die Risiken der bedeutendsten alpinen Skipiste der Welt. Im Vorjahr gewann der 34-jährige Schweizer erstmals die Abfahrt auf der weltberühmten Streif.

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SPORTBUZZER: Beat Feuz, was verleitet jemanden dazu, sich in Höchsttempo rasante Hänge wie in Kitzbühel hinunterzustürzen?

Beat Feuz (34): Das sind Sachen, die sich über Jahre hinweg entwickeln. Man denkt sich ja nicht mit 25 auf einmal, jetzt möchte ich mal die Streif hinunterfahren. Als junger Bursche denkt man schon, dass man Skirennfahrer werden möchte.

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Rennen wie auf der Streif erfordern jedoch Risikobereitschaft.

Skifahren ist definitiv Risiko, die Streif doppeltes Risiko. Im normalen Leben würde ich eher sagen, dass ich nicht unbedingt der Riesendraufgänger bin. Das beschränkt sich bei mir eher auf die Skipiste.

Sie hatten sich im vergangenen Jahr für eine Entschärfung des Zielsprungs eingesetzt, nachdem Ihr Landsmann Urs Kryenbühl schwer gestürzt war. Wie schwer fällt es Ihnen, solche Erlebnisse abzuhaken?

Das löst etwas aus, gerade bei solchen Vorfällen wie im vergangenen Jahr bei Urs, als ich live im Ziel stand. Das geht einem sehr nahe. Ich habe schon andere Stürze erlebt, etwa den von Daniel Albrecht (zog sich 2009 in Kitzbühel ein Schädel-Hirn-Trauma zu, Anm. d. Red.). Es braucht Zeit, bis man das verdaut hat.

"Das Spektakel wollen wir ja auch"

Würden Sie sich immer noch wünschen, dass das Rennen etwas unspektakulärer gestaltet würde?

Ja und nein. Spektakel soll ja sein. Wir wissen, dass es das auch braucht. Wir wissen eigentlich auch, wo die Limits sind. Aber ab und zu brennen einem die Sicherungen ein wenig durch, dann geht man über das Limit hinaus. Unspektakulär sollte und darf es auch nicht werden. Aber es muss mit Maß und Ziel sein. Viele haben gesagt, früher ist der Zielsprung auch weit gegangen. Ja, ab und zu mal. Aber es war nicht Standard. So weit wie wir im vergangenen Jahr gesprungen sind, so weit war es selten. Ansonsten ist die Strecke aber schon oft befahren worden. Und das Spektakel wollen wir ja auch.


Inwieweit macht genau das den Reiz für die Athleten aus?

Jeder Athlet ist am Start in Kitzbühel nervöser, jeder Athlet weiß, dass es dort um so viel geht wie sonst eigentlich die ganze Saison nicht. Das ist letztlich der Reiz des Skisports. Das ist so, als wenn ein Fußballer die Europameisterschaft gewinnt. Die Weltmeisterschaft sind dann vielleicht die Olympischen Spiele. Kitzbühel ist dabei wie ein Finale.

"In dem Moment, in dem ich Kitzbühel gewonnen habe, war es für mich mehr wert als ein Olympiasieg"

Sie galten nach vier zweiten Plätzen auf der Streif schon als ewiger Zweiter für dieses Rennen. Welchen Stellenwert hat da Ihr Doppelsieg aus dem vergangenen Jahr?

Es ist schlussendlich das Rennen, mit Wengen zusammen. Aber auch das ganze Drumherum mit den Medien – das gibt es sonst nirgends im Weltcup. Das ist das Höchste in jedem Jahr. Ich stelle es sogar fast über die Großevents. So viel Präsenz wie dort gibt es sonst eigentlich nie.

Auch nicht bei Olympischen Spielen?

Kitzbühel ist jedes Jahr, Olympia nur alle vier Jahre. Deswegen kann man das nicht eins zu eins vergleichen. Aber in dem Moment, in dem ich Kitzbühel gewonnen habe, war es für mich mehr wert als ein Olympiasieg.