13. September 2019 / 19:01 Uhr

Vor zehn Jahren: Reckenziner Abenteuer auf Landesebene

Vor zehn Jahren: Reckenziner Abenteuer auf Landesebene

Stefan Peglow
Märkische Allgemeine Zeitung
Im Prignitzderby der Reckenziner gegen die Weisener wurden die Torjäger beider Teams, wie Reckenzins Benny Jerichow, erfolgreich abgemeldet und die Begegnung endete torlos.
Im Prignitzderby der Reckenziner gegen die Weisener wurden die Torjäger beider Teams, wie Reckenzins Benny Jerichow, erfolgreich abgemeldet und die Begegnung endete torlos. © Stefan Peglow
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Landesklasse West 2009/10: Der Reckenziner SV fährt ohne Trikots und Trainingsbälle nach Schenkenberg und landet seinen ersten Auswärtssieg.

In der Saison 2009/10 startete der Reckenziner SV sein Unternehmen Landesklasse. Im September 2009 nahmen die Fußballer des kleinen Prignitzer Dorfvereins unter anderem mit den Prignitz-Derbys gegen Eiche 05 Weisen und Einheit Perleberg Fahrt auf. Beide Partien standen auf gutem fußballerischen Niveau und waren gut besucht. „Na klar, da spielte ja auch die stärkste Männermannschaft, die wir jemals hatten. Leider sind wir damals zu spät angekommen in der Landesklasse, haben erst in der zweiten Halbserie mitgehalten“, erinnert sich Vereinschef Klaus-Dieter Walz mit einem lachenden und einem weinenden Auge an das einjährige Gastspiel des kleinen Dorfvereins in der 8. Liga. „Es war ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte.“

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„Ja, das war eine schöne Zeit“, bestätigt Kenny Stibbe, damals der Mittelfeldmotor im RSV-Team. „Für uns eine riesen Erfahrung, ein riesen Lerneffekt. Wir hatten viel Spaß auf Landesebene. Fast schon zu viel Spaß. Denn Trainingsdisziplin hatten wir keine“, erzählt Stibbe schmunzelnd. Seine Mannschaft war unglücklich in die Saison 2009/10 gestartet. In der Landespokalvorrunde beim SV Blumenthal/Grabow gewann sie zwar in der Verlängerung, hatte aber gleich drei Verletzte zu beklagen. „Das waren mein Bruder Christian, Heino Kraatz – der als Sechser eine Bestandsgröße war – und ich. Heino hat nie wieder gespielt. Ich konnte nach ein paar Spielen wieder einsteigen, mein Bruder ab der Rückrunde. Dann riss auch bei ihm das Kreuzband“, erinnert sich Kenny Stibbe an die unschönen Seiten der Spielzeit vor zehn Jahren. „Schnell merkten wir, mit unserem dünnen Kader wird das ganz schwierig.“

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Die Brandenburger "Bilder der Woche" der Saison 2019/20. ©

Im ersten Punktspiel gegen Hansa Wittstock zahlte der RSV weiteres Lehrgeld und verlor 1:4. Es folgten noch empfindlichere Niederlagen. „Teilweise kassierten wir sieben oder acht Dinger“, berichtet Martin Schmidt, heute Spieler-Trainer der Reckenziner. Eine Partie blieb ihm in besonderer Erinnerung: „Ich weiß noch, wir hatten eine Hand voll Fans und genug Getränke für die Rückfahrt im Bus dabei. Als wir in Schenkenberg ankamen, war die Stimmung auf dem Höhepunkt!“ „Wir kamen da zehn Minuten vor dem Anpfiff an, ohne Trainingsbälle, ohne Trikots“, ergänzt Kenny Stibbe kopfschüttelnd. Und Schmidt: „Wir bekamen dann netterweise Trikots von den Schenkenbergern, die gleich aufs Tor drückten und 1:0 in Führung gingen. Wir dachten, wir bekämen wieder eine schöne Schlappe, haben das Ding aber noch 2:1 gewonnen! Wir gaben die Trikots ab, stellten Empor eine Kiste Bier hin und hatten eine geile Heimreise.“

Der „Teamspirit“ stehe im Verein nach wie vor im Vordergrund. Nach Saisonende sei man damals zu der Selbsteinschätzung gekommen, auf Kreisebene ein super Verein zu sein. „Der damals schon fast seines Gleichen gesucht hat. Dann: Strömungsabriss. Ich bin nach Malaysia gegangen, Christoph Neumann, Benny und Christian Jerichow wechselten zum Mecklenburger Landesligisten Blau-Weiß Polz.“

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Martin Schmidt: "Wir haben den Turnaround geschafft"

In der Kreisoberliga spielten die Reckenziner in den zurückliegenden Jahren eine gute Rolle. Benny Jerichow und Christoph Neumann kehrten zurück. Dennoch zog sich die Mannschaft im Sommer 2019 freiwillig aus der Kreisoberliga zurück. „Der Schritt in die Kreisliga war notwendig, um den Generationswechsel zu vollziehen. Eine Latte gut ausgebildeter Fußballer wird künftig nicht mehr spielen, darunter ich“, informiert Stibbe. Der „starke Jahrgang 87/88“ wird schwer zu ersetzen sein. Da freut es Vereinschef Walz, dass Trainer Martin Schmidt „einen guten Job“ macht. Und der Coach selbst meint:„Ich denke, Reckenzin wird nicht untergehen! Wir haben den Turnaround geschafft. Die junge Garde hält zur Stange. Wir trainieren mittwochs und freitags, auch mal mit 16 Leuten. Das haben wir in den letzten Jahren nie geschafft. Es sind alle motiviert und haben Spaß.“ Schmidt schickt regelmäßig eine gesunde Mischung aus Jung und Alt auf den Platz. „Darunter immer drei ganz junge Spieler, für mindestens eine Halbzeit.“ So versuche er auch die Quereinsteiger langsam an den Fußball im Männerbereich heranzuführen.

Auch Kenny Stibbe ist optimistisch: „Die Jungs erinnern mich an uns. Die feiern zusammen, haben ihre Moped-Gang und streiten sich um die gleichen Mädels – so wie wir damals. Und wir bereiten ihnen den Weg, so gut wir können. Mit ihnen sind wir für die nächsten fünf Jahre gut aufgestellt. Parallel fangen wir wieder mit der Jugendarbeit an, damit wir selbst auch noch im Rentenalter schönen Fußball in Reckenzin gucken können.“

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