04. August 2022 / 09:24 Uhr

Vorbelastet ins zweite Jahr: Warum Trainer Nagelsmann beim FC Bayern unter Druck steht

Vorbelastet ins zweite Jahr: Warum Trainer Nagelsmann beim FC Bayern unter Druck steht

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bayern-Trainer Julian Nagelsmann (Mitte) steht, insbesondere nach den Verpflichtungen von Matthijs de Ligt, Ryan Gravenberch, Sadio Mané und Noussair Mazraoui (v.l.), unter Druck.
Bayern-Trainer Julian Nagelsmann (Mitte) steht, insbesondere nach den Verpflichtungen von Matthijs de Ligt, Ryan Gravenberch, Sadio Mané und Noussair Mazraoui (v.l.), unter Druck. © IMAGO/Michael Weber, Laci Perenyi, Ulrich Wagner, Picture Point LE (Montage)
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Vor dem zweiten Amtsjahr von Trainer Julian Nagelsmann hat der FC Bayern München auf dem Transfermarkt kräftig investiert. Das Ziel ist klar: Mit Sadio Mané, Matthijs de Ligt sollen mehr Titel her als "nur" die Meisterschaft.

Während zig andere Vereine "nie deutscher Meister" werden, wie die Fußballfans gerne singen, musste der FC Bayern München eine "Nur-deutscher-Meister-Saison" verkraften. Der rätselhafte Absturz nach der Winterpause mit lediglich Platz vier in der Bundesliga-Rückrundentabelle kratzte am Image von Wunschtrainer Julian Nagelsmann. In den Pokalwettbewerben versagten die Bayern, scheiterten in der zweiten DFB-Pokal-Runde bei Borussia Mönchengladbach (0:5) und im Champions-League-Viertelfinale als haushoher Favorit gegen den FC Villarreal.

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Heute kann man feststellen: Villarreal war die Initialzündung für eine bemerkenswerte Shoppingtour wie zuletzt 2007, als der FCB die Champions League verpasst hatte. Die Pleite gegen den spanischen Underdog hat den Bossen die Augen geöffnet – und neuen Ehrgeiz entfacht, vor allem den des umtriebigen und geschickt agierenden Sportvorstands Hasan Salihamidzic. Aus Wut wurde Mut. Stürmer Sadio Mané vom FC Liverpool, der als neuer Abwehrchef auserkorene Matthijs de Ligt (Juventus Turin), Angriffstalent Mathys Tel aus Rennes sowie die beiden Ajax-Profis Ryan Gravenberch und Noussair Mazraoui (ablösefrei) kosteten 137,5 Millionen Euro Ablöse, aufgrund möglicher Bonuszahlungen könnten es sogar 170,5 Millionen werden.

Bayern-Boss Kahn nimmt den Trainer in die Pflicht

Mit diesem gepimpten Kader setzt sich Bayern höhere Saisonziele, erwartet mehr als nur die Meisterschaft. Vorstandsboss Oliver Kahn hat vor dem Bundesliga-Auftakt bei Europa-League-Sieger Eintracht Frankfurt am Freitag (20.30 Uhr, Sat.1 und live bei WOW TV sehen [Anzeige]) den Druck auf seinen Chefcoach erhöht: "Wir sind beim FC Bayern zum Erfolg verdammt, das weiß er auch." Das Saisonziel sei es, "im Idealfall die Champions League zu gewinnen". Salihamidzic hat geliefert, nun ist Nagelsmann dran.

Der 35-Jährige geht vorbelastet in sein zweites von fünf Vertragsjahren. Zuletzt wurden Carlo Ancelotti (September 2017) und Niko Kovac (November 2019) in ihrer jeweils zweiten Saison entlassen. Selbst Hansi Flick, in seiner Debütsaison Triple-Champion, scheiterte im zweiten Jahr aus sportlichen (nur Meister) und atmosphärischen Gründen (Dauerzoff mit Salihamidzic), kündigte seinen Vertrag und wurde im Herbst 2021 Nationalcoach.

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Trotz Lewandowski-Abgang: Qual der Wahl für Nagelsmann

Nagelsmann hat nun die Qual der Wahl, allein bei der – trotz des Abgangs von Weltfußballer Robert Lewandowski zum FC Barcelona – immensen Offensivvielfalt um Mané, Ur-Bayer Thomas Müller, Serge Gnabry, Kingsley Coman, Leroy Sané und Megatalent Jamal Musiala. "Das zu moderieren ist eine große Aufgabe", ahnt Salihamidzic. Der Auftakt im Supercup mit dem 5:3 gegen Pokalsieger RB Leipzig gelang schon mal furios.

Dennoch bleibt für Nagelsmann eine Menge Druck. "Den mache ich mir immer selbst. Ich will maximal erfolgreichen Fußball spielen", sagte er gelassen. Den Druck von außen spüre er nicht, der sei ihm "relativ piepegal". Angesichts all der Expertenzweifel gibt er die Lockerheit in Person: "Ich weiß gar nicht, wovor die mich alle warnen. Irgendwie gibt es wohl apokalyptische Züge. Ein wilder Sturm zieht auf, den ich noch nicht gesehen habe." Es liegt an ihm. Nagelsmann muss vor allem die schwächelnde Abwehr (mit de Ligt für den zum BVB abgewanderten Niklas Süle) in den Griff bekommen. Ob Manuel Neuer am Freitag das Tor hüten kann, steht noch nicht fest: Er fehlte beim Mittwochstraining wegen Magen-Darm-Problemen.

Prognose des Autors: Im Mai erschien es tatsächlich realistisch, dass der FC Bayern nicht erneut Meister wird. Doch dann kam die bemerkenswerte Transferoffensive mit Mané und de Ligt. Trotz des Lewandows­ki-Abgangs ist der Kader besser und breiter aufgestellt. Ergo: Zum elften Mal hintereinander geht die Schale nach München.

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