01. Oktober 2021 / 12:52 Uhr

Nach Vorfall bei Union-Spiel: Ruf nach Konsequenzen gegen Antisemitismus

Nach Vorfall bei Union-Spiel: Ruf nach Konsequenzen gegen Antisemitismus

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Fans von Maccabi Haifa waren gern gesehene Gäste im Olympiastadion - aber nicht von allen.
Die Fans von Maccabi Haifa waren gern gesehene Gäste im Olympiastadion - aber nicht von allen. © AP Photo/Michael Sohn
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Die Anschuldigungen wiegen schwer. Fans von Union Berlin sollen israelische Fußball-Anhänger von Maccabi Haifa im Berliner Olympiastadion antisemitisch beleidigt haben. Forderungen nach Konsequenzen werden laut. Verein, Polizei und die Uefa beschäftigen sich mit den Ereignissen.

Nach dem Vorwurf der Verunglimpfung von Haifa-Fans durch Anhänger des 1. FC Union Berlin hat das Jugend Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft ein klares Vorgehen gegen antisemitische Vorfälle in Fußball-Stadien gefordert. „Vielen Dank für die Welle der Solidarität online und an die Union-Fans, die sich im Stadion mit uns solidarisiert haben! Der Großteil der Unioner hat Maccabi freundschaftlich empfangen und mit ihnen den Fußball gefeiert. Wir erwarten aber auch, dass gegen #Antisemitismus im Stadion konsequent vorgegangen wird, damit dies auch weiterhin möglich ist. Für diskriminierungsfreien Fußball!“, teilte die Organisation am Freitag bei Twitter mit.

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Nach dem 3:0-Sieg des Berliner Fußball-Bundesligisten in der Conference League im Olympiastadion hatte das Jugend Forum von Beleidigungen und Übergriffen gegen Maccabi-Anhänger berichtet. „Im gemischten Block wurden wir von Union-Fans bedroht, mit Bier beworfen und u.a. als "scheiß Juden" beleidigt“, hieß es am späten Donnerstagabend bei Twitter. Ein Union-Fan habe versucht, eine Israelfahne einer Zuschauerin anzuzünden. Dies sei durch das Einschreiten von Zivilpolizisten verhindert worden, hieß es.

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Die Spieler von Union Berlin in der Einzelkritik. Zur Galerie
Die Spieler von Union Berlin in der Einzelkritik. ©

Michael Koblenz, Sportvorstand von Makkabi Berlin, der auf Einladung von Union Berlin ebenfalls beim Spiel war, sagte dem SPORTBUZZER: "Wir haben das nicht mitbekommen. Für uns war es ein schöner Abend, der leider von einem Einzelfall überschattet wurde." Ihm tue es sehr Leid für die betroffenen Maccabi-Fans. "Schade, dass so etwas passieren musste." Die überwiegende Mehrzahl habe den Abend als "sehr toll" empfunden.

Union Berlin kündigte für den Freitag eine Stellungnahme zu den Vorfällen an. Man suche den Kontakt zu den betroffenen Personen, hieß es von Vereinsseite. Auch die Berliner Polizei wollte sich im Tagesverlauf noch zu den Ereignissen äußern. Der Europäischen Fußball-Union UEFA lagen am Freitagvormittag noch keine weiterreichenden Informationen zu den Vorfällen vor. Man warte noch auf den Bericht des Spiel-Delegierten. Möglicherweise droht Union ein Disziplinarverfahren.

In Israel wurden die Vorfälle in dem in den 1930er Jahren von den Nationalsozialisten erbauten Stadion am Freitag vornehmlich auf Grundlage deutscher Medienquellen kommentiert. „Letztlich wurde etwas, das ein ehrenhaftes Ereignis hätte sein sollen, das eine historische Korrektur darstellt, auch eine Demonstration von Hass“, schrieb „Walla Sport“. Maccabi Haifa spielte als erste israelische Fußball-Mannschaft im Olympiastadion.

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Während der Partie herrschte unter den 23 324 Zuschauern insgesamt eine euphorische Stimmung. Rund 1000 Haifa-Fans feuerten ihr Team ebenso leidenschaftlich an, wie die Union-Fans ihre Mannschaft. Am Spieltag hatte eine hochrangige Delegation der Eisernen die Gäste aus Israel im eigenen Stadion in Berlin-Köpenick empfangen. Am Mittwoch hatten Vertreter von Maccabi Haifa das Holocaust-Mahnmal in Berlin besucht und einen Kranz niedergelegt.