02. April 2021 / 17:09 Uhr

Vorm Pokal-Kracher der Frauen: Bayern-Boss Rummenigge mit Kampfansage Richtung Wolfsburg

Vorm Pokal-Kracher der Frauen: Bayern-Boss Rummenigge mit Kampfansage Richtung Wolfsburg

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Will mit dem FC Bayern die Nummer 1 im Frauenfußball werden: Klub-Boss Karl-Heinz Rummenigge.
Will mit dem FC Bayern die Nummer 1 im Frauenfußball werden: Klub-Boss Karl-Heinz Rummenigge. © dpa
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Am Ostersonntag (14 Uhr, live in der ARD) liegt im DFB-Pokal der Frauen ein dickes Ei im Nest: Der VfL Wolfsburg empfängt im Halbfinale den FC Bayern. Sehr zur Freude von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge geht Wolfsburg mal nicht als Favorit in das Duell. Doch das Team von VfL-Coach Stephan Lerch weiß: Nur mit einem Sieg wahrt es die wahrscheinlich einzige noch realistische Chance auf einen Titel.

Pokal-Kracher an Ostern: Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg empfangen nur wenige Tage nach ihrem Champions-League-K.o. im Viertelfinale gegen den FC Chelsea am kommenden Sonntag (14 Uhr, live in der ARD) den FC Bayern zum DFB-Pokal-Halbfinale im AOK-Stadion. In der Liga haben die Münchnerinnen als Spitzenreiter fünf Spieltage vor Saisonende fünf Punkte Vorsprung auf den VfL, in der Königsklasse stehen sie im Halbfinale und feierten beim 1:0 im Viertelfinal-Rückspiel gegen Rosengard am Donnerstag bereits ihren 26. Sieg in Folge. Klar ist: Die Bayern streben das Triple an und reisen dementsprechend mit viel Rückenwind und Selbstvertrauen in die Autostadt.

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Der FC Bayern drängt auf eine Wachablösung im deutschen Frauenfußball! Die Roten stehen vor ihrer vierten deutschen Meisterschaft (die letzte gab's 2016), sind in der Champions League nun als einziges deutsches Team noch im Rennen und können dem VfL am Sonntag den siebten Pokal-Titel in Folge vermiesen. Die Mannschaft von Jens Scheuer ist in der laufenden Saison noch ungeschlagen, konnte wettbewerbsübergreifend bereits über 100 Tore erzielen und kassierte selbst nur sechs Gegentore - eine makellose Bilanz.

Rummenigge unterstreicht Bayerns Ambitionen

Auf der Vereins-Homepage meldete sich nun auch Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge zu Wort und unterstrich die großen Ambitionen: "Es ist unser Ziel und Anspruch, auch im Frauenfußball Maßstäbe zu setzen, und da sind wir auf einem sehr guten Weg. Wo auch immer der FC Bayern antritt, wollen wir die Nummer 1 sein." Klare Kampfansage in Richtung Wolfsburg.

Das Duell gegen den VfL "hat sich inzwischen als der deutsche Frauen-Klassiker etabliert. Wolfsburg war in den vergangenen Jahren erfolgreicher, aber wir haben große Ziele - und bringen eine Tradition mit, die kein anderer Bundesligist vorweisen kann. Im vergangenen Jahr feierte unsere Frauen-Abteilung ihr 50-jähriges Bestehen, das zeigt, dass unser Verein damals seiner Zeit weit voraus war. Es geht hier nicht um Image-Gründe, um sich mit etwas zu schmücken, sondern es ging hier immer auch um Gleichberechtigung in einem kontinuierlich gewachsenen Gesamtbild", so der 65-Jährige.

"Auch Bayern kocht nur mit Wasser"

Souverän, abgeklärt und unaufgeregt - mit diesen Worten charakterisierte Wolfsburgs Trainer Stephan Lerch unterdessen die Leistungen der Münchnerinnen. Wie man sie schlagen kann? "Indem man konzentriert Fußball spielt und seine Fehler auf ein Minimum reduziert", weiß Lerch, der auch zugibt: "Da haben wir, muss man ja fast schon so sagen, gegen Chelsea Lehrgeld bezahlt. Im Gegenzug müssen wir Bayern einfach mal zu Fehlern zwingen und unter Druck setzen. Auch der FC Bayern kocht nur mit Wasser und wir glauben fest an unsere Chance, ihnen die erste Saison-Niederlage zuzufügen."

Verstecken müssen sich die Wolfsburgerinnen nicht: Nach der 1:4-Niederlage im Liga-Duell gegen die Bayern letzen November blieb der VfL bis zum Viertelfinale in der Champions League gegen Chelsea ebenfalls ungeschlagen. Dazu trafen beide Mannschaften bereits in den vergangenen vier Jahren im Pokal in K.o.-Duellen aufeinander, stets mit dem besseren Ende für die Niedersachsen. 2017 gab es im Viertelfinale ein 2:0, 2018 setzte sich der VfL im Finale im Elfmeterschießen durch, 2019 folgte im Halbfinale ein 4:0 und im letzten Jahr siegten die Wolfsburgerinnen bereits im Achtelfinale mit 3:1. Dass der Titelverteidiger zum ersten Mal seit Jahren nicht als Favorit in die Partie geht, stört den 36-Jährigen nicht. Lerch schwört auf eine "Jetzt erst Recht!"-Mentalität seines Teams.


Eine gewisse Enttäuschung war nach der Rückreise aus Budapest trotzdem noch zu spüren, das frühe Ausscheiden in der Königsklasse wurmte die Wolfsburgerinnen. "Wir haben die Tage bewusst das eine oder andere Gespräch geführt, um Dinge auf- und zu verarbeiten. Ich bin der Meinung, dass es immer helfen kann, sich auch auszutauschen", so Lerch. Das schärfe unter anderem die Sinne, denn allen sei bewusst, dass der Pokal die wahrscheinlich letzte realistische Titel-Chance in dieser Saison ist. "Das wissen wir alle. In der Champions League sind wir raus, in der Liga haben wir es selbst nicht mehr in der Hand. Im Pokal gibt es aber die Chance, mit nur zwei weiteren Spielen, diesen Titel zu gewinnen. Das ist kein langer Weg mehr", findet Lerch. Dementsprechend "fokussiert werden wir das angehen. Wir versuchen alles, auch in dieser Saison."

Rolfö: "Schwung der Bayern unterbrechen"

Wolfsburgs Offensivspielerin Fridolina Rolfö wechselte 2019 ablösefrei vom FC Bayern München nach Wolfsburg und kennt die Pokal-Halbfinalisten so gut wie fast keine andere VfLerin. Das Bayern-Trikot trug sie insgesamt 56 Mal, im VfL-Dress lief die Schwedin 34 Mal auf. Bei den Bayern, so die 27-Jährige "klappt momentan einfach alles. Sie haben einen guten Kader und wissen, was sie wollen. Sie befinden sich in einem gewissen Flow, und da wirst du automatisch selbstbewusster." Beim VfL hingegen gleiche es in der Saison manchmal "einer Achterbahnfahrt. Ich hoffe aber, dass wir diesen Schwung der Bayern unterbrechen können."

Um gegen die Münchnerinnen zu bestehen, muss nicht nur kompakt verteidigt werden, sondern in der Spitze auch effizienter agiert werden - ein Problem, dass dem VfL im Viertelfinale der Champions League gegen den FC Chelsea zum Verhängnis wurde. "Was unsere Effektivität angeht, sind wir gerade vielleicht nicht auf Weltklasse-Niveau, das muss ich sagen", so die Schwedin. Aber: "Da müssen wir uns entwickeln. Gegen Bayern sind es öfter engere Spiele, und ich glaube, dass die Mannschaft gewinnen wird, die den besseren Tag erwischt."

Die Nationalspielerin wird den Verein nach der Saison verlassen, ein Angebot zur Vertragsverlängerung hatte Rolfö abgelehnt. Wohin es sie zieht, ist noch offen. Aber für einen letzten Titel wird die Flügelstürmerin alles geben: "Mir ist es wichtig, die letzte Saison gut abzuschließen. Ich glaube weiter daran, dass wir noch einen Titel gewinnen können - das wäre wunderschön."