03. April 2020 / 09:56 Uhr

Archibald Horlitz: Seit sieben ereignisreichen Jahren an der Spitze des SV Babelsberg 03

Archibald Horlitz: Seit sieben ereignisreichen Jahren an der Spitze des SV Babelsberg 03

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
SVB-Vorsitzender Archibald Horlitz ist glücklich über die drei wichtigen Punkte im Abstiegskampf.
SVB-Vorsitzender Archibald Horlitz © Jan Kuppert
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Regionalliga Nordost: Der 61-jährige Unternehmer Archibald Horlitz wurde im April 2013 als Notvorstand des damaligen Drittligisten SV Babelsberg 03 eingesetzt und hatte seitdem viele Baustellen zu bearbeiten.

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Vor inzwischen sieben Jahren begann für Archibald Horlitz das Abenteuer als 1. Vorsitzender des SV Babelsberg 03. Anfang April 2013 wurde der im Ruhrgebiet aufgewachsene Unternehmer mit dem im Oktober 2018 verstorbenen Rechtsprofessor Götz Schulze vom Amtsgericht Potsdam als Notvorstand bestimmt. Der Grund: Die Gremien des damals stark abstiegsgefährdeten Drittligisten waren nach Ansicht des Amtsgerichts nicht rechtmäßig zustande gekommen. Damit folgte die Justizbehörde der Auffassung des Ex-Vorstandes Frank H. Walter-von Gierke, der die Legitimation von Aufsichtsrat und Vorstand angezweifelt und deshalb einen Notvorstand beantragt hatte. So sei zu zwei Mitgliederversammlungen des Kiezvereins — am 23. April 2012 und am 12. März 2013 — nicht satzungsgemäß eingeladen worden.

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Es war eine Zeit, in der sich beim SVB die „Ereignisse überschlugen“ wie sich Horlitz erinnert. Für ihn, der Anfang des Jahres 2013 die von ihm gegründete GRAVIS AG, ein Versandhandelshaus für Apple-Produkte mit deutschlandweit 28 Filialen und 780 Mitarbeitern, verkaufte, der Beginn einer turbulenten Zeit in vorderster Front beim Kiezverein. Im Gespräch mit SPORTBUZZER blickt der heute 61-Jährige, der keinen Hehl daraus macht, bei einem geeigneten Nachfolger den Posten des 1. Vorsitzenden gern zu räumen, auf die prägendsten Ereignisse seiner Amtszeit:

Die ersten Wochen als Notvorstand: „Ich war sehr froh, dass ich mit Götz Schulze einen Mann mit großer Expertise in rechtlichen Angelegenheiten und mit Guido Koch aus dem Aufsichtsrat einen erfahrenen Sanierer an meiner Seite hatte. Ohne diese beiden wäre es in dieser schwierigen Anfangszeit nicht gegangen“, blickt Horlitz auf seine ersten Tage als Chef des SVB zurück. In dieser Zeit einigte man sich gütlich mit Ex-Geschäftsführer Klaus Brüggemann, Cheftrainer Christian Benbennek wurde entlassen.

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Abstieg in die Regionalliga: Ende Mai 2013 war der Babelsberger Abstieg aus der 3. Liga besiegelt, den Horlitz wirtschaftlich gesehen als Chance beschrieb, weil „das Verhältnis von Ausgaben durch Spielergehälter auf der einen Seite und den Einnahmen in der 3. Liga in keinem Verhältnis standen“. Cheftrainer Cem Efe und Almedin Civa als sportlicher Leiter mussten in der Saison 2013/14 mit einem Mini-Etat einen Kader zusammenstellen, der erst am letzten Spieltag – trotz der 0:1-Niederlage beim ZFC Meuselwitz – den Gang in die Oberliga abwendete. „Das hätte der Verein zwar überlebt, aber sicher nicht ohne in ein Insolvenzverfahren zu gehen“, sagt Horlitz.


Das Verhältnis zu Turbine und der Stadt Potsdam: „Beides hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert“, betont Horlitz. Mit dem Frauen-Fußball-Bundesligisten, der vom ehemaligen Babelsberger Matthias Rudolph trainiert wird und seine Heimspiele ebenfalls im Karl-Liebknecht-Stadion austrägt, hat man einen „vernünftigen Umgang“ gefunden und versucht, in vielen Bereichen zu kooperieren. Die Landeshauptstadt und seine kommunale Bauholding Pro Potsdam waren maßgeblich an der Lösung des Schuldenstreits zwischen der Deutschen Kreditbank (DKB) und dem SVB, der mit 1,8 Millionen Euro in der Kreide stand, im Jahr 2017 beteiligt. „Das war der letzte Baustein der Sanierung“, befindet Horlitz rückblickend.

Polizeieinsatz beim Landespokalfinale 28. Mai 2016 in Luckenwalde: Nachdem die Babelsberger durch einen 3:1-Erfolg beim FSV den Pokal gewannen, kam es im Gästeblock des Werner-Seelenbinder-Stadions im Zuge eines Polizeieinsatzes gegen Nulldreianhänger, die mit ihrem Team den Pokalsieg auf dem Rasen feiern wollten, zu dramatischen Szenen. Fans und Ordner wurden dabei verletzt. „Da bin ich rückblickend mit mir nicht ganz im Reinen“, gibt Horlitz mit Blick auf die Aufarbeitung der Geschehnisse zu, verweist aber darauf, dass die Polizei im Nachgang Fehler zugegeben hat und sich das Verhältnis zum Verein seitdem stark verbessert habe.

In Bildern: Das sind die Rekordspieler der Regionalliga Nordost seit 2012/13. Stand: 16. März 2020

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Das sind die Rekordspieler der Regionalliga Nordost seit der Saison 2012/13. ©

„Nazis raus aus den Stadien“: „In diesem Fall haben wir aus meiner Sicht wirklich alles richtig gemacht“, sagt Horlitz über die Kampagne, die den Verein bundesweit und international in den Fokus rückte. Zum Hintergrund: Während des Ligaspiels der Babelsberger gegen Energie Cottbus am 28. April 2017 zeigten Gästefans den Hitlergruß und skandierten antisemitische Parolen wie „Arbeit macht frei. Babelsberg 03“. Zudem flogen Böller und Raketen von beiden Fanseiten, Cottbuser Fans stürmten den Platz, zweimal musste die Partie unterbrochen werden. Beide Vereine wurden vom Nordostdeutschen Fußball-Verband mit Strafen belegt – der SVB unter anderem für die „Nazischweine-raus-Rufe“ eines Zuschauers in der Nordkurve. Dagegen legte der SVB Einspruch ein.

Geplatzte Siegerehrung Landespokalfinale 2018: Nachdem Energie Cottbus den gastgebenden SVB im „Karli“ mit 1:0 besiegte, warfen Chaoten aus dem Babelsberger Block Rauchbomben und Böller auf den Rasen. Außerdem flogen Raketen in Richtung Cottbuser Block. Als etwa ein Dutzend Vermummte im Babelsberger Block auf den Zaun kletterten, drohte ein Platzsturm. Die auf dem Rasen geplante Siegerehrung entfiel. „Ein mehr als bescheidenes Ereignis“, nach dem Horlitz laut eigener Aussage das erste und einzige Mal Zweifel daran hatte, ob er als Vorsitzender des SVB weitermachen solle. „In der Folge fand eine sehr intensive Kommunikation zwischen Fans und Verein statt.“

In Bildern: 30 ehemalige Spieler vom SV Babelsberg 03 – und was aus ihnen wurde.

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Manipulationsversuch Andreas Petersen: „Das ist noch ein offener Fall und wir werden beim Oberlandesgericht Naumburg Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens gegen Andreas Petersen einreichen. Ansonsten wird dem Wettbetrug in der vierten Liga damit Tür und Tor geöffnet.“ Petersen wird vorgeworfen, als damaliger Sportdirektor von Germania Halberstadt im November 2018 mit Geldzahlungen versucht zu haben, dass Spieler des Fußball-Regionalliga-Konkurrenten Babelsberg „die Füße hochlegen“, wie es der damalige Nulldrei-Trainer Almedin Civa formulierte. Petersen wurde anschließend vom Sportgericht des NOFV zu einer Strafe von 6000 Euro und einer zwölfmonatigen Sperre verurteilt. Gegen dieses Urteil hat der Vater von Freiburg-Stürmer Nils Petersen Berufung eingelegt. Das Verfahren ruht allerdings, weil der 59-Jährige schwer erkrankt ist. Parallel hatte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts auf Spielmanipulation eingeleitet – und später eingestellt.

Rechtsstreit mit Marco Vorbeck: Mitte November vergangenen Jahres entließ Horlitz den erst vor der Saison als Nachfolger von Almedin Civa ins Boot geholten Trainer Marco Vorbeck. „Das war natürlich keine schöne Erfahrung und hätten wir sicherlich nicht gebraucht“, sagt der Nulldrei-Präsident zum Vorfall der fristlosen Kündigung des Fußball-Lehrers, der sich mit dem Verein in zwei Schlichtungsversuchen nicht einigen konnte. Beide Parteien sollen sich am 15. Juni vor dem Arbeitsgericht Potsdam treffen. Vorbeck soll gegenüber Mitgliedern der Mannschaft und des Trainerstabes unter anderem „anzügliche Fotos“ gezeigt und sich zudem „in äußerst unangemessener Form“ über ein weibliches Gremium-Mitglied des Vereins geäußert haben.

Vom FV Turbine Potsdam bis RB Leipzig: Die Karriere von Daniel Frahn in Bildern.

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Vom FV Turbine Potsdam bis RB Leipzig: Die Karriere von Daniel Frahn in Bildern ©

Die Rückkehr von Daniel Frahn: Die Verpflichtung des Angreifers brachte dem SVB erneut deutschlandweit Schlagzeilen ein. Daniel Frahn war am 5. August 2019 wegen seiner angeblichen Nähe zur rechten Szene beim Drittligisten Chemnitzer FC entlassen worden. Nach Güte- und Gerichtsterminen einigten sich der CFC und Frahn am 29. Januar 2020 auf eine Auflösung des Vertrags. Somit war der Weg nach Babelsberg frei, wo er zuvor schon drei Wochen mittrainiert hatte. „Nach den Gesprächen mit Daniel Frahn bin ich überzeugt, dass er keine Nähe zu rechtem Gedankengut hat. Aber es besteht auch kein Zweifel daran, dass sein Agieren in Chemnitz kritisch zu hinterfragen war. Dies haben wir ausführlich getan und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir, unter Berücksichtigung aller Aspekte und seinem klaren Bekenntnis zu den Werten unseres Vereins, ihn willkommen heißen“, sagte Horlitz zur Rückkehr des gebürtigen Potsdamers und sieht sich nach dessen ersten Wochen bei Nulldrei bis zur Corona-Zwangspause in seiner Einschätzung absolut bestätigt.