16. März 2018 / 22:40 Uhr

VW-Mann Bode: "Klar ist, dass wir beim VfL Wolfsburg mehr sportliche Kompetenz brauchen"

VW-Mann Bode: "Klar ist, dass wir beim VfL Wolfsburg mehr sportliche Kompetenz brauchen"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
VW-Kommunikationschef und Mitglied im VfL-Aufsichtsrat: Hans-Gerd Bode.
VW-Kommunikationschef und Mitglied im VfL-Aufsichtsrat: Hans-Gerd Bode. © Imago
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Der VfL Wolfsburg muss und will sich neu aufstellen: VW-Kommunikationschef und VfL-Aufsichtsrats-Mitglied Hans-Gerd Bode spricht über den Stand der Dinge

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Sportlich geht’s für den VfL um Punkte gegen den Abstieg – heute um 18.30 Uhr im Heimspiel gegen Schalke 04. Mittel- und langfristig geht es für den Wolfsburger Fußball-Bundesligisten darum, wie er seine Führungsstruktur erneuert. AZ/WAZ-Sportredakteur Andreas Pahlmann sprach darüber mit Hans-Gerd Bode. Der 57-Jährige ist als Mitglied im Präsidium des VfL-Aufsichtsrats und VW-Kommunikationschef eine der entscheidenden Schnittschnelle zwischen dem VfL und Volkswagen.

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Es wird immer wieder ein Zusammenhang zwischen der Diesel-Affäre und den VfL-Sorgen hergestellt – nach dem Motto: Volkswagen hat Wichtigeres zu tun, als sich um Fußball zu kümmern. Ist dem so?

Ich verstehe, dass dieser Eindruck entsteht, aber das ist natürlich nicht so. Der VfL ist ein großes Thema bei uns, es vergeht quasi kein Tag, an dem wir hier nicht über Fußball diskutieren. Der VfL-Aufsichtsratsvorsitzende Francisco Garcia Sanz ist im Moment auch viel häufiger beim VfL als es die Öffentlichkeit mitbekommt. Aber generell verfolgen wir seit einiger Zeit eine etwas andere Philosophie bei Volkswagen, wir wollen den Töchtern mehr Eigenständigkeit geben, wir wollen, dass sie sich sozusagen ein Stück weit emanzipieren. Das gilt für Audi oder Seat genauso wie für den VfL.

War es unter diesem Aspekt dann vielleicht umso mehr ein Fehler, die Führung der VfL-GmbH eher dünn aufzustellen –  mit nur zwei Geschäftsführern, deren Kern-Kompetenz nicht der Fußball ist und mit einem Sport-Verantwortlichen unterhalb der Geschäftsführungsebene?


Es ist auf den ersten Blick vielleicht naheliegend, die Situation angesichts des sportlichen Verlaufs der Saison so zu analysieren. Doch meiner Meinung nach ist das keine Frage von Hierarchien. Andere Vereine, die derzeit erfolgreicher sind als wir, sind ähnlich aufgestellt. Entscheidend ist, dass wir für die Zukunft nicht nur aus der aktuellen Situation, sondern aus den letzten Jahren die richtigen Schlüsse ziehen. Wir wissen natürlich auch, dass es für die sportliche Krise eine ganze Reihe von Gründen gibt.

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Welche?​

Diese öffentlich zu nennen, ist jetzt nicht die Rolle des Aufsichtsrats. Viel wichtiger ist, dass wir nach dem für uns alle völlig überraschenden Rücktritt von Martin Schmidt jetzt mit Bruno Labbadia einen Trainer haben, der diese Probleme selbst sehr schnell erkannt und auch uns gegenüber deutlich benannt hat. Wir sind überzeugt, dass die Mannschaft mit ihm die Kurve bekommt.

Und „nebenbei“ müssen Sie neue Geschäftsführer suchen. Wir schwer ist das, wenn man noch nicht weiß, in welcher Liga der VfL in der kommenden Saison spielt?

Natürlich brauchen wir auch einen Plan für den „Worst Case“, aber glauben Sie mir: Unsere Gedanken beschäftigen sich nur mit der Bundesliga. Alles andere würde in unserer Situation auch keinen Sinn ergeben – denn wer zweifelt, kann nicht alles abrufen, was in ihm steckt. Und beim VfL müssen jetzt  alle alles abrufen, von der Geschäftsstelle über Geschäftsführung und Aufsichtsrat bis hin zur Mannschaft. Und diese ganz besonders.

Bilder vom Spiel des VfL Wolfsburg bei der TSG Hoffenheim (26. Spieltag)

Paul Verhaegh probiert den Ball an Hoffenheims Nico Schulz vorbei zu bringen. Zur Galerie
Paul Verhaegh probiert den Ball an Hoffenheims Nico Schulz vorbei zu bringen. ©
Hans-Gerd Bode im Gespräch mit Andreas Pahlmann
Hans-Gerd Bode im Gespräch mit Andreas Pahlmann ©
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Wenn die strukturellen und eher langfristig relevanten Probleme nicht gelöst werden, legen Sie jetzt doch schon wieder die Saat für eine nächste Problem-Saison. Darum die Frage: Müssen Sie jetzt nicht schnell eine neue Geschäftsführung präsentieren, die die kommende Spielzeit plant?

Natürlich wäre das schön, je schneller desto besser. Aber es ist kein Wunschkonzert. Wir sind längst dabei, führen Gespräche, aber es hat keinen Sinn, sich auf irgendeinen Zeitraum festzulegen, bis alles unter Dach und Fach ist. Das hängt ja nicht alleine von uns ab, sondern von mindestens einer weiteren Partei.

Haben Sie denn schon entschieden, wie sie die Geschäftsfelder aufteilen? Wird es wieder den „klassischen“ Sport-Geschäftsführer geben, wie ihn der VfL etwa mit Klaus Allofs hatte?

Bis vor einigen Jahren wäre es wirklich so gewesen, dass wir die Geschäftsfelder definiert und dann Personen dafür gesucht hätten. Mittlerweile –  auch das ist Teil einer neuen Management-Philosophie bei Volkswagen –  machen wir das etwas anders: Wenn wir geeignete Kandidaten haben, schneiden wir die Aufgabenbereiche so zu, dass jeder seine Kompetenz in größtmöglichem Umfang einbringen kann. Sich vorher starr darauf festzulegen, dass einer nur dieses und ein anderer nur jenes macht, ist nicht sinnvoll. Klar ist für uns jedoch, dass wir mehr sportliche Kompetenz in der Führungsstruktur brauchen.