03. Dezember 2021 / 22:21 Uhr

Wackelig hinten, ohne Idee vorn: RB Leipzig verliert auch bei Union Berlin

Wackelig hinten, ohne Idee vorn: RB Leipzig verliert auch bei Union Berlin

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Sheraldo Becker im Zweikampf mit Leipzigs Angelino, der den Kürzeren zieht.
Sheraldo Becker im Zweikampf mit Leipzigs Angelino, der den Kürzeren zieht. © Getty Images
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RB Leipzig rutscht immer weiter in die Krise. Beim 1:2 (1:1) bei Union Berlin kassierte RB die dritte Bundesliga-Pleite in Folge, läuft den eigenen Ansprüchen immer weiter hinterher. In Köpenick präsentierten sich die Sachsen erneut anfällig bei Kontern und mit unklarem Offensivspiel sowie einer hohen Fehlerquote.

Berlin. Sie wollten Wiedergutmachung fürs 1:3 gegen Bayer, zumindest in Sichtweite zu den angenehmen Tabellenplätzen bleiben, bei Union Berlin punkten. Es blieb beim Wollen, es fehlte am Können, an Tempo und Biss. Die Roten Bullen sind mit dem 1:2 (1:1) in der Alten Försterei noch gut bedient, kassieren - RB-Novum - die dritte Liga-Pleite in Folge. Tore vor 13500 Fans, knappe 1000 aus Leipzig: 1:0, Taiwo Awoniyi (12.), 1:1, Christopher Nkunku (13.), 2:1, Timo Baumgartl (57.). Kein Zweifel: Nach der neuerlichen Enttäuschung wird es eng für Cheftrainer Jesse Marsch, gerät auch Club-Boss Oliver Mintzlaff in Erklärungsnot.

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RB mit vier Änderungen gegenüber dem 1:3 gegen Leverkusen. Peter Gulacsi kann nach Quarantäne wieder Bälle halten, verdrängt Josep Martinez auf die Bank. Und sonst so? Kein Emil Forsberg, kein Kevin Kampl, kein Brian Brobbey. Stattdessen Fighter wie Tyler Adams und Benjamin Henrichs. Dominik Szoboszlai ersetzt Emil Forsberg. Die von Jesse Marsch (Corona-Nachwirkungen, Couch) erdachte und dessen Co. Marco Kurth in Berlin umgesetzte Aufstellung deutet hin auf eine rustikale Herangehensweise. In der Alten Försterei sind die Primärtugenden und die dazugehörigen prähistorischen Beschreibungen gefragt. Sie wollen über den Kampf zum Spiel finden, Gras fressen, den Platz umpflügen.

JETZT Durchklicken: Die Bilder zur 1:2-Niederlage der Roten Bullen!

Erneuter Offenbahrungseid von RB Leipzig: Die Messestädter unterlagen nach erneut schwacher Vorstellung beim 1. FC Union Berlin mit 1:2. Zur Galerie
Erneuter Offenbahrungseid von RB Leipzig: Die Messestädter unterlagen nach erneut schwacher Vorstellung beim 1. FC Union Berlin mit 1:2. ©

Die Unioner haben sich unter Urs Fischer zu einem formidablen Erstligateam entwickelt. Eines mit Klasse (Max Kruse, Taiwo Awoniyi), Größe und Zweikampfhärte (Marvin Friedrich/1,94m) und Robin Knoche/1,90m) und Leidensfähigkeit (Rani Khedira, Christopher Trimmel und sechs, sieben weitere) sowie taktischer Disziplin (alle). Daheim sind die Männer von Urs Fischer eine Macht und mussten in dieser Saison nur eine Niederlage hinnehmen. Gegen die Bayern - 2:5.

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Früher war mehr Lametta: Beim ersten RB-Bundesliga-Gastspiel bei Union hatte sich der Stadionsprecher 2019 zu einer Regierungserklärung genötigt gefühlt, über die allgemeinunverträgliche RB-Schöpfungsgeschichte, der eigenen und einzig wahren Haltung gesprochen. Diesmal begnügen sich die Unioner mit einer Spitze im Stadionheft, lassen RB bei der Gegnervorstellung weg. Stattdessen: Historisches aus LE. Damals gewann RB 4:0, machte ein gewisser Christopher Nkunku sein erstes Bundesligaspiel und sein erstes Tor.

Rein ins Match und zum ersten Profi-Cheftrainer-Einsatz von Herrn Kurth. RB beginnt fahrig, Union drückt und geht in der sechsten Minute in Führung. Julian Ryerson schlägt den Ball weit und hoch nach vorne, Gulacsi bleibt auf der Linie, Benny Henrichs verliert sechs Meter vorm Gehäuse das Kopfball-Duell gegen Timo Baumgartl, Josko Gvardiol ist nicht nah genug an Taiwo Awoniyi - 1:0. Berlin bleibt dran und hat nach Sheraldo-Becker-Flanke durch Awoniyi und Kruse zwei Top-Einschussmöglichkeiten zum 2:0 (12.). RB kriegt nix gebacken, aber ein Geschenkt von Union-Keeper Andreas Luthe. Der lässt einen 26-Meter-Aufsetzer von Nkunku ins Netz (13.). 1:1. Nkunkus 14. Tor im 20. Pflichtspiel. Kurz später lenkt Luthe einen Szoboszlai-Volley über die Latte. Begebenheiten, die RB den Glauben zurückgeben? Leipzig wird etwas sicherer, verlagert das Spiel in die Berliner Hälfte, muss aber höllisch auf den pfeilschnellen Awoniyi aufpassen. Siehe die 34. Minute, als der Ex-Liverpooler das 2:1 auf dem Fuß hat. Das offensive RB-Spiel ruckelt, hat Aussetzer und gebärt vorm Wechsel nur noch eine Möglichkeit. Silva köpft eine Konrad-Laimer-Flanke übers Tor (40.). Halbzeit 1:1. RB fightet, ja. Aber es fehlt Struktur im zentralen Mittelfeld. Und eine Nabelschnur zu Herrn Silva.

Wiederbeginn, Schneeflocken. RB jetzt selbstbewusster, mit mehr Kontrolle. Und Union macht mit der ersten Szene das 2:1. Nordi Mukiele verursacht eine unnötige Ecke, Niko Gießelmann passt nach innen, RB pennt, Kruse schießt, Laimer fälscht ab, Baumgartl schiebt ein, Tor. Die Brügge-Heldbe Forsberg und Kampl kommen. Den Rasenballen steht die dritte Bundesliga-Pleite hintereinander ins Haus. Gab es seit dem Aufstieg 2016 noch nie. Nkunku flankt, Szoboszlai köpft, abgeblockt. Die Berliner stehen gut, RB fällt nicht viel ein. Union hat Chancen zum 3:1, Genki Haraguchi und Kevin Behrens machen es nicht. Brian Brobbey hat das 2:2 auf dem Fuß, Gießelmann rettet. Dann ist es vorbei. Verdienter Sieg für Union, RB im Tal der Tränen. Am Dienstag, 18.45 Uhr, empfangen die Roten Bullen Manchester City. Champions League, letzte Ausfahrt. Richtung Europa League? Zeitgleich spielt der punktgleiche FC Brügge in Paris.

Die Statistik zum Spiel:

Union: Luthe - Friedrich, Knoche, Baumgartl - Ryerson, R. Khedira, Prömel, Gießelmann, Kruse (72. Haraguchi) - Becker, Awoniyi.

Leipzig: Gulacsi - Mukiele, Klostermann (70. Simakan), Gvardiol - Henrichs (64. Forsberg), T. Adams, Laimer (70. Kampl), Angelino, Nkunku, Szoboszlai (78. Brobbey) - Silva.

Tore: 1:0 Awoniyi (6.); 1:1 Nkunku (13.); 2:1 Baumgartl (57.).