26. Januar 2020 / 14:22 Uhr

Wackelt Oliver Glasner? Wolfsburg-Manager Jörg Schmadtke: "Geht nicht um den Trainer!"

Wackelt Oliver Glasner? Wolfsburg-Manager Jörg Schmadtke: "Geht nicht um den Trainer!"

Andreas Pahlmann und Engelbert Hensel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Schwieriger Weg beim VfL Wolfsburg: Oliver Glasner und Jörg Schmadtke.
Schwieriger Weg beim VfL Wolfsburg: Oliver Glasner und Jörg Schmadtke. © Boris Baschin
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Der VfL Wolfsburg ist in der Krise. Drei Pleiten in Folge, erbärmlich schlechtes Offensivspiel, Konzentrationsprobleme in der Abwehr. Eine Trainerdiskussion ist da nur eine Frage der Zeit. Manager Jörg Schmadtke spricht von einem Reset-Knopf, der nun zu drücken wäre, stellte aber klar: "Es geht nicht um den Trainer."

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Seit Saisonbeginn ist Oliver Glasner Trainer des VfL Wolfsburg. Sein Rezept: Abwehr-Dreiekette, hohe Außen, frühe Balleroberung, schnelles Umkehrspiel. Nach 19 Bundesliga-Spieltagen scheint nun festzustehen: Das hat nicht funktioniert. Hat der Österreicher dennoch eine Zukunft beim VfL? Ja, sagt Manager Jörg Schmadtke und erklärte im Sport1-Doppelpass: "Es geht nicht um den Trainer. Sondern darum, wie wir diese Situation bewältigen können. Die haben wir gemeinschaftlich zu lösen."

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Schmadtke: "Wir müssen uns eher resetten"

Was Schmadtke am Tag nach dem frustrierenden 1:2 gegen Hertha BSC sonst noch sagte, befeuert allerdings eine Wolfsburger Trainer-Diskussion. Drei Partien hat der VfL in Folge verloren, dabei vorn wie hinten eklatante Mängel gezeigt. "Der Weg, den wir gerade bestreiten", so Schmadtke, sei "schwierig" und werde "nicht dazu führen, den Knoten zu lösen. Wir müssen uns eher resetten.“ Also alles auf Anfang setzen.

Die VfL-Spieler nach der Partie gegen Berlin in der Einzelkritik

Koen Casteels: In der ersten Halbzeit selten gefordert, bei den Gegentoren ohne Chance, toller Reflex bei der Riesen-Chance von Lukebakio. Note: 3 Zur Galerie
Koen Casteels: In der ersten Halbzeit selten gefordert, bei den Gegentoren ohne Chance, toller Reflex bei der Riesen-Chance von Lukebakio. Note: 3 ©

Alles? Schmadtke erwähnte die taktische Veränderungen, die Glasner vorgenommen hat. "Normalerweise hast du da Probleme zu Beginn der Saison", da aber habe beim VfL noch eine Menge funktioniert, "da waren wir nach neun Spieltagen auf Platz zwei. Und dann bricht da was weg." In den vergangenen zehn Partien gab es sieben VfL-Niederlagen. Schmadtke: „Wir haben gedacht, dass wir weiter sind, als wir tatsächlich waren.“ Die Rückkehr von Dreier- zu Viererkette in der Abwehr habe da auch nicht geholfen.

"Wir müssen anfangen, neue Wege zu gehen"

Deutlich kritisierte Schmadtke zudem die Offensivtaktik seines Trainers, der auf einen Dreier-Angriff setzt: "Wir müssen anfangen, neue Wege zu gehen. Wir spielen vorn konstant mit drei Spitzen. Und mein Eindruck ist, dass uns das nicht dabei hilft, Torchancen zu kreieren." Deutlicher kann man die Ideen des eigenen Coachs kaum infrage stellen. Ist die Glasner-Zukunft beim VfL also auch kurzfristig offen? Nicht für Schmadtke, der nicht als Freund schneller Trainer-Rausschmisse gilt. Glasner, so der Manager, bekomme "von uns die Unterstützung, die er braucht, denn wir müssen unsere Problematiken gemeinschaftlich lösen". Inwieweit der Trainer selbst dabei eine Rolle spiele, sei zunächst einmal eine interne Angelegenheit: "Wir müssen uns in der öffentlichen Diskussion ein bisschen zurückhalten, wir werden ein paar Dinge verändern müssen."

Die Bilder zur Bundesliga-Partie VfL Wolfsburg gegen Hertha BSC Berlin

Wolfsburgs Kevin Mbabu (rechts) und Herthas Maximilian Mittelstädt im Luftduell. Zur Galerie
Wolfsburgs Kevin Mbabu (rechts) und Herthas Maximilian Mittelstädt im Luftduell. ©
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Dabei müsse man "noch mal in den Kern rein". Heißt: Von der taktischen Grundausrichtung über die Art der Ansprache an die Mannschaft und der Trainingsinhalte müsse alles auf den Prüfstand - darunter auch vieles, das eigentlich im Verantwortungsbereich des Trainers liegt. Und der sich an dem messen lassen muss, was Sportdirektor Marcel Schäfer bereits unmittelbar nach dem Hertha-Spiel erklärt hatte: "Wir haben alle gewisse Ansprüche und Ambitionen – und das wird auf dem Platz derzeit in keinster Weise widergespiegelt. Manchmal ist es in solchen Situationen nicht so gut, sich stundenlang zusammenzusetzen und zu besprechen, was klar auf dem Tisch liegt. Man muss es einfach machen. Wir werden uns nur über Erfolgserlebnisse dorthin bringen, wo wir hin wollen!"

"Bin jemand, der keinen Aktionismus betreibt"

Glasner selbst hat derweil zugegeben, dass die aktuelle Krise die schwierigste Phase seiner Amtszeit in Wolfsburg sei, stellte aber auch klar: „Ich bin jemand, der keinen Aktionismus betreibt, ich habe ganz viel erlebt im Fußball. Es geht jetzt darum, aus diesen Spielen die richtigen Schlüsse zu ziehen." Die sollte man allerdings am Sonntag beim Spiel in Paderborn sehen können - sonst nimmt die Trainerdiskussion in Wolfsburg weiter Fahrt auf.