24. Januar 2021 / 20:53 Uhr

Auf EM folgt WM? Angelina Salli eifert ihrem großen Vorbild Dimitri Peters nach

Auf EM folgt WM? Angelina Salli eifert ihrem großen Vorbild Dimitri Peters nach

Heike Werner
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Angelina Salli ist nominiert für die Wahl zu Niedersachsens Behindertensportler des Jahres 2021.
Angelina Salli ist nominiert für die Wahl zu Niedersachsens Behindertensportler des Jahres 2021. © Martin Bargiel
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Angelina Salli vom Polizei-SV Hannover lässt sich in ihrer Zielstrebigkeit nicht bremsen. Kräfte kontrollieren, überschüssige Energie abbauen, das nötige Feingefühl für ihr Gegenüber - all das hat die 22-jährige Judoka mit geistiger Behinderung schon zu einem EM-Titel gebracht. Jetzt will sie zur WM.

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„Ich bin ein Multitalent“, sagt Angelina Salli über sich selbst. Und sobald die junge ID-Judoka ihre Nervosität abgelegt hat, wird deutlich, was sie damit meint. Es gibt so viele Themen, über die die 22-Jährige gerne spricht. Ihre Interessen sind vielseitig, und sie erzählt so lebhaft und redegewandt davon, dass ihre geistige Einschränkung, mit der sie zur Welt kam, zunächst gar nicht auffällt.

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Sie lebt beim Nähen ihre Kreativität aus und backt am liebsten Papageienkuchen – „aber ohne Papagei“, wie sie schmunzelnd betont. Kochen, Konzerte besuchen, Tanzen, Fotografie aber auch die Bewegung spielen in ihrem Leben eine große Rolle. Denn neben dem Judo-Training zweimal pro Woche, geht sie am Wochenende ins Fitnessstudio, um ihre Kraft zu trainieren, und besucht Zumba-Kurse. Salli scheint keine Langeweile zu kennen.

Kandidatin zur Wahl von Niedersachsens Behindertensportler des Jahres 2021: Angelina Salli

Seit 2017 ist sie bei den Hannoverschen Werkstätten in der Tischlerei tätig. „Ich habe schon Kaninchenställe gebaut“, erzählt sie stolz. Überhaupt ist die kräftige junge Frau eher der handwerkliche Typ. Lesen, Schreiben und Rechnen fallen ihr schwer. Auch ihre Merkfähigkeit ist nicht gut ausgeprägt, vor allem, wenn es um Zeiträume und Zahlen geht. Dennoch versucht die fröhliche Sportlerin im Alltag so selbständig wie möglich zu sein. Ihre Mutter unterstützt und fördert sie dabei nach Kräften, übt mit ihr Wege ein, bis ihre Tochter diese eigenständig bewältigen kann.

Grundausbildung beim TuS Bothfeld

Wichtig sind für Angelina feste Bindungen. „Wenn diese wegfallen, leidet sie sehr“, sagt ihre Mutter. So erstaunt es nicht, dass die Judoka schon seit fast zehn Jahren beim Polizei-Sportverein Hannover (PSV) trainiert. Beim TuS Bothfeld hat sie als Kind ihre sportliche Grundausbildung genossen.

Sie entwickelte sich so gut, dass ihr im Training irgendwann gleichstarke Gegner*innen fehlten und damit die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zu erweitern. Seit ihrem Wechsel zum PSV kann sie nun auch im Training mit Partner*innen kämpfen, die sie herausfordern.

Wohin diese Motivation führen kann, zeigen ihre bisherigen Teilnahmen an den Special Olympics in Hannover und Bremen, die Ehrung „Sportler des Jahres“ beim früheren Oberbürgermeister Stefan Schostok und nicht zuletzt der Europameistertitel im Jahr 2019 in der Klasse über 78 Kilogramm.

Kurzvorstellung Angelina Salli

Salli hat schon einiges in ihrer sportlichen Karriere erlebt und weiß auch das Drumherum der jeweiligen Veranstaltung zu nutzen. „Als wir bei den Internationalen Deutschen Einzelmeisterschaften in Berlin waren, bin ich zum ersten Mal durch das Brandenburger Tor gegangen. Das war toll!“, sagt sie strahlend.

Und wenn sie an ihre Begegnung mit dem Gewinner der olympischen Bronzemedaille in London 2012 Dimitri Peters beim Jugend-Länder-Cup denkt, gerät sie fast ins Schwärmen. „Er ist so groß und kann so gut kämpfen. Und er ist mein Vorbild. Er hat mir sogar ein Autogramm auf meiner Jacke gegeben und mir die Hand geschüttelt. Da war ich sehr glücklich.“