24. Januar 2021 / 20:53 Uhr

Mehr als ein Hobby: Rollstuhlbasketball verändert das Leben von Anna-Lena Hennig

Mehr als ein Hobby: Rollstuhlbasketball verändert das Leben von Anna-Lena Hennig

Heike Werner
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Anna-Lena Hennig ist nominiert für die Wahl zu Niedersachsens Behindertensportler des Jahres 2021.
Anna-Lena Hennig ist nominiert für die Wahl zu Niedersachsens Behindertensportler des Jahres 2021. © Martin Bargiel
Anzeige

Anna-Lena Hennig ist U25-Nationalspielerin bei den Rollstuhlbasketball-Damen. Mit großem Talent und beständigem Streben nach Weiterentwicklung übernimmt die 25-Jährige in ihrem Team gern Verantwortung. Der Sport hat für die Spielerin mit einer spastischen Diparese eine riesengroße Bedeutung.

Anzeige

Anna-Lena Hennig hat Biss. In den Zweikämpfen kann ihr so leicht keiner das Wasser reichen, es rappelt ordentlich, wenn die Rollstühle ineinander krachen. Die 21-Jährige mit einer spastischen Diparese ist Mitglied im Team BEB und spielt in der U25-Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft der Damen sowie mit dem BBC Münsterland in der 1. Bundesliga.

Anzeige

„Ein Spiel kann sich innerhalb von Sekunden vollständig verändern“, betont Anna-Lena Hennig. Eine Erfahrung, die sie schon mehrfach gesammelt hat. So wie im Spiel um den Einzug ins Viertelfinale bei der Weltmeisterschaft in Thailand 2019. „Wir haben bis kurz vor Schluss geführt und den Sieg dann doch noch hergegeben“, erinnert sie sich.

Kandidatin zur Wahl von Niedersachsens Behindertensportler des Jahres 2021: Anna-Lena Hennig

Hennig kam vier Monate zu früh zur Welt und erlitt bei der Geburt einen Schlaganfall. Dieser schädigte den Bereich im Gehirn, der für die Motorik der Beine zuständig ist. „Das wurde aber erst entdeckt, als ich fünf Jahre alt war. Bis dahin meinten die Ärzte, dass ich einfach ein bisschen länger brauche als andere Kinder.“ Bis zum Alter von acht Jahren wurde sie mehrfach operiert, um die stark verkürzten Muskeln in den Beinen zu verlängern. „Mit Rollator und Orthesen konnte ich dann laufen bis ich 13 war, aber die Pubertät hat alles wieder verschlimmert.“ Am Ende gab es zum Rollstuhl keine Alternative.

"Der Sport hat mir Hoffnung gegeben"

2013 hat Hennig in einer Reha-Klinik Rollstuhlbasketball kennen und kurz darauf bei der RSG Langenhagen lieben gelernt. „Dafür bin ich heute noch sehr dankbar“, betont sie. Sie hatte ihre Sportart gefunden und bewies Talent.

2016 zog sie ins Lotto-Sportinternat und spielte seitdem für Hannover United in der zweiten Mannschaft. Im Januar 2020 folgte der Wechsel nach Osnabrück. „Dort konnte ich auf meiner Position mehr Spielzeit bekommen und mich besser entwickeln“, erklärt sie und blickt dennoch ein bisschen wehmütig auf ihre Hannover-Zeit zurück.

Der Sport ist für Anna-Lena Hennig von unschätzbarem Wert. Als sie an einer Essstörung erkrankte, unterstützten ihre Familie, ein Netzwerk aus Ärzten und Psychologen und ihr sportliches Umfeld die junge Sportlerin intensiv. Aber auch die Perspektive, bei der WM in Thailand im Aufgebot zu stehen, trug zur Stabilisierung bei. „Der Sport hat mir Hoffnung gegeben. Spätestens mit dem Einstieg ins Flugzeug wollte ich die Krankheit abschließen. Für den Sport muss und will ich einfach gesund bleiben“, sagt sie nachdrücklich.

Kurzvorstellung Anna-Lena Hennig

Auch körperlich hilft ihr der Rollstuhlbasketball ganz entscheidend. „Auf lange Sicht wirkt sich das Training positiv auf meine Spastik in Armen und Beinen aus. Allerdings muss ich zugleich aufpassen, dass ich nicht zu viel mache, weil die Spastiken dann nachts kommen.“ Bei acht bis neun Trainingseinheiten pro Woche ist es unter anderem dieser Balanceakt, der Hennig vorantreibt.

Zuletzt hat die COVID-19-Pandemie diese Entwicklungsmöglichkeiten stark ausgebremst. Weil mit dem zweiten Shutdown alle unteren Ligen den Spielbetrieb einstellten und auch kein Team-Training mehr erlaubt war – so auch beim RSC Osnabrück –, ist Anna-Lena Hennig seit Januar beim BBC Münsterland aktiv.