24. Januar 2021 / 20:52 Uhr

Im Wasser zu Hause: Schwimmen ist für Jered Müller so viel mehr als Sport

Im Wasser zu Hause: Schwimmen ist für Jered Müller so viel mehr als Sport

Heike Werner
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Jered Müller ist nominiert für die Wahl zu Niedersachsens Behindertensportler des Jahres 2021.
Jered Müller ist nominiert für die Wahl zu Niedersachsens Behindertensportler des Jahres 2021. © Martin Bargiel
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Höchst motiviert arbeitet der Jered Müller an neuen Bestzeiten. Regelmäßig ist der 17-jährige Para-Schwimmer vom SC Hellas Einbeck mit einer Oligoarthritis extended und einer Fibromyalgie aber auch als Trainer und Kampfrichter im Einsatz. Von Rückschlägen lässt er sich nicht entmutigen.

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Wenn Jered Müller durch das Becken krault, ist er im wahrsten Sinne des Wortes in seinem Element. Seit er im Alter von sechs Jahren das Seepferdchenabzeichen gemacht hat, ist der inzwischen 17-jährige Para-Schwimmer vom SC Hellas Einbeck aus dem Becken kaum noch herauszubekommen. „Im Wasser geht es mir körperlich einfach viel besser als an Land“, sagt er. „Das kühle Wasser ist gut für meine Gelenke, und ich habe weniger Schmerzen!“

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Mit seiner Einschulung begannen bei Müller die ersten Symptome einer Rheumaerkrankung. Oligoarthritis extended wurde daraufhin diagnostiziert. Eine chronische Entzündung, von der bei dem Para Schwimmer vor allem Hüften, Knie, Sprung- und Handgelenke sowie zeitweise kleinere Gelenke wie Finger betroffen sind. Hinzukommt eine sogenannte Fibromyalgie, ein Schmerzverstärkungssyndrom.

Kandidat zur Wahl von Niedersachsens Behindertensportler des Jahres 2021: Jered Müller

Was so kompliziert klingt, ist es auch. Vor allem die Behandlung der Krankheit erfordert einen vielseitigen Therapieplan. Neben schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten bekommt er regelmäßig Physiotherapie, übt sich in autogenem Training, lässt sich durch eine Klangtherapie behandeln.

Auch als Kampfrichter im Einsatz

Drei- bis viermal pro Woche zieht Müller im Becken seine Bahnen. Doch nicht nur das eigene Training ist für den 17-Jährigen ein wichtiger Bestandteil seines Alltags. Bereits im Alter von zwölf Jahren hat er seiner Trainerin in der Gruppe mit den jüngeren Schwimmern assistiert. Als diese später aufhörte, übernahm er kurzerhand die Gruppe und gründete zudem im SC Hellas Einbeck die Para-Schwimmgruppe.


Bei diesem Engagement überrascht es nicht, dass Müller auch regelmäßig als Kampfrichter im Einsatz ist. Wobei in dieser Hinsicht das Jahr 2020 durch die COVID-19-Pandemie ein ruhiges war. Schwerer wog jedoch, dass der Athlet wochenlang nicht schwimmen konnte.

Doch er hat es auch ohne Wasser geschafft, einigermaßen fit zu bleiben. „Ich war regelmäßig mit meinem Hund Magnus draußen. Er ist einfach immer da, vor allem, wenn es mir nicht so gut geht.“ Dann liegt Magnus eng bei dem 17-Jährigen und lässt ihn keine Sekunde aus den Augen. Die beiden verbindet nicht nur blindes Verständnis, sondern auch die Leidenschaft für Wasser. „Magnus hat sogar einen eigenen Pool in unserem Garten.“

Kurzvorstellung Jered Müller

Insgesamt ist der Einbecker glücklich, auf soviel Unterstützung in seinem Leben bauen zu können. Seine Eltern, seine Trainer und auch seine Freunde – ohne dieses große funktionierende Netzwerk wäre es für Müller wesentlich schwieriger, seine sportliche Leidenschaft zu leben. Das Schwimmen wirkt in jeder Hinsicht wie eine Therapie, nicht nur körperlich. „Ich bekomme im Wasser einfach den Kopf frei. Und wenn ich als Trainer am Beckenrand stehe und weiß, wovon ich rede, gibt mir das auch eine Menge Selbstbewusstsein.“

Sein Titel bei den Deutschen Jugendmeisterschaften 2018 und die Zugehörigkeit zum Nachwuchskader 2 des Deutschen Behindertensportverbandes bedeuten ihm zwar viel, doch letztlich ist Schwimmen einfach viel mehr, als von Beckenrand zu Beckenrand zu schwimmen“, sagt er.