24. Januar 2021 / 20:51 Uhr

Nicht geradlinig, aber erfolgreich: Lukas Schwechheimer nimmt "sensationelle Entwicklung"

Nicht geradlinig, aber erfolgreich: Lukas Schwechheimer nimmt "sensationelle Entwicklung"

Heike Werner
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Lukas Schwechheimer ist nominiert für die Wahl zu Niedersachsens Behindertensportler des Jahres 2021.
Lukas Schwechheimer ist nominiert für die Wahl zu Niedersachsens Behindertensportler des Jahres 2021. © Martin Bargiel
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Kaum Wettkämpfe, eingeschränkte Trainingsmöglichkeiten, der Beginn eines FSJ: Für Lukas Schwechheimer (VfL Wolfsburg/Team BEB) waren die letzten Monate herausfordern. Doch der Sprinter und Weitspringer mit spastischer Hemiparese lässt sich in nicht aufhalten. Sein Ziel sind die Paralympics. 

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Der Weg, den Lukas Schwechheimer geht, ist nicht unbedingt geradlinig, aber gründlich überlegt. Das begann in sportlicher Hinsicht im Jahr 2011, als er gefragt wurde, ob er nicht mal bei der Para-Leichtathletik des VfL Wolfsburg vorbeischauen wolle. „So aus Spaß“ sei er dann zum ersten Training gegangen, erinnert sich der 21-Jährige. Gepaart mit Talent und Trainingsfleiß geriet er in die Erfolgsspur und wurde 2015 Doppel-Juniorenweltmeister im Kugelstoßen und Diskuswurf.

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Doch die Freude über den Erfolg war für den Athleten vom VfL Wolfsburg/Team BEB nicht wirklich nachhaltig. „Ich habe mich in meinem Körper nicht wohl gefühlt und hatte auf einmal keinen Spaß mehr am Kugelstoßen und Diskuswurf. Ich stand einfach nicht mehr dahinter“, erinnert er sich.

Kandidat zur Wahl von Niedersachsens Behindertensportler des Jahres 2021: Lukas Schwechheimer

Mit der Para-Leichtathletik aufzuhören, kam nicht in Frage. Stattdessen wagte er nach reiflicher Überlegung den Wechsel zum Sprint, für den er als Werfer allerdings zu viel Gewicht mitbrachte. Die Folge: 20 Kilogramm Gewichtsverlust innerhalb kürzester Zeit – Schwechheimer war kaum wiederzuerkennen.

Schwechheimer sprintet in die nationale Spitze

Innerhalb von drei Jahren hat er seine 200-Meter-Bestzeit um sage und schreibe zehn Sekunden verbessert, läuft inzwischen in der nationalen Spitze mit und ist auch international unter den Top Ten bei den Junioren. „Eine sensationelle Entwicklung“, bescheinigt ihm Landestrainerin Catherine Bader, die ihm auch im Weitsprung konkurrenzfähige Weiten voraussagt.

Schwechheimer lebt mit einer spastischen Hemiparese – einer linksseitigen unvollständigen Lähmung in Arm und Bein. Ausgelöst wurde sie durch einen Schlaganfall noch vor seiner Geburt, diagnostiziert aber erst, als der Junge etwa zweieinhalb Jahre alt und sein Gangbild auffällig war.

Die Kontrolle seiner Emotionen sei ihm früher schwergefallen. Die Ursache: eine Vernarbung der Neuronen, die für die emotionale Steuerung zuständig sind. „Früher hatte ich regelrecht Angst vor dieser extremen Wut. Heute habe ich zwar noch Respekt davor, erkenne aber inzwischen die ersten Anzeichen und kann darauf reagieren.“

Kurzvorstellung Lukas Schwechheimer

Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das er aktuell absolviert, stellt ihn diesbezüglich ab und zu vor eine Herausforderung. „Ich arbeite mit zum Teil schwer eingeschränkten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Da kommt es manchmal zu Situationen, die ich nur schwer verarbeiten kann.“ Dann braucht er einen Rückzugsort. Zugleich sind ihm diese Erfahrungen wichtig. „Es zeigt mir, dass es auch Menschen gibt, die mit ihren Einschränkungen nicht selbständig leben können. Auf sie möchte ich mich einlassen und ihnen helfen.“

Seine sportlichen Ziele verliert Schwechheimer indes nicht aus den Augen. Im Juni stehen die Europameisterschaften an, bei denen der Nachwuchskaderathlet im Juniorteam auf sich aufmerksam machen kann. „In jedem Fall will ich 2021 beweisen, dass ich stetig meine Form verbessern und national und international vorn dabei sein kann.“