16. Februar 2022 / 16:14 Uhr

"Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn": Hennig und Carl feiern deutsche Langlauf-Sensation bei Olympia

"Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn": Hennig und Carl feiern deutsche Langlauf-Sensation bei Olympia

Lars Becker
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Katharina Hennig (l.) und Victoria Carl sorgten im Teamspringt für eine Sensation.
Katharina Hennig (l.) und Victoria Carl sorgten im Teamspringt für eine Sensation. © IMAGO/ITAR-TASS (Montage)
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Katharina Hennig und Victoria Carl gewinnen sensationell Gold im Langlauf-Teamsprint. Das Duo bereitet Bundestrainer Peter Schlickenrieder damit das beste Geschenk zum 52. Geburtstag.

"Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn" – Skilangläuferin Katharina Hennig wollte im Zielraum gar nicht mehr aufhören zu schreien. Kurz hinter der Ziellinie erwartete sie ihre Teamkollegin Victoria Carl, die mit einer unglaublichen Energieleistung im Zielsprint für die wohl größte Sensation dieser Winterspiele gesorgt hatte. Dann fielen sich die beiden als Olympiasiegerinnen im Teamsprint in die Arme und anschließend völlig fassungslos in den Schnee. Es war die erste Olympiagoldmedaille für die deutschen Loipenspezialisten seit zwölf Jahren.

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"Ich stand an der Ziellinie und dachte: Das ist völlig verrückt", erklärte Katharina Hennig. "Wir sind momentan emotional völlig überfordert mit dem, was uns da geglückt ist." Mit winzigen 0,17 Sekunden Vorsprung gewann Victoria Carl einen unglaublich dramatischen Krimi um Gold gegen die Schwedin Jonna Sundling, die sich zuvor Olympiagold im Einzelsprint geholt hatte. Wie die in letzter Sekunde als Ersatzläuferin nominierte Thüringerin dieses Kunststück gegen die beste Langlaufsprinterin der Welt vollbracht hatte, wusste sie später selbst nicht mehr so recht: "Ich dachte nur: Schieb, Schieb, Schieb! Ich hatte den Kopf völlig ausgeschaltet, da haben nur noch die Arme funktioniert."

Eine Medaille wäre schon eine riesige Überraschung für das deutsche Duo gewesen, doch Gold war im Kampf gegen die sonst so überlegenen Langlaufnationen dieser Welt eine Sensation. Der Rest war grenzenloser Jubel im ganzen Team, Lachen und Hüpfen für die beiden Olympiasiegerinnen auf dem Siegerpodest und ganz vielen Tränen bei Bundestrainer Peter Schlickenrieder an seinem 52. Geburtstag.

"Das ist ein brutaler Traum. Ich könnte den ganzen Tag heulen. Ein schöneres Geburtstagsgeschenk kann man sich nicht wünschen", kommentierte der deutsche Skilanglauf-Teamchef Schlickenrieder. Vor vier Jahren hatte er als "Mastermind" seine Aufbauarbeit im damals darniederliegenden deutschen Skilanglauf begonnen. Die Arbeit hat sich an diesem historischen Mittwoch in Olympiagold ausgezahlt: Schon nach dem überraschenden Silbergewinn für die Frauenstaffel am vergangenen Samstag mit Hennig und Carl hatte sein Team bereits alle Erwartungen übertroffen.

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Ein perfekt aufgegangener Plan

Dabei hatte der Tag mit einem Schock begonnen. Die eigentlich für den Teamsprint vorgesehene Katherine Sauerbrey sagte ihren Start ab, weil sie sich nach den Belastungen an den ersten Olympiatagen nicht topfit fühlte. Die Thüringerin Carl wurde als Ersatz auserkoren. Im Finale, in der die zwei Läuferinnen jedes Teams jeweils dreimal im Wechsel die Sprintrunde durchlaufen mussten, wirkte Carl in ihren ersten Umläufen geschwächt. Katharina Hennig ("Ich bin in der Form meines Lebens") musste jeweils ein kleines Loch zulaufen. Aber das war blanke Taktik, wie sie danach verriet: "Ich musste die Arbeit machen, damit Vicki sich für den Zielsprint schonen kann." Der Plan ging perfekt auf.

"Chapeau! Wie Victoria das auch taktisch in Weltklassemanier hinbekommen hat, war unglaublich", meinte Schlickenrieder. "Das zeigt, was das ganze Team für eine unglaubliche Entwicklung genommen hat. Was wir heute geleistet haben, werden wir erst in zehn, 20 Jahren realisieren", sagte Schlickenrieder. Er weiß, über was er redet: Vor 20 Jahren hatte der Teamchef selbst Olympiasilber im Sprint gewonnen.

Zwölf Jahre liegt der letzte deutsche Olympiasieg im Skilanglauf zurück. Damals hatten Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad ebenfalls sensationell Gold im Teamsprint vor Schweden gewonnen. Nun reisen Katharina Hennig und Victoria Carl als Sensationsolympiasiegerinnen heim. "Vielleicht werde ich dann begreifen, was hier passiert ist", sagte Hennig.

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