09. Juni 2021 / 15:00 Uhr

Waisenhaus in Guinea entsteht: Wolfsburg-Kapitän Guilavogui wird zum Bauarbeiter...

Waisenhaus in Guinea entsteht: Wolfsburg-Kapitän Guilavogui wird zum Bauarbeiter...

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Tauscht die Kapitänsbinde gegen Handwerks-Equipment: Wolfsburgs Josuha Guilavogui hilf beim Bau seines Waisenhauses in Guinea.
Tauscht die Kapitänsbinde gegen Handwerks-Equipment: Wolfsburgs Josuha Guilavogui hilf beim Bau seines Waisenhauses in Guinea. © dpa
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Josuha Guilavogui – viel helfen durfte der Kapitän dem Wolfsburger Fußball-Bundesligisten in der vergangenen Saison auf dem Platz nicht. Jetzt hilft er Menschen, die fast alles im Leben verloren haben.

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Urlaubszeit – die nutzen die VfL-Profis, um nach einer intensiven Saison auszuspannen. Das hat auch Josuha Guilavogui gemacht. Mit seiner Familie war der VfL-Kapitän erst auf den Malediven, dann in Dubai und jetzt ist er zurück in seiner Heimat Frankreich. Aber er bleibt nicht lange. Denn in den nächsten Tagen wird der Mittelfeldspieler des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten ein bisschen zum Bauarbeiter. Guilavogui packt mit an, wenn in Guinea sein eigenes Waisenhaus entsteht.

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Im Sommer 2019 war der 30-Jährige erstmals wegen seines Projekts in das Land, in dem die Wurzeln seiner Eltern liegen, gereist. Er wollte Kindern ohne Mutter und Vater helfen. Im Oktober dann die Eröffnung des Waisenhauses. Zunächst einmal fanden neun Kinder dort eine neue Heimat, jetzt sind es 13, 15 sollen es mal werden. Aber: Bislang hatten die Kinder in einem Mietobjekt gelebt, nun baut der VfL-Profi mit dem großen Herz auf einem 2000 Quadratmeter großen Grundstück etwas eigenes. Guilavogui: „Ich fliege mit zwei meiner Onkel dorthin, wir bleiben mindestens eine Woche, denn ich möchte sehen, wie die Lage vor Ort ist. Ich möchte dabei sein, wenn unser eigenes Waisenhaus entsteht. Denn für mich ist dieses Projekt kein Symbol. Ich möchte nicht nur Geld geben und später sehen, ob das Haus auch gerade ist – nein, ich möchte mithelfen.“

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Guilavogui freut sich schon riesig auf den Besuch, denn wegen der Pandemie war es in den vergangenen Monaten nicht möglich, vor Ort sein zu können. „Für mich war das eine schwere Zeit, weil ich nicht hinfliegen konnte. Ich hatte mir vorgenommen, alle sechs Monate oder mindestens einmal im Jahr vor Ort sein zu können, aber im vergangenen Sommer ging es wegen Corona nicht, da war alles dicht. Und im Winter hatten wir kaum Urlaub", schildert er. Und so wurde in der Zeit viel telefoniert, zudem bekam Guilavogui viele Bilder. Der zweifache Familienvater hat sich mit dem Waisenhaus einen Traum erfüllt. Er wollte immer schon Kindern in Not helfen. Als er letztmals in Guinea war, erzählte er hinterher total gerührt: „Die Kinder sagen Papa zu mir. Sie sagen: Wir haben keinen Papa oder keine Mama mehr – sie sagen, du bist unser Papa. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, das hier erleben zu dürfen.“



VfL-Kapitän Guilavogui besucht Waisenkinder in Guinea

VfL-Kapitän Guilavogui besucht Waisenkinder in Guinea Zur Galerie
VfL-Kapitän Guilavogui besucht Waisenkinder in Guinea ©

Guilavogui, der bei seinem Herzens-Projekt sowohl von seiner Familie als auch von VfL-Marketing-Chefin Verena Kögler und Mario Leo (RESULT Sports) viel Unterstützung erfährt, darf dieses Gefühl nun wieder erleben. Und er wünscht sich, dass beim Bau des neuen Zuhauses der Waisenkinder alles glatt läuft. Es entsteht ein Haus „mit einem Essensraum, einem Wohnzimmer, einem Arbeitszimmer, jeweils einem Schlafzimmer für Mädchen und für Jungs, einer Dachterrasse, wo die Kinder ihre Aufgaben erledigen können, wenn es nicht so heiß ist“, so der VfLer. Zudem soll auch noch eine Schule gebaut werden, „die auch andere Kinder aus dem Dorf besuchen können“, erzählt Guilavogui und fügt hinzu: „Das größte Problem in Afrika ist, dass es nicht genügend Schulen gibt. Dabei ist es wichtig, dass man Lesen und Schreiben kann. Ich glaube, das muss der Anfang sein. Ist der geschafft, hast du in Afrika mehr Chancen, um überleben zu können.“

Er hatte sich gewünscht, dass es beim Bau des Waisenhauses schneller geht, aber das sei in Afrika nicht immer ganz so einfach. „Ich wollte, dass alles geklärt ist und dass keiner nach dem Beginn des Baus kommt und sagt: Entschuldigung, dieses Grundstück habe ich auch gekauft. Jetzt ist alles geklärt, das Grundstück gehört uns und wir können loslegen. Ich freue mich riesig.“ Bleibt noch die Frage: Wie gut ist der auf dem Platz für die Balleroberung zuständige VfLer eigentlich als Bauarbeiter? „Ich bin ein richtig schlechter Handwerker“, sagt er lachend, „aber man kann ja lernen.“