15. Januar 2021 / 16:18 Uhr

Wandlitzer Luca Netz: Jungstar bei Hertha BSC auf der Überholspur

Wandlitzer Luca Netz: Jungstar bei Hertha BSC auf der Überholspur

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Luca Netz (r.) im Zweikampf mit Schalkes Timo Becker. Beim Heimsieg gab der 17-Jährige sein Bundesliga-Debüt.
Luca Netz (r.) im Zweikampf mit Schalkes Timo Becker. Beim Heimsieg gab der 17-Jährige sein Bundesliga-Debüt. © Imago Images/Contrast
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Bundesliga: Der 17-Jährige, der beim FSV Bernau das Fußball-Abc erlernte, gilt aktuell als größtes Talent beim Hauptstadtclub - gegen den 1. FC Köln könnte er sein Startelf-Debüt geben.

Es fällt derzeit nicht unbedingt einfach, etwas Positives im Umfeld von Hertha BSC zu finden. Beim trostlosen 0:1 gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld am Sonntag gab es zumindest einen kleinen Lichtblick: Luca Netz. Der Linksverteidiger absolvierte sein zweites Spiel in Folge für die Berliner, zum zweiten Mal wurde er eingewechselt. Gerade einmal 17 Jahre ist das Eigengewächs alt, nur ein Spieler in der Hertha-Geschichte war bei seinem Bundesliga-Debüt noch jünger – Lennart Hartmann, der 2008 im Alter von 17 Jahren und 136 Tagen debütierte und damit 96 Tage jünger war als Netz.

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Der spätere Babelsberg-Spieler Hartmann, inzwischen 29, schaffte allerdings nicht den Durchbruch, beendete früh seine Karriere und ist nun Jurist. Sein Nachfolger dagegen hat seine Fußball-Zukunft noch vor sich. Und hört man Bruno Labbadia zu, dann bringt Netz vieles mit, um sie erfolgreich zu gestalten. „Es gibt wenige Spieler, die Linksfuß sind und mit rechts so einen guten Schuss haben“, ist beispielsweise ein Satz, den der Hertha-Trainer über den Jungstar sagt.

In Bildern: 72 ehemalige Spieler der Hertha BSC-Akademie – und was aus ihnen wurde.

Jerome Boateng (v.l.), Alexander Madlung und Sejad Salihovic sind nur drei prominente Beispiele für ehemalige Akademie-Spieler von Hertha BSC. Klickt euch durch unsere Galerie und erfahrt, welche Spieler den Sprung von den Hertha-Bubis in den Profifußball geschafft haben! Zur Galerie
Jerome Boateng (v.l.), Alexander Madlung und Sejad Salihovic sind nur drei prominente Beispiele für ehemalige Akademie-Spieler von Hertha BSC. Klickt euch durch unsere Galerie und erfahrt, welche Spieler den Sprung von den Hertha-Bubis in den Profifußball geschafft haben! ©

Er ist nicht alleine so begeistert. 2020 erhielt Netz die Fritz-Walter-Medaille – die höchste Auszeichnung für Fußball-Talente in Deutschland – in Bronze. Vor ihm landeten nur Supertalent Florian Wirtz (Bayer Leverkusen) und der Ex-Herthaner Torben Rhein (Bayern München). Von dieser Auszeichnung profitierte übrigens auch ein Brandenburger Verein: Seine ersten fußballerischen Schritte machte Netz, der im Berliner Stadtteil Buch geboren wurde, in der unmittelbaren Nachbarschaft beim FSV Bernau. „Die Nähe zu unserem Wohnort Wandlitz war damals ausschlaggebend, außerdem habe ich selbst in der zweiten Männermannschaft dort gespielt“, verrät Vater Andre Netz. Gut zwei Jahre erlernte Luca, der kaum noch Kontakte zum FSV hat, in Bernau das Fußball-Abc.

2010, im Alter von sieben Jahren, folgte der Schritt zur Hertha, wo er sich schnell als außergewöhnliches Talent einen Namen machte. Körperlich robust und mit viel Zug nach vorne bringt der Linksverteidiger beste Voraussetzungen mit, um sich früher oder später in der Bundesliga zu etablieren.

Viel Vertrauen von Trainer Labbadia

Wobei es nicht unwahrscheinlich ist, dass es eher früher passiert. Beim Auswärtsspiel gegen den 1. FC Köln am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) fällt Marvin Plattenhardt (Adduktorenprobleme) aus. Und da auch der Einsatz von Matheus Cunha noch nicht sicher ist, könnte Plattenhardts erster Vertreter, Maximilian Mittelstädt, wie schon gegen Bielefeld links offensiv gebraucht werden – und Netz ins Team rücken. Man habe „keine Scheu davor“, sagt Labbadia und bringt Netz damit viel Vertrauen entgegen.

Das hatte der Coach schon früh, zog er den Linksverteidiger doch schon kurz nach seinem Amtsantritt an Ostern 2020 zu den Profis hoch. Ein Mittelfußbruch verhinderte womöglich ein noch früheres Debüt von Netz. Zudem fehle gerade den jungen Spielern, die auf dem Sprung zu den Profis seien, die Spielpraxis wie in der zweiten Mannschaft von Hertha in der unterbrochenen Regionalliga Nordost.


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Gegen Köln erwartet Labbadia ein ähnliches Spiel wie gegen Bielefeld – mit vielen Zweikämpfen. Statistisch gesehen hatte Hertha zwar 52 Prozent davon gegen Bielefeld gewonnen, aber „die entscheidenden“ habe man verloren. Dass dies anders wird, dafür könnte auch Luca Netz am Sonnabend sorgen.