15. Januar 2020 / 07:45 Uhr

Nach gescheitertem Mavropanos-Transfer: Wann löst Hannover 96 den Knoten? 

Nach gescheitertem Mavropanos-Transfer: Wann löst Hannover 96 den Knoten? 

Andreas Willeke und Tobias Manzke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Trainer Kenan Kocak soll das 96 der Zukunft bauen, Boss Martin Kind trifft die wichtigen Entscheidungen und Sportchef Jan Schlaudraff ist entmachtet. 
Trainer Kenan Kocak soll das 96 der Zukunft bauen, Boss Martin Kind trifft die wichtigen Entscheidungen und Sportchef Jan Schlaudraff ist entmachtet.  © imago images/Zink/dpa
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Der Transfer von Konstantinos Mavropanos zu Hannover 96 ist gescheitert. Das Arsenal-Talent ist zum 1. FC Nürnberg gewechselt. Sportdirektor Jan Schlaudraff wurde schleichend entmachtet - Trainer Kenan Kocak wurde zum starken Mann, der er gar nicht sein will. Boss Martin Kind agiert derweil zwischen Schuldzuweisungen und Misstrauen. 

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Vielleicht ist Konstantinos Mavropanos ein gutes Beispiel. 96-Trainer Kenan Kocak wollte den Innenverteidiger verpflichten, seit mehr als einer Woche. Umsetzen sollte und wollte den Transfer der ­96-Sportchef Jan Schlaudraff, der vom Ober-Pattenser Per Mertesacker auf die Spur des Arsenal-Profis gesetzt worden war. Mertesacker leitet die Jugendakademie der Londoner, war kurzzeitig sogar Co-Trainer. Der Wechsel wäre kein Problem gewesen, schließlich lässt sich der ­22-Jährige nur bis Saisonende ausleihen, ohne Kaufoption allerdings. Gelandet ist Mavropanos aber am Montag in Nürnberg, bei einem 96-Konkurrenten.

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Unausgesprochenes neues Machtgefüge

Warum der 1,94 Meter große Spieler nicht in Hannover unterschrieben hat, das ist nicht so ganz klar – wie überhaupt gerade ziemlich viel im Ungefähren bleibt in der 96-Führung. Es hat sich ein Knoten gebildet aus unscharfen Verantwortlichkeiten, Misstrauen, Rechtfertigungen und einem unausgesprochenen neuem Machtgefüge. Verflochten sind dabei ­96-Profichef Martin Kind, Sportdirektor Jan Schlaudraff und Trainer Kenan Kocak.

Die Probleme entstanden durch die sportliche Krise und den Absturz in der 2. Liga. Ziel war der Aufstieg – 96 überwintert aber mit nur zwei Punkten Vorsprung vor dem Platz, der am Saisonende zur Abstiegsrelegation führt. Ein wichtiger Grund dafür ist die Zusammenstellung der Mannschaft, die Schlaudraff mit Ex-Trainer Mirko Slomka baute. Schlaudraff führt als Entschuldigung die geringen Transferausgaben an, er beziffert sie auf 2,2 Millionen Euro. Mit den Personalausgaben von 22 Millionen Euro hat 96 aber den drittteuersten Kader der 2. Liga – zum großen Teil sind es jedoch Altlasten aus der Ära von Ex-Sportchef Horst Heldt.

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Kocak geriet in das Machtvakuum der sportlichen Führung

Als erste Konsequenz der Krise wurde Slomka entlassen, Schlaudraff jedoch nur schleichend entmachtet. Kind vertraut nun Kocak. Sein Draht zum neuen Trainer wurde immer enger, der zu Schlaudraff brach zeitweise ganz ab. Kocak wurde so zum starken Mann, der er aber gar nicht sein will, es ist ihm unangenehm. Schlaudraff wartet auf eine klare Ansage, was das Budget für Transfers betrifft, was er nun tun und lassen darf und was nicht. Einerseits soll er noch mitarbeiten, andererseits läuft das meiste an ihm vorbei.

Der Trainer geriet so nach nur fünf Spielen in das Machtvakuum der sportlichen Führung. Er wünscht sich, dass die Arbeit von Trainer und Sportchef reibungslos und professionell funktioniert – aber so ist es nun mal nicht.

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Nur eine klare Entscheidung kann die Lage beruhigen

Dazu unterscheidet sich Kocak auch zu stark in Analysen und Persönlichkeit von Schlaudraff. Dennoch wollten Kind, Kocak und Schlaudraff zumindest noch bei den geplanten Wintertransfers zusammenarbeiten. Trainer und Sportchef legten dabei eigene Wunschspielerlisten vor. Man arbeitet nebenher, einigte sich am vergangenen Samstag aber auf Namen für alle Positionen. Es wurde vorentschieden, wie Schlaudraff verhandeln soll. Aber auch da gibt’s schon wieder Vorbehalte. Man kommt nicht voran – das Ganze geht einher mit internen Rechtfertigungen und Schuldzuweisungen.

Kind scheint erkannt zu haben, dass es so nicht weitergehen kann. Einerseits will er weitere Unruhe verhindern, andererseits kann nur eine klare Entscheidung die Lage beruhigen. Vertraut er Schlaudraff noch, muss er ihn stützen. Wenn nicht, kann nur die Trennung den Knoten lösen.

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