28. März 2018 / 08:26 Uhr

Wäre die Stimmung ein Grund, Hannover 96 zu verlassen, Herr Bakalorz?

Wäre die Stimmung ein Grund, Hannover 96 zu verlassen, Herr Bakalorz?

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Marvin Bakalorz
Marvin Bakalorz © imago/Christian Schroedter
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Marvin Bakalorz (28) war nach einer schwierigen Phase auf der Bank gegen Dortmund wieder Stammspieler bei Hannover 96. Der Sportbuzzer sprach mit Bakalorz – und begann mit dem frischen Acht-Millionen-Euro-Gerücht aus Leeds.

Marvin Bakalorz, Leeds United möchte Sie angeblich für acht Millionen Euro im Sommer verpflichten. Sind Sie auf dem Absprung?

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Ich bin total verblüfft. Ich weiß von einem solchen angeblichen Angebot gar nichts.

Was tun Sie, wenn so ein Angebot kommt?

Wie gesagt, ich höre davon zum ersten Mal. Das Ausland ist immer interessant. Aber ich sehe meine Zukunft in Hannover, weil ich mich hier wohlfühle. Es ist wirklich so. Stadt cool, Mannschaft cool, Verein cool. Ich sehe meine Zukunft hier. Es ist schon ein Traum von mir, irgendwann mal im Ausland zu spielen. So ein Ziel ist ja nicht verboten. Aber jetzt gerade sehe ich meine Zukunft in den nächsten Jahren hier in Hannover.

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In den nächsten Jahren? Ihr Vertrag läuft bis 2019. Haben Sie schon über eine Verlängerung gesprochen?

Sagen wir so: Wir haben uns mal ausgetauscht. Ich freue mich, wenn wir weitere Ge­spräche führen, vielleicht freut sich ja auch Hannover darüber.

Marvin Bakalorz: Bilder seiner Karriere

Von Preußen Münster wechselte Marvin Bakalorz 2010 in die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund. Insgesamt drei Jahre blieb er im Ruhrgebiet. Zur Galerie
Von Preußen Münster wechselte Marvin Bakalorz 2010 in die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund. Insgesamt drei Jahre blieb er im Ruhrgebiet. ©

Wenn Sie sagen, Sie wollen bleiben, dann gehen Sie davon aus, 96 bleibt in der Bundesliga. Warum?

Weil ich davon überzeugt bin. Hier wird schon vom Trainerteam und von Horst Heldt gute Arbeit geleistet. Und weil wir einen tollen Teamgeist haben. Ich bin optimistisch, dass wir in dieser Saison die Klasse halten.

Für Sie schön, zumal Sie seit Jahren fast jährlich die Liga wechseln ...

Genau aus dem Grund sage ich das (lacht). Ich will drinbleiben.


Sind Sie ein Fahrstuhlspieler?

Na ja. Es kann schnell passieren, dass man so einen Ruf bekommt. Deshalb denke ich aktuell an nichts anderes als an den Klassenerhalt. Ich weiß, wie schlimm es ist abzusteigen. Ich weiß, wie schlimm es ist, in die enttäuschten Gesichter zu sehen. Deshalb ist auch so ein Gerücht mit Leeds total weit weg für mich. Ich will den Klassenerhalt schnellstmöglich über die Bühne kriegen und auch mal wieder gewinnen.

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Wie kommen Sie mit dem Wechsel zwischen Bank und Startelf zurecht?

Ich bin mit dem Trainer immer im Austausch. Ich bin nie sauer, wenn André Breitenreiter andere Ideen hat oder zum Beispiel Iver Fossum spielen lässt. Iver hat vieles, was ich nicht habe, ich habe auch viele Dinge, die Iver nicht hat. Es ist doch schön, dass es den Konkurrenzkampf in der Mannschaft gibt. Ich gebe zu, es ist schlimm für mich, auf der Bank zu sitzen und nicht helfen zu können. Es ist sogar das Schlimmste für mich. Aber solche Phasen gibt es immer mal. Gegen Dortmund habe ich ja wieder gespielt.

Was braucht 96 gegen Leipzig?

Wir müssen kompakt sein und Mentalität auf den Platz bringen. In Dortmund waren wir kompakt, wir haben nur keine Punkte geholt.

Die Leipziger Spieler werden Sie jagen.

Das ist wirklich so. Das ist Jagen über den ganzen Platz. Sie geben dem Gegner keine Zeit fürs Aufbauspiel. Aber wir haben gerne den Ball, unser Spielaufbau hat sich super entwickelt. Du musst die Kugel haben wollen gegen Leipzig. Wir müssen den Spielaufbau durchbringen. Mentalität, Zweikampfhärte und Kompaktheit sind am wichtigsten.

​"Wenn wir unterstützt werden, freuen wir uns total"

Wie geht der Trainer mit der Niederlagenserie um?

Er geht damit gut und souverän um. Er hat sensible Fühler und tendiert nicht zum Aktionismus. Er weiß, wie man mit dieser Situation umgehen muss. Und trotzdem sind wir gut drauf und verkrampfen nicht, haben trotz aller Fokussierung Spaß beim Training.

Gewinnen Sie die Fans nur mit guten Spielen?

Wenn wir unterstützt werden, freuen wir uns total. Wenn nicht, können wir damit umgehen. Das wäre aber schade.

Wäre die Stimmung ein Grund, 96 zu verlassen?

Nein. Das ist nur eine Phase, in der Verein, Fans und Mannschaft stecken. Es kann doch sein, dass sich alle bald vertragen und hier wieder eine Super-Stimmung herrscht. Für mich ist das kein Grund zu gehen. Es gibt vielleicht Spieler, die das anders sehen, aber das ist meine Meinung.

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Sind Sie bei 96 in dieser Saison auf dem Höhepunkt Ihrer Karriere?

Ich fühle mich angekommen. Deshalb möchte ich in der nächsten und der übernächsten Saison auch mit 96 in der Bundesliga spielen.

Was fehlt Ihnen noch?

Der Ball will einfach nicht rein. Ich hatte einige Torszenen, aber ich komme zu selten in die Situation. Darüber habe ich mit dem Trainer gesprochen, dass ich versuchen soll, mehr aus der zweiten Reihe zu schießen, auch mal 30-Meter-Dinger. Aber wissen Sie was? Wir reden jetzt darüber, und am Wochenende: oben rechts!

In Hannover scheint Ihnen sonst nichts zu fehlen.

Ich bin viel daheim. Ich mag es, zu Hause auf der Couch zu sitzen. Ich unternehme viel mit dem Hund. Auf dem Motorrad saß ich auch schon in diesem Jahr, aber das Wetter kommt dafür erst noch. Das Fahren gilt vielleicht als ein bisschen gefährlich, aber ich habe den Auspuff extra so laut gemacht, dass mich jeder hört (lacht).

Was macht Hannover cool für Sie?

Ich bin im Münsterland groß geworden. Dort ist es dörflich und ländlich. Hannover ist das natürlich nicht, aber Hannover hat viel Grün – nicht zu vergleichen mit dem Beton in Frankfurt. Ich gehe zehn Minuten mit dem Hund und bin im Wald. Und die Leute: Diese zurückhaltende Freundlichkeit, die mag ich.

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