15. Februar 2021 / 15:01 Uhr

Sie wäre gern geblieben: Darum bekommt Goeßling keinen neuen Vertrag in Wolfsburg

Sie wäre gern geblieben: Darum bekommt Goeßling keinen neuen Vertrag in Wolfsburg

Andreas Pahlmann und Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Lena Goeßling bekommt beim VfL keinen neuen Vertrag, Ralf Kellermann erklärt die Gründe.
Lena Goeßling bekommt beim VfL keinen neuen Vertrag, Ralf Kellermann erklärt die Gründe. © Roland Hermstein / dpa
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Der deutsche Frauenfußball-Meister VfL Wolfsburg wird den Vertrag mit Lena Goeßling nicht verlängern. Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der VfL-Frauen, nahm jetzt zu den Gründen Stellung.

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Wohin es sie ziehen wird, ist offen. Klar ist nur: Für Lena Goeßling ist die aktuelle Saison die letzte im Trikot des VfL Wolfsburg. Der deutsche Frauenfußball-Meister wird den Vertrag mit der Ex-Nationalspielerin nicht verlängern. "Es stimmt, dass Lena keinen neuen Vertrag als Spielerin angeboten bekommen hat", so Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der VfL-Frauen. Wohl aber hätte man gern auf anderer Ebene mit ihr weitergearbeitet. "Bei der letzten Verlängerung gab es die klare Absprache, dass wir ihr eine berufliche Perspektive zusichern. Die haben wir ihr nun geboten. Mir ist es extrem wichtig, dass wir so einer gestandenen Spielerin die Wertschätzung entgegenbringen, dass es nach der sportlichen Karriere hier weitergehen kann."

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Aber: "Sie hat mir mitgeteilt, dass sie sich noch zu fit fühlt und auch noch Fußballspielen möchte. Stand heute wird sie das Angebot nicht annehmen, sondern möchte noch mindestens zwei Jahre weiterspielen." Um welches Jobangebot es sich handelt, konkretisierte Kellermann nicht, für Goeßling sei die Tür aber auch zukünftig nicht zu. "Die Gespräche mit Lena waren sehr offen und die Enttäuschung bei ihr verständlicherweise groß", aber "wir haben ihr mit unserem Angebot eine Menge Wertschätzung entgegengebracht." Die Entscheidung, sie nicht als Spielerin übers Saisonende hinaus zu binden, "basiert einzig und allein auf der sportlichen Ausrichtung der Zukunft."

Goeßling, die im März 35 wird, spielt seit 2011 für den VfL und war bisher an allen Wolfsburger Titelgewinnen beteiligt. Sie wäre gern beim VfL geblieben. Kellermann erklärt: "Das steht nicht erst seit Samstag fest. Wir haben das schon zu einem frühen Zeitpunkt geregelt, damit Lena genug Zeit hat, zu planen." Warum hat Goeßling, aktuell Stammspielerin, keine sportliche Perspektive mehr beim VfL? "Wir haben eine Umstrukturierung vor", so Kellermann. "Wir werden den Kader extrem verjüngen und Plan ist es, diesen Umbruch hinzubekommen. Wir möchten international konkurrenzfähig sein und diesen Weg mit jungen, entwicklungsfähigen Spielerinnen gehen."

Der 52-Jährige bedauert den Abgang: "Natürlich ist Lena ein Gesicht der Mannschaft. Aber es ist auch wichtig, dass sich eine neue Hierarchie bildet und die jungen Spielerinnen brauchen den Raum, sich zu entwickeln. Ich bin sehr gespannt, wie es mit dem neuen Trainer wird. Unsere Achse wird da sein - wir werden eine gute, international erfahrene Torhüterin im Tor haben. In der Defensive dürfte Dominique Janssen gesetzt sein, dann haben wir Lena Oberdorf, Alexandra Popp und Ewa Pajor - das sind alles Typen." Dazu habe man sicher bereits Spielerinnen im Kader, "die sich aufgrund der derzeitigen Hierarchie noch zurückhalten, die dann einen weiteren Schritt nach vorne machen. Das ist ganz normal im Fußball - wir sehen uns auch in Zukunft gut aufgestellt." Der Bundesliga bleibt Goeßling möglicherweise erhalten, Eintracht Frankfurt hat Interesse an einer Verpflichtung der gebürtigen Bielefelderin.


Lena Goeßling: Karriere in Bildern

In der U 17 spielte Goeßling erstmals für Deutschland, später gehörte sie auch zur U-19-Nationalmannschaft Zur Galerie
In der U 17 spielte Goeßling erstmals für Deutschland, später gehörte sie auch zur U-19-Nationalmannschaft ©

Goeßling war nach der WM 2011 aus Bad Neuenahr zum VfL gekommen und entwickelte sich in Wolfsburg zur Leistungsträgerin im Verein und in der deutschen Nationalmannschaft. Unter den Trainern Kellermann und Stephan Lerch gewann sie zwei Mal die Champions League, wurde sechs Mal deutsche Meisterin und holte sieben Mal den Pokal. 2013 wurde sie mit der DFB-Auswahl Europameisterin und 2016 Olympiasiegerin, damit ist sie eine der erfolgreichsten Wolfsburger Sportlerinnen überhaupt. Aus der Nationalmannschaft war sie nach der WM 2019 zurückgetreten.

Auch die Zukunft von Torfrau Friederike Abt (26) und Außenbahn-Spielern Lara Dickenmann (35) klärt sich möglicherweise kurzfristig. Den Vertrag mit Torfrau Abt würde der VfL gern verlängern."Ich warte jetzt auf ein Zeichen, ob Rike sich die künftige Konstellation vorstellen kann. Wenn dem so ist, werden wir zeitnah in Gespräche einsteigen. Ich bin sehr optimistisch, dass sie in Wolfsburg bleiben möchte", so Kellermann. Bei Dickenmann "müssen wir uns noch ein paar weitere Tage gedulden." Bei der 135-fachen Schweizer Nationalspielerin steht ein Karriere-Ende im Raum. Zuvor hatte mit der erfahrenen Ungarin Zsanett Jakabfi (30) bereits eine VfL-Spielerin ihr Karriereende nach dieser Saison angekündigt.

Klar war bereits zuvor, dass mit Ingrid Engen und Fridolina Rolfö zwei Leistungsträgerinnen den VfL am Saisonende verlassen werden, beide waren nicht bereit, ihren auslaufenden Vertrag zu verlängern. Auch an Rolfö ist Eintracht Frankfurt interessiert, die Schwedin zieht es aber ins Ausland, gleiches gilt für die Norwegerin Engen.